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Patscherkofel Schutzhaus in Bedrängnis (Patscherkofel Schutzhaus in Bedrängnis)

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Patscherkofel Schutzhaus in Bedrängnis

Grossbaustelle PKB
Grossbaustelle PKB


„Sie habn a Haus baut“
Patscherkofel Schutzhaus in Bedrängnis

„Sie habn a Haus baut
Sie habn a Haus baut
Sie ham uns a Haus herbaut
Gestern Nachmittag hab
i beim Fenster außigsehn
Heute in der Früh habn‘s mir
den Himmel scho‘ verstellt“
(aus dem gleichnamigen Lied von Arik Brauer)

Liebe Innsbruckerinnen und Innsbrucker,

lassen Sie uns Ihnen eine kurze Geschichte erzählen. Von einer Dame, die schon seit Jahrzehnten in ihrem kleinen Zuhause lebt, einem lieb gewonnenen Steinhäuschen mit Garten und Blick in die Berge. Einem Häuschen mit knarrenden Holzdielen und einem warmen Ofen. Die Dame benötigt gar nicht mehr, sie genießt die Ruhe und freut sich über ihre Gäste,
die gerne zu Besuch kommen, weil sie sich bei ihr wohlfühlen.



Doch seit gestern ist alles anders.        

Unmittelbar nebenan, Zaun an Zaun, hat der Nachbar plötzlich eine Baustelletiefe Baugrube ausgehoben. Erst gestern Früh, als der Bagger am Heranrollen war, hatte der Nachbar der Dame über den Zaun hinweg zugerufen: „Sie, i bau mir jetzt ein Schloss her, a richtig großes. Ob’s Ihnen gefällt oder nicht! … Was fragen’S? Ob Sie dann noch aus‘m Fenster außisehn? Naja, auf der Westseit’n nimmer, aber im Norden ist‘s eh auch ganz nett.“ Der Dame wurde schwindlig. „Und die Gäst‘, ... fragen’S? Naja, die schicken’S einfach zu mir. Von meiner Sonnenterrass’n aus können die dann eh noch in die Berg schaugn.“

Ein beklemmendes Gefühl. Wir von der Alpenvereinssektion Touristenklub Innsbruck (TKI) führen derzeit einen ähnlich verzweifelten Kampf um unser Schutzhaus am Patscherkofel. Was würden Sie an unserer Stelle tun?

Wie Sie bereits wissen, findet am 11. Juni eine Abstimmung über die Bürgerinitiative zur Verlegung der Bergstation der neuen Patscherkofelbahn statt. Wie die Stadt ihr Großprojekt in den letzten Monaten durchgepeitscht hat, darüber möchten wir Sie heute direkt informieren – weil das vielleicht unsere letzte Chance ist.

So kam das Schutzhaus auf den Patscherkofel Das alte Schutzhaus
1885 erwarb der TKI von der Gemeinde (jetzt Agrargemeinschaft) Patsch ein Grundstück für das Schutzhaus. Im Grundbuch wurde vereinbart, dass in der Nähe kein weiteres Bauwerk zur Beherbergung und Verköstigung errichtet werden darf. 1888 wurde das Schutzhaus eröffnet, 1928 erneuert. Es ist seither ein beliebter Stützpunkt für Tourengeher, Skifahrer und Bergsteiger.

So kam die Bahn auf den Patscherkofel
1928 beförderte die Patscherkofelbahn ihre ersten Gäste. Das Schutzhaus hatte somit Gesellschaft. Ab 1996 machte sich Peter Schröcksnadel daran, das Angebot der Patscherkofelbahn auszubauen - inkl. Olympiaexpress mit Restaurant- inkl. Olympiaexpress mit Restaurant, Panoramabahn, Trainingslift auf der Heiligwasserwiese mit Flutlicht, Beschneiungsanlage und Speicherteich sowie Gastrobereich neben der Bergstation. Damals redete man noch miteinander und einigte sich auf ein gutes Zusammenleben am Patscherkofel-Plateau.

Projekt „Patscherkofelbahn NEU“

Im Mai 2014 entschied sich der Innsbrucker Gemeinderat dafür, Schröcksnadels Anlagen um 10,7 Mio. Euro zu übernehmen – und hatte wohl bereits den Neubau einer gigantischen Seilbahn-Bergstation im Hinterkopf.

Nur 22 Meter von der Terrasse des Schutzhauses entfernt soll jetzt das Die neue Aussichtneue Beton-Ungetüm samt Gastronomiebetrieb errichtet werden – genau in jenem Winkel, der den Gästen derzeit noch den schönsten Blick auf die Bergwelt ermöglicht. Am 15.2.2017 beschloss der Gemeinderat mehrstimmig die Ausführung des Projektes und genehmigte dafür die enormen Kosten von 58 Millionen Euro.

Keinerlei Information an die Betroffenen

Bei der Planung der neuen Bahn hat die Stadt Innsbruck nicht ein einziges Mal das Gespräch mit den Sektionsverantwortlichen gesucht. Szizze SichtbeschränkungVon einer Einbindung der Betroffenen kann keine Rede sein.
Seit Herbst 2016 bemüht sich unsere kleine Alpenvereinssektion bei Bürgermeisterin Oppitz-Plörer und den Patscherkofelbahnen um eine gemeinsame Lösung für den Patscherkofel – leider ohne Ergebnis. Es scheint für die Bürgermeisterin nur diese eine Variante zu geben, mit einem überaus engen Zeitplan. Alternative Vorschläge werden sofort abgeschmettert.

Zweifelhaftes „Miteinander“ am Kofel

25.11.2016: Die Agrargemeinschaft Patsch lässt die Dienstbarkeit (kein Betrieb eines Beherbergungs- und Gastronomiebetriebs neben dem Schutzhaus) aus dem Grundbuch löschen. Der Alpenverein (TKI) erfährt erst nach Entscheidung des Gerichtes davon und reicht eine Berufung ein. Die Dienstbarkeit konnte vorerst erhalten werden.

Laut Unterlagen zum Seilbahn-Verfahren sollte die neue Bergstation 70 Meter südöstlich des Schutzhauses stehen. Bei der Seilbahnverhandlung am 29.9.2016 ist jedoch von einer Positionierung rund 22 Meter südwestlich des Schutzhauses die Rede – direkt vor der Aussichtsterrasse. Der Alpenverein (TKI) erfährt erst bei der Akteneinsicht zehn Tage vor der Verhandlung davon. Die „Korrektur“ wird später lapidar als Schreibfehler abgetan. Nach seinem Einspruch muss sich der TKI am 7.10.2016 sagen lassen, dass er als Anrainer keine Parteistellung im Verfahren hat.

November 2016: Start der Rodungsarbeiten. Die Patscherkofelbahnen beginnen, den Wald für die neue Seilbahntrasse zu roden, obwohl der seilbahnrechtliche Bescheid noch nicht rechtskräftig und die Seilbahn somit noch gar nicht bewilligt ist. Kein Hindernis für die Stadt, trotzdem loszuarbeiten. Die Berufung des TKI wird am 17.2.2017 abgewiesen.

Nach Ende der Wintersaison ist das Projekt nicht mehr aufzuhalten:
Baubeginn
 4.4.2017 Abriss Olympiaexpress
 14.4.2017 Aushub Bergstation, die beiden neuwertigen
     Restaurants im Gipfel- und Talbereich werden geschliffen
 26.4.2017 Spatenstich

Eröffnet wird wohl im Dezember 2017 – schließlich will die Bürgermeisterin den Innsbruckern „ihren Hausberg“ noch vor der Gemeinderatswahl im kommenden Jahr übergeben.

Fakten
Patscherkofel Schutzhaus (ÖAV-Hütte)

 Eigentümer:
    Alpenvereinssektion Touristenklub Innsbruck (TKI)
 Pächter: Thomas und Markus Weber
 Platz für 100 Tages- und 31 Übernachtungsgäste
 Terrasse nach Südwesten

Neue Bergstation der Patscherkofelbahnen

 Höhe: 8,5 m, Länge: 35 m
 Abstand zum Patscherkofel Schutzhaus: 20–30 m
 Inkl. Gastronomiebetrieb mit großer Südwestterrasse
 Baustart: April 2017

Gesamtkosten des Projekts
68,7 Mio. Euro (inkl. Kaufpreis)


Wendehälse?

Noch 2014 hatte die Stadt im Zuge des Projekts „Brückenschlag“ eine Studie präsentiert (Grischconsulta), die für den Raum Patscherkofel-Glungezer eine Positionierung über einen ganzjährigen naturnahen Ausflugsberg empfahl, sowie einen mittelfristig reduzierten klassischen Skibetrieb mit deutlich tieferen Investitions- und Betriebskosten.


Was bleibt zu tun in einer derartigen Lage?
Die Vergangenheit zeigt, dass für zwei Gastronomiebetriebe unmittelbar nebeneinander kein Bedarf gegeben ist. Angesichts der von der Stadt geschaffenen Faktenlage und der Unwirtschaftlichkeit zweier parallel geführter Restaurants, sind wir im Sinne aller Beteiligten nochmals auf die Stadt zugegangen. Wir werden sehen, ob sie noch die Größe hat, unser Angebot einer gemeinsam geführten Gastronomie im Patscherkofel Schutzhaus anzunehmen. Wir werden in jedem Fall unser Möglichstes tun, um die Bau- und Betriebskosten am Patscherkofel zu verringern und die Kosten von jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Die Fakten sind geschaffen, der Spatenstich gesetzt – schon lange, bevor Sie Ihre Stimme dazu abgeben durften. Die Volksbefragung fordert laut Innsbrucker Stadtrecht ca. 45.000 Stimmen zur Verlegung der Bergstation. Realpolitisch kann man mit weit weniger Stimmen Bürgermeister werden. Damit wird ein im Grunde gutes Instrument der Bürgerbeteiligung zum Placebo.

Der Sektion Touristenklub des Alpenvereins ist es ein großes Anliegen, die Bürgerinnen und Bürger der Stadt umfassend und ehrlich zu informieren. Alle Fakten in dieser Postwurfsendung können selbstverständlich belegt werden!

Auch wenn das eingangs zitierte Haus von Arik Brauer bereits gebaut wird, bitten wir Sie trotzdem um die Teilnahme an der Volksbefragung. Es gilt, ein Zeichen zu setzen – gegen politische Abgehobenheit und gegen das Überfahren jener, die sich nicht wehren können. Was in unserem Fall geschehen ist, trifft das nächste Mal vielleicht andere. Es bleibt letztlich in der Verantwortung des einzelnen Bürgers, die Demokratie zu wahren und den Machthabern – wenn nötig – ihre Grenzen aufzuzeigen!

Danke für Ihre Unterstützung!

P.S:
Das Protest-Flugblatt dazu ist unter diverse Downloads abrufbar.


Impressum
Für den Inhalt verantwortlich: Reinhard Holy, Dr. Wilfried Connert und Dr. Ulrike Hell | Touristenklub Innsbruck, Olympiastraße 37, 6020 Innsbruck

 
 
 

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