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Nationalpark Donau-Auen, 20. April 2008 (Nationalpark Donau-Auen, 20. April 2008 )

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Nationalpark Donau-Auen, 20. April 2008

Bericht: Mag. Günther Loiskandl

Weit über der maximal möglichen Teilnehmerzahl lag das Interesse an der Exkursionsfahrt in den Nationalpark Donau-Auen am 20. April 2008. 29 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erlebten bei ausgezeichnetem Wetter einen abwechslungsreichen Tag an und auf der noch frei fließenden Donau ostwärts von Wien.

Wildromantische Flusslandschaften, wie einst in Tulln
Die starke Tradition des Paddelsports und die Lage des Vereinshauses direkt an seinem Ufer zeigen die enge Verbindung des Tullner Alpenvereins mit dem Donaustrom. Viele Mitglieder unserer OeAV-Sektion haben die Tullnerfelder Donaulandschaft aus der Zeit noch in Erinnerung, als der Strom auch bei uns eine freie Fließstrecke aufwies. Die Donaukraftwerke Altenwörth und Greifenstein brachten viel Veränderung: Strom aus Wasserkraft, Hochwassersicherheit, stabile Bedingungen für die Schifffahrt und künstlich gestaltete Erholungsräume für die Bevölkerung in den Stauraumbereichen, aber auch unwiederbringlichen Verlust von wesentlichen dynamischen Prozessen, die ein Auen-Ökosystem prägen. Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten mit besonderen Ansprüchen und eine wildromantische Flusslandschaft, die früher auch im Tullnerfeld zu finden waren, gibt es heute an der österreichischen Donau nur noch in der Wachau oder im Gebiet des Nationalpark Donau-Auen. Grund genug, den nach internationalen Kriterien geschützten Auen stromabwärts von Wien einen Besuch abzustatten.

Unterschiedliche Lebensräume auf engstem Raum
Unsere erste Station war bei Schönau an der Donau. Eine Nationalpark-Infostation mit großflächigen Landkarten und ein markierter Rundwanderweg ermöglichen hier ideal das Eintauchen in die Wunderwelt der Donauauen. Auf engstem Raum erlebt man augenscheinlich unterschiedliche Teillebensräume: Auwald und wenig durchströmte Gewässer, die durch den Marchfeld-Schutzdamm vom Strom abgetrennt sind, gelten wie der Damm selbst als Rückzugsbereiche für Arten, die in flussfernen Bereichen des Marchfeldes der ackerbaulichen Nutzung weichen mussten. Nahe am Fluss durchwandert man auf der Schönauer Runde Bereiche, wo man die Gewalt der Hochwässer eindrucksvoll vor Augen hat.

Die Kraft des Wassers gestaltet die Landschaft
Immer wieder kehrende Überschwemmungen verändern hier laufend das Bild der Landschaft. Gewaltige Mengen von feinstem Sand und grobem Schotter werden abgetragen und anderswo angelagert. Mehrere Meter hohe Steilufer entstehen, in die Uferschwalben und der Eisvogel Neströhren graben. Auf jungen Kiesinseln brüten Flussregenpfeifer. Mächtige Weiden werden ausgewaschen und fortgeschwemmt oder vom Biber umgebissen. Doch bald schon sprießen umso üppiger neue Weidenbüsche. Der Dynamik und Veränderlichkeit durch die Naturgewalt des Wassers trotzen Tiere und Pflanzen mit erstaunlicher Widerstandskraft und Anpassungen. Viele dieser Phänomene konnten wir entdecken und darüber staunen. Unübersehbar waren die Spuren der Biber. Manche Teilnehmer waren anhand gefundener Schalen überrascht, wie groß heimische Flußmuscheln werden können.

Verschnaufpause am Orther Uferhaus
Dem voll erwachten Naturforschergeist konnte nur die Aussicht auf unseren nächsten Programmpunkt Einhalt gebieten: Beim Orther Uferhaus, das für seine Fischspezialitäten bekannt ist, erwartete uns ein regionstypisches Mittagessen.

Mit einem Kriegsschiff zur Paradeiserinsel
So gestärkt waren wir bereit für einen Höhepunkt des Tages: Mit der Tschaike, dem originalgetreuen Nachbau eines Schiffs aus der Zeit der Türkenkriege, ging es hinaus auf die Wellen der Donau. Ihr Eigentümer, der Orther Schiffmüller Martin Zöberl persönlich, steuerte uns stromaufwärts, vorbei an einer riesigen, natürlich entstandenen Insel im Strom. In ihren ersten Jahren keimten auf den heißen Schotterfluren angeschwemmte Samen und erste kurzlebige Pflanzen fassten Fuß. Paddler freuten sich über schmackhafte rote Früchte, die sie mitten in der Donau ernten konnten, und prägten den Namen Paradeiserinsel. Heute stockt darauf längst dichter Weidenwald. Renaturierungsmaßnahmen, die im Nationalpark gesetzt werden, um ehemalige Donauarme wieder mit dem seit etwa 120 Jahren regulierten Hauptstrom zu verbinden, die Schifffahrt und ihr Einfluss auf das Ökosystem, Fischerei und andere menschliche Nutzungen und vieles mehr wurde angesprochen und diskutiert, während wir bei ausgeschaltetem Elektromotor stromabwärts zurück zum Orther Uferhaus trieben.

Felsiges Donauufer im Flachland
Nach der Weiterfahrt nach Hainburg machten wir uns am späten Nachmittag zu einer zweiten Rundwanderung auf. Für manche unerwartet, führte der Pfad zur Ruine Röthelstein an Felswänden entlang, sogar durch kurze Tunnel und ging schließlich auch ein kleines Stück richtig bergauf. Einzigartig im Bereich des Nationalparks nagt die Donau bei Hainburg am Fels des Braunsbergs, an dessen Abhängen wir Wald kennen lernten, der ganz andere Pflanzen beherbergt als die Au, auf die wir vom Röthelstein herabblickten. Besonders in Erinnerung bleiben wird der mehrfarbig bunte Blühaspekt der Zwergschwertlilie und der traumhafte Blick auf die Mittelalterstadt Hainburg.

Vater der Aubesetzung am Braunsberg
Wer einen ausgiebigen Tag im Nationalpark Donau-Auen besonders stimmungsvoll ausklingen lassen möchte, tut das am besten vom Plateau des Braunsbergs aus. Auch wir fuhren hoch und genossen den abendlichen Blick auf Bratislava, die Marchmündung, Hainburg und jenes Augebiet im Norden der Stadt, in dem 1984 der Bau eines weiteren Donaukraftwerks verhindert werden konnte. Und der Zufall wollte es, dass wir dazu kurze Erläuterungen von einem Mann bekamen, der damals einer der schillerndsten und verdienstvollsten Aubesetzer war.

Zum späten Ausklang des intensiven Exkursionstages machten wir auf der Heimfahrt noch Station bei einem Heurigen in Höflein.

Günther Loiskandl

Zu den Bildern von unserer Wanderung im Nationalpark Donau-Auen.

Infos und Exkursionen

Wer auf eigene Faust oder noch besser geführt von erfahrenen Nationalpark Rangern die Donauauen erleben möchte, findet reichlich Anregungen und Möglichkeiten unter folgenden Kontaktadressen:

Allgemeine Info zum Nationalpark Donau-Auen: www.donauauen.at

Information und Buchung zum Exkursionsangebot des Nationalparks:


                    schlossORTH Nationalpark-Zentrum
                    Tel.: 02212 / 3555, Fax: 02212 / 3450-47 
                    E-Mail: schlossorth@donauauen.at

 
 
 

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