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Wort des Obmanns (Wort des Obmanns)

Wort des Obmanns

Obmann Dr. Arnold Riebenbauer

Dr. Arnold Riebenbauer

 

März 2020

Das Schaffen einer vermeintlich „besseren“ Gesellschaft

In der letzten Ausgabe unseres Bergsteigerblattes – sofern Sie sich noch erinnern können oder die Kolumne überhaupt gelesen haben – habe ich über die sogenannte „Schöne Neue Welt“ geschrieben. Diesen Titel habe ich in Anlehnung an den vom englischen Autor Aldous Huxley im Jahre 1932 verfassten Roman „Brave New World“ gewählt, der neben George Orwells „1984“ zu den einflussreichsten des 20. Jahrhunderts zählt. In diesem Werk wird eine Gesellschaft des Jahres 2540 n. Chr. geschildert, in der Stabilität, Frieden und Freiheit gewährleistet scheinen. Allerdings wird dieser Zustand nur dadurch erreicht, dass bereits an Embryonen und Föten manipuliert wird und in der Folge schon Kleinkinder einer Art Gehirnwäsche unterzogen werden, um sie in jene Kaste eingliedern zu können, die für sie von der Führungskaste ( Alpha Plus) bestimmt ist. Die Schmutzarbeit hingegen muss von der Epsilon Minus Kaste erledigt werden, und zwischen diesen beiden gibt es verschiedene Klassen für verschiedene Tätigkeiten. Konsum, Sex und Drogen sind die propagierten Mittel, um selbstständiges Denken und Unzufriedenheit erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Welche Parallelen gibt es zur Gegenwart?
Da sind wir wohl noch weit weg, werden Sie jetzt vermutlich sagen. Da darf ich Sie jedoch daran erinnern, dass wir Genmanipulationen vornehmen, sei es um Pflanzen oder auch Tiere zu verändern, dass wir Schafe klonen und dass in China ein Wissenschaftler dafür verurteilt wurde, weil er einen Menschen quasi aus der Retorte schaffen wollte.
Ich habe Ihnen zuletzt vom Cyborg erzählt, einem künstlichen Wesen, welchem sogar die Staatsbürgerschaft verliehen wurde. Aber auch das lässt sich noch toppen: Haben Sie schon von
„Lil Miguela“ gehört, einer wunderschönen jungen Frau, die für Luxusmarken wie Prada und Balenciaga wirbt und die in den sozialen Medien 1,6 Millionen „Follower“ hat, also Menschen, die sie anhimmeln. Das Problem dabei ist nur, dass die schöne Lil ein Roboterwesen ist.
Weit haben wir es gebracht, ist man dabei versucht zu sagen. Aber unterliegen wir dabei nicht alle, die einen mehr, die anderen weniger und nur sehr, sehr wenige so gut wie gar nicht der enormen Versuchung der Selbstdarstellung, die uns so gut wie niemals zuvor in der Weltgeschichte die technischen Mittel ermöglichen.

Das bessere Ich im Digitalmodus
Was wäre denn ein Handy, mit dem man nur telefonieren würde. Die Lust am eigenen Spiegelbild, die Darstellung der gerade geposteten „Heldentat“ – und sei es nur, dass man sich mit dem neuen Einkaufsschnäppchen oder dem servierten Nachtisch im Restaurant abbildet – lässt uns das durch Facebook, Twitter oder Instagram in die Welt hinaus posaunen. Man (frau) möge doch sehen, wie schön man (frau) ist und wo (und wie) man (frau) sich gerade befindet. Das bringt „likes“ und „follower“ und bestimmt damit den Selbstwert.
Ernstzunehmende Studien sagen aber, dass uns das dumm, einsam und krank macht.
Auch die Modebranche hat die Selfie-Kultur längst entdeckt und zu einem Werbemittel hochstilisiert wie kein anderer Wirtschaftsbetrieb. Der Ruhm der heutigen Topmodels, die ganz bestimmte Modemarken vertreten, gründet sich fast ausschließlich auf ihre Instagram-Accounts. Und die Wirtschaft bedient sich auch eines weiteren Phänomens, das uns die digitale Welt beschert hat, nämlich das der „Influencer“.
Mit wenigen „Selfies“ und mit dem ins richtige Licht gerückte Produkt werben Leute, die weder die Ausbildung noch die Erfahrung haben, um auch tatsächlich ein objektives Werturteil abgeben zu können. Aber Hauptsache die Aufmachung stimmt. Und neben bei kehren längst verbrauchte Frauenbilder zurück, wie die Journalistin Sabine Hottowy beschreibt:
Dick geschminkt und trendgemäß angezogen inszeniert man sich im eigenen Heim, um Nähe zu vermitteln, weil das Erfolg verspricht. Wer auf Instagram performt, dem winken Deals mit Lifestyle Marken. Oder man fühlt sich einfach nur begehrt.“
Das Küken in der Marktführerfamilie dieser Illusionen, nämlich Kylie Kardashian, ist die jüngste Selfmade-Milliardärin, indem sie durch Posting ihrer Selfies dekorative Kosmetik für illusorisch dicke Lippen verkauft.

Wie kann man gegensteuern?
Wie kann man sich diesem Trend widersetzen, seinen kritischen Geist bewahren, sich in manchen Dingen bewusst dem „Mainstream“ entgegen stemmen? Hat uns doch die digitale Revolution zu technischen Möglichkeiten geführt, die wir uns vor 20 Jahren nie hätten träumen lassen.
Meines Erachtens gilt es, die Balance zwischen Nutzung der neuen technischen Errungenschaften einerseits und der zum Teil wiederentdeckten Natur, nicht zuletzt entfacht durch die Klimadebatte und die damit verbundene Jugendbewegung andererseits, zu finden.
Das Smartphone, das uns wie eine digitale Fußfessel durch das Leben begleitet, mit Verstand zu nutzen, davon auch Auszeiten zu nehmen und dies auch unseren Kindern durch Vorbild zu vermitteln, dürften erste Ansätze dazu sein. Wir dürfen es einfach nicht so weit kommen lassen, wie ich es in meinem letzten Wort des Obmanns beschrieben habe, nämlich dass Handys oder implantierte Elektronikteile durch personalisierte Algorithmen unseren Tagesablauf bestimmen.
Auch außerhalb des Digitalen einer Gesinnungsgemeinschaft anzugehören, gemeinsame Ziele mit anderen in Realität (und nicht virtuell) zu verwirklichen und sich darüber zu freuen, ist ein weiteres Rezept, die digitale Welt in Schranken zu halten. Dass der Alpenverein genau das versucht umzusetzen, werden Sie nicht zuletzt an unserem Bergsteigerblatt erkennen.
Apropos Bergsteigerblatt!

Jubiläum unseres Bergsteigerblattes
Sie halten hier die 200. Ausgabe unserer Vereinsnachrichten in den Händen. Was mit Dr. Herwig Gräbner als Herausgeber, Redakteur, Mitarbeiter und Zeitungsjunge in Personalunion im Jahre 1977 begann und sich damals als kleines Blattkonvolut bescheiden ausnahm, hat über die Jahrzehnte eine gewaltige Entwicklung genommen, wie Sie an Hand einiger plakativer Beispiele, die auf den folgenden Seiten abgebildet und teilweise erläutert sind, erkennen können. Darunter fällt auch eine Ausgabe, die eine Auflage von 220 000 Stück hatte und die letztlich zum National- bzw. Biosphärenpark Nockberge führte. Auch andere markante Geschehnisse können Sie den abgebildeten Deckblättern entnehmen.
Das Bergsteigerblatt, das über Jahrzehnte erfolgreich durch die Arbeit von Sibylle Skorjanz geprägt war, hat unter der neuen Redaktions- und Layout-Verantwortlichen Marianne Gütler ein neues Gesicht bekommen. Und wie ich meine, ein recht ansprechendes.

Abschließend wünsche ich uns, das Huxleys Romanprognose nie Wirklichkeit wird und Ihnen, dass Sie den ausklingenden Winter und den kommenden Frühling in der Natur genießen.
Ihr Arnold Riebenbauer

Dezember 2019

Schöne neue Welt

Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, einen Vortrag vom langjährigen Vorstandsvorsitzenden und späteren Chef des
Verwaltungsrates vom Weltkonzern Nestlé, Dr. Brabeck-Letmathe, zu hören, an dem sich auch eine Diskussion anschloss. Eine kritische Betrachtung des Gehörten ist angebracht, ging es doch um die Entwicklung des Menschen bis hin zum Cyborg, einem nahezu menschengleichen Robot, dem auch schon eine Staatsbürgerschaft verliehen wurde, die zumindest vor zwei weiteren Staaten Anerkennung fand.

Vom Paradies zu Prometheus
Brabeck skizzierte die Entwicklung des Menschen ausgehend vom Paradies, in dem die Nahrung in Form von Früchten jeglicher Art zur Verfügung stand, über die Vertreibung daraus mit der Folge, dass dieMenschen sich nunmehr durch Arbeit ihre Nahrung beschaffen mussten. Der wesentliche Schritt, der zur verbesserten Entwicklung des Menschen führte, war die Entdeckung des Feuers. In der griechischen Mythologie war es Prometheus, der den Göttern das Feuer entführte, wofür er vom Göttervater Zeus auch schwer bestraft wurde. Tatsächlich war mit der Erfindung des Feuers die Möglichkeit der Nahrungszubereitung um ein großes Potential erweitert worden, was sich vor allem in der erhöhten Zufuhr von tierischem Eiweiß enorm auf die körperliche Entwicklung des Menschen und damit auch die seines Gehirns auswirkte.

Vom Sammler und Jäger zum Kleinbauern
Mit der Sesshaftigkeit des Menschen begann auch die verstärkte Zufuhr von Kohlenhydraten in Form von Anbau ursprünglich wildwachsender Gräser als Getreide. Mit der täglichen Getreideportion des römischen Soldaten, aufgefettet durch erjagte und erbeutete Tiere, begründeten die römischen Legionen ein Weltreich. Und dennoch schritt die Vermehrung der Menschheit nur sehr langsam voran und explodierte erst durch die größere Verfügbarkeit von Nahrung in Form von Agrarbetrieben im 20. Jahrhundert. Von mehr als zwei Milliarden Menschen in meiner Schulzeit halten wir nun bei nahezu 7 Milliarden, was einen Zuwachs von fast 5 Milliarden innerhalb von 60 Jahren bedeutet. Die Wissenschaft hat auf den Gebieten der Medizin,Technik und Landwirtschaft einen Großteil zu dieser Bevölkerungsexplosion beigetragen.

Paradigmenwechselmit Ende der 50er-Jahre
Zu dieser Zeit nämlich trat ein seltsamer Wandel ein. Gerade die industrialisierte Nahrung mit ihren vielen Fertigprodukten, mit ihrem enormen Anteil an chemischen Zusatzstoffen und den großenMengen an Zucker, gesättigten Fettsäuren und Transfetten führte nun erstmals zu einem Rückschritt in der Gesundheitsentwicklung des Menschen, auch wenn die Lebenserwartung zwar bei uns stieg und noch steigt, was aber beispielsweise in den USA nicht mehr der Fall ist. Das heißt für unsere Breiten: Wir leben zwar derzeit noch länger, sind aber dafür auch länger krank.
Die am Gewinn orientierte Lebensmittelindustrie entdeckte auch hierfür scheinbar ein Rezept, indem sie kalorienärmere, weniger fette Inhalte mit angeblich so gesunden Zusatzstoffen, wie mit Vitaminen und Spurenelementen angereicherte Nahrungsmittel auf den Markt brachte. Und wieder lief und läuft das Geschäft!

Wie sieht nun die Zukunft aus?
Das Zauberwort heißt „personalisierte Nahrung“, was so viel wie von der Industrie auf Bevölkerungsgruppen oder Einzelne zugeschnittene Ernährung bedeutet. Die großen Volkskrankheiten wie Adipositas, Diabetes, Depressionen, Alzheimer, Herz-Kreislaufprobleme, die großteils gerade durch die naturarme Überernährung und die mangelnde Bewegung hervorgerufen werden, sollen damit bekämpft werden. Eigentlich ein klassisches Paradoxon.
Was dabei eine bedeutende Rolle spielen wird, ist die Entschlüsselung des individuellen Genoms. Das heißt, welche genetischen Grundlagen habe ich, welche Schwachstellen, und wie kann ich denen durch entsprechende Ernährung begegnen.
Bereits heute gibt es dieMöglichkeit auf Grund genetischer Unter-suchungen sein Genom zu kennen.Nun sollen diese von der Industrie hergestellten Nahrungsmittel mit elektronischen Geräten, die man bei sich am Körper trägt oder implantiert hat, verbunden werden, so dass man ständig über seinen Blutdruck, Puls, Blutzuckergehalt, Körpertemperatur, Ruhe-, Bewegungs- und Schlafphasen Bescheid weiß und ermahnt wird, eine gewisse Nahrung zu sich zu nehmen, wie beispielsweise den bereits von Nestlé entwickelten individuellen Nährstoffcocktail oder die vom 3D-Drucker auf Grund
der elektronischen Empfehlung hergestellten Essen. Diese „Lifelogging-Geräte“ werden den gesamten Tagesablauf ihres Benutzers vom Schlafen über das Aufwachen bis hin zu den einzelnen Tagestätigkeiten protokollieren. Man gaukelt dem Konsumenten dadurch erhöhte Selbstbestimmung vor, jedoch ist genau das Gegenteil der Fall. Die Handlungen im Ablauf
des täglichen Lebens werden durch Algorithmen vorgegeben und die Abhängigkeit davon lässt eine Selbstbestimmtheit kaum mehr zu. Schöne neue Welt!
Gegen diese Entwicklung wirkt nur die Besinnung auf ein Leben in Eigenverantwortung,natürlicheNahrungmöglichst aus der
Umgebung und Bewegung in freier Natur.

Einen schönenWinter wünscht Ihnen
Ihr Arnold Riebenbauer



Oktober 2019

Liebe Freunde im Alpenverein!

Das Bewegen in der Natur – ein Boom!

Das Wandern, Bergsteigen und Klettern scheint diesen Sommer einen neuen Höhepunkt zu erreichen. Was natürlich nicht nur die Hüttenwirte der entlang von viel begangenen Wegen gelegenen Alpenvereinshütten erfreut, sondern insbesondere jene, die sich auf den Weg gemacht haben. Dabei ist es nicht nur die Landschaft in ihrer vielfältigen Ausprägung, die ihnen das Herz erfreut, sondern auch die physische Veränderung, die ihr Körper durch anstrengungsbedingte Anregung des Stoffwechsels und entsprechende Hormonausschüttung erfährt. Erst wer Kräfte im Aufstieg mobilisiert hat, wem die Luft manchmal knapp war, wer vielleicht ehrfurchtsvoll, oder gar leicht schaudernd in Tiefen geblickt hat, wer sich also in mancher Hinsicht überwunden hat, den beschenkt der Berg, die Natur mit einem Gefühl der Zufriedenheit, des Stolzes es geschafft zu haben, wie selten bei einem anderen Tun.
Psychische Veränderungen und das Geheimnis der Bäume
Das Gehen in der Natur bewirkt nachweislich auch psychische Veränderungen und gilt als ergänzende Therapie bei depressiven Verstimmungen oder gar Depressionen, sowie bei Burn-Outs. Im steten Schritt lässt es sich dabei verhältnismäßig leicht von den Sorgen, ja oft Banalitäten des Alltags loskommen und dieser stete Schritt in freier Natur macht Platz für gedankliche und gefühlsdominierte Dimensionen höherer Art.
Wem aus gesundheitlichen oder altersbedingten Gründen die Gipfel verwehrt sind, der kann auch durch ausgedehnte Spaziergänge im Tal, da aber vorzugsweise im Wald, ähnliche Effekte erzielen. Die Bäume schütten sogenannte Terpene, ätherische Öle, aus, die unser Körper aufnimmt und unser Hormonsystem günstig beeinflussen. Wer mehr darüber wissen will, der möge die Bücher von Clemens Arvay, einem jungen Grazer Wissenschaftler, mit den Titeln „Der Biophiliaeffekt“ und „Der Heilungscode der Natur“ lesen.
Naturgenuss setzt intakte Natur voraus
Und hier sind wir bei einem Hauptthema, das gerade von Politikern in seiner Komplexität großteils nicht erkannt wird. So lange wir in Österreich drei Fußballfelder als Vergleichsgröße an Boden täglich zubetonieren, so lange wir auf jede umgewidmete grüne Wiese ein Einfamilienhaus oder noch schlechter einen Einkaufstempel hinstellen und uns dabei beklagen, dass die Böden die zunehmend stärkeren Unwettergewässer nicht mehr aufnehmen können, da wir auch die noch verbliebenen landwirtschaftlichen Böden und Forstflächen mit schwersten Maschinen verdichten, solange ist Naturschutz nur ein Schlagwort für politische Sonntagsreden oder Facebook-Eintragungen zur Optimierung der Anzahl von „followern“

Aber Betriebsansiedlungen und Wohnhäuser versprechen eben Steuereinnahmen und Umwegrentabilitätsgewinne, auch wenn dabei Absaugungseffekte der Wirtschaftskraft aus Innenstädten und deren Verödung in Kauf genommen werden. Wie kurzsichtig! Nicht nur was die Naturzerstörung und die damit verbundene Temperaturerhöhung (asphaltierte und betonierte Flächen haben eine völlig andere Wärmeabstrahlung als Wald und Wiese), sondern auch die negative ökonomische Auswirkung auf Innenstädte betrifft.
Umweltschutz-Naturschutz-Klimaschutz oftmals in Konkurrenz und Widerspruch
Wussten Sie, dass, wer vermeintlich die Umwelt schützt, der Natur oft Gewalt antut. Nicht alles, wovon wir glauben, dass es gut für die Umwelt ist, ist für die Natur und das Ökosystem folgenlos. Ist beispielsweise der Wegebau zu einer touristischen Berghütte, die von Grund auf renoviert werden und mit von der Behörde vorgeschriebenen biologischen Kläranlagen ausgestattet werden muss, ein unerlaubter Eingriff in die Natur (was man vorerst durchaus bejahen könnte) oder ist der dadurch notwendige über Wochen andauernde Hubschraubertransport von schwerem Gerät und Baumaterial und die über Jahre zu erfolgende, periodisch wiederkehrende Versorgung der Hütte aus der Luft nicht auch eine schwere Beeinträchtigung, was Lärm, Abgase und Ressourcenverbrauch betrifft?
Ein anderer Widerspruch zeigt sich, wenn man beispielsweise die Gewinnung von Energie aus Wind als bestens geeignete Methode zur CO2-Verminderung ansieht. Was kann es besseres geben, als die Kraft dieser Naturgewalt auszunutzen?
Leider geht jedoch eine derartige Energiegewinnung mit massivsten Eingriffen in der Natur einher. Müssen doch die mehr als 200 Meter hohen Masten einer 12 bis 18 Windräder umfassenden Industrieanlage erst mittels Bau von befestigten Straßen auf Bergeskämme (eben dorthin, wo gelegentlich der Wind weht) befördert werden. Schon auf Grund ihres Gewichtes (das Motorengehäuse allein wiegt 200 Tonnen pro Mast) müssen mitten in der sonst so als schützenswert geltenden Landschaft riesige Betonfundamente errichtet werden. Die im Durchmesser 150 Meter (!!!) messenden Rotoren zerstückeln allein in Deutschland jährlich mehrere hunderttausende Greif- und Singvögel sowie Fledermäuse, deren inneren Organe schon vorher durch die Schallerzeugung platzen. Nachweislich gehen Raufußhühnerbestände um bis zu zwei Drittel zurück und sterben letztlich aus. Zur Errichtung einer solchen Anlage müssen im Durchschnitt ein Hektar Wald gerodet werden, und wenn man weiß, dass ein solcher Hektar ungefähr 10 Tonnen CO2 bindet, dann fragt man erst recht nach der Sinnhaftigkeit dieser „Klimaschutzmaßnahme“.
Sie merken also, lieber Leser, dass Klimaschutz wesentlich komplexer ist und mehr Fachwissen und Universalverständnis erfordert als die meisten unserer Politiker aufweisen oder bereit sind, sich anzueignen, wobei sie darüber hinaus sehr gerne den Schalmeienklängen der Industrielobbyisten verfallen.
Was kann der Alpenverein tun? Wir stellen Recherchen an, holen Expertisen von Wissenschaftlern ein und versuchen auf dieser Basis die Öffentlichkeit und insbesondere Politiker zu informieren und positiv zu beeinflussen. Dass das auch gelingt, wünscht sich Ihr Arnold Riebenbauer

 
 
 

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