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27.01.2020 - Reißkofel, 2.371m (Reißkofel Nordwand)

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27.01.2020 - Reißkofel, 2.371m

 
 


Bericht: Patrick Hubmann


Reißkofel Nordwand "Drautolerweg"


Eine Erstbegehung im kombinierten Gelände zu machen war schon lange ein Traum von mir gewesen und besonders gereizt hat mich die Vorstellung diese quasi vor der Haustüre in der Reißkofel Nordwand zu machen. Die Wand befindet sich ja diesbezüglich noch in einem regelrechten Dornröschenschlaf und der ambitionierte Bergsteiger findet noch ein weites Betätigungsfeld.

Anfang Jänner 2020 breche ich zu einer Erkundungstour zum Wandfuß auf und bin ganz begeistert von den super Verhältnissen, die nach den starken Schneefällen und der darauffolgenden langen Schönwetterperiode herrschen. Da ich aber nur allein unterwegs bin und nur ein Eisgerät dabei habe komme ich nicht sehr weit. Ich kehre mit dem Gedanken um möglichst bald mit einem motivierten Partner wieder zu kommen und die guten Verhältnisse auszunützen.

Die Suche nach einem Partner gestaltet sich dann etwas schwieriger als angenommen, doch finde ich schließlich in Walter Fritzer einen motivierten und starken Bergsteiger, der auch darauf brennt die Wand im Winter kennen zu lernen. So steigen wir am 27.01.2020 gemütlich zum Wandfuß auf. Wir entscheiden uns für die Rinne, welche ca. 150m westlich des Normalweges den direkten Durchstieg zum Schneefeld unterhalb des Köfeletörls vermittelt.


Reisskofel1
Reisskofel2
 


So stapfen wir mit den Eisgeräten in den Händen und den Steigeisen an den Füßen los und kommen im harten Schnee und teilweise sogar Blankeis recht schnell voran. Ein, zwei kleine Felsaufschwünge lassen sich gut klettern und machen schon Lust auf mehr. Bei der markanten großen Felsstufe angekommen welche die Hauptrinne unterbricht entscheiden wir uns für eine schmälere und steilere Rinne auf der rechten Seite da dort die Verhältnisse traumhaft sind. Dieser schmale Gully führt uns in einer Steilheit von guten 50 Grad etwas rechts der großen Hauptrinne entlang. Im Nachhinein wäre es wohl einfacher gewesen in der Hauptrinne zu bleiben, da hier nur ein Aufschwung zu erklettern und der Rest vermutlich Rinnengestapfe gewesen wäre. Wir haben aber sicher die interessantere Variante erwischt.

Nach etwa 40m stehen wir sozusagen beim ersten Felsaufschwung „an“ und packen das Seil aus. Drei Eisschrauben im harten Schnee bilden den ersten Standplatz und veranlassen mich möglichst schnell nach einer guten Zwischensicherung zu schauen. Die kommt auch in Form eines guten Friends. Der Aufschwung erweist sich als nicht ganz einfach, danach kommt eine steile Schnee-/Eisrinne die leider nur sehr schlecht absicherbar ist. Ich kann nur eine weitere „Schneeschraube“ setzen und gehe das Seil fast ganz aus ohne eine vernünftige Möglichkeit für einen Standplatz zu finden.


03
04
 




Ich bin schon etwas angespannt und gehe die Optionen

durch: Ohne Stand kann ich Walter natürlich nicht

nachkommen lassen, zum Abklettern ist es schon zu

schwer und springen oder stürzen sind bei dem Abstand

und der Qualität der letzten Sicherung sowieso kein

Thema. Vor mir sperrt ein Überhang den Weiterweg und so

beginne ich einfach den Schneepilz vor mir abzugraben.

Nach dem ich einiges weggeräumt habe kommen

tatsächlich ganz passable Risse zum Vorschein und ich

bringe zwei gute Normalhaken, einen Friend und einen Keil

unter. Der Stand ist nun wirklich über jeden Zweifel

erhaben und ich kann Walter getrost nachkommen lassen.

Standplatz
 


Auch der Überhang vor mir sieht plötzlich nicht mehr so abweisend aus. Tatsächlich bewältigt ihn Walter auch gleich souverän und ich folge zum nächsten Stand. Es folgen drei Seillängen im sehr steilen Schnee, der nur mittels „Toter Mann“ absicherbar ist. Endlich legt sich das Gelände etwas zurück und wir kommen zum markanten Schneefeld. Beim Köfeletörl legen wir eine kurze Pause ein und entschließen uns noch weiter auf den Gipfel zu gehen, da es schade wäre die Tour nicht damit abzurunden.


Gipfelgrat



Der Grat präsentiert sich tief verschneit und teils überwechtet. Das anspruchsvolle Gelände kostet uns eine gute Stunde um zum Gipfel zu gelangen. Wir sind sehr froh damit das Tüpfelchen auf dem i dieser Tour zu setzen. Der Rückweg geht aufgrund der Spur schon etwas schneller, ab dem Köfeletörl wird es aber nochmals interessant.


Der „Normalweg“ besteht aus äußerst steilen Schneeflanken und erfordert auch sehr viel Gespür für die richtige Orientierung. Schließlich schaffen wir es aber doch ganz gut die richtigen „Durchschlupfe“ zu finden und kommen erleichtert bei schon etwas dämmrigen Licht bei den am Einstieg deponierten Stöcken an. Müde aber zufrieden marschieren wir bei einsetzender Dunkelheit wieder entlang des Reißgrabens zurück zum Auto und können auf ein lässiges Bergabenteuer in der winterlichen Abgeschiedenheit des Reißkofel zurückblicken.


Das wirklich Lässige daran ist, dass man bei uns gar nicht weit fahren muss um wirklich anspruchsvolle Bergtouren machen zu können. Die mögen vielleicht nicht die großen Namen haben, doch brauchen sie den Vergleich mit so manch bekannter Westalpentour nicht zu scheuen.




 


"Drautolerweg":

Schwierigkeit: M5, 55 Grad

Länge: Wandhöhe 350m, Auto-Gipfel 1400hm

Absicherung: alpin, teils schwer absicherbarer Fels, unbedingt Normalhaken mitnehmen, Eisschrauben lassen sich teilweise gebrauchen. Es wurde beim Standplatz vor der 2.SL ein Normalhaken belassen, sonst kein Material in der Route.

Anmerkung: Die nominellen Schwierigkeiten sind nicht besonders hoch, sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen dass die Unternehmung einen hohen Gesamtanspruch hat, da die Absicherung und auch der Abstieg noch sehr fordernd sind. Die Tour ist nur Alpinisten mit Erfahrung im kombinierten Gelände mit eigenverantwortlicher Absicherung zu empfehlen.

Erstbegehung: Patrick Hubmann und Walter „Schwolt“ Fritzer am 27.01.2020


Übersicht "Drautolerweg"zoom
Übersicht "Drautolerweg"
 
 
 
 
 
 

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