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Wort des Obmanns (Wort des Obmanns)

Wort des Obmanns

Obmann Dr. Arnold Riebenbauer

Dr. Arnold Riebenbauer





Hier führen wir die Beiträge unseres Obmanns zum Bergsteigerblatt an.

Oktober 2019

Liebe Freunde im Alpenverein!

Das Bewegen in der Natur – ein Boom!

Das Wandern, Bergsteigen und Klettern scheint diesen Sommer einen neuen Höhepunkt zu erreichen. Was natürlich nicht nur die Hüttenwirte der entlang von viel begangenen Wegen gelegenen Alpenvereinshütten erfreut, sondern insbesondere jene, die sich auf den Weg gemacht haben. Dabei ist es nicht nur die Landschaft in ihrer vielfältigen Ausprägung, die ihnen das Herz erfreut, sondern auch die physische Veränderung, die ihr Körper durch anstrengungsbedingte Anregung des Stoffwechsels und entsprechende Hormonausschüttung erfährt. Erst wer Kräfte im Aufstieg mobilisiert hat, wem die Luft manchmal knapp war, wer vielleicht ehrfurchtsvoll, oder gar leicht schaudernd in Tiefen geblickt hat, wer sich also in mancher Hinsicht überwunden hat, den beschenkt der Berg, die Natur mit einem Gefühl der Zufriedenheit, des Stolzes es geschafft zu haben, wie selten bei einem anderen Tun.
Psychische Veränderungen und das Geheimnis der Bäume
Das Gehen in der Natur bewirkt nachweislich auch psychische Veränderungen und gilt als ergänzende Therapie bei depressiven Verstimmungen oder gar Depressionen, sowie bei Burn-Outs. Im steten Schritt lässt es sich dabei verhältnismäßig leicht von den Sorgen, ja oft Banalitäten des Alltags loskommen und dieser stete Schritt in freier Natur macht Platz für gedankliche und gefühlsdominierte Dimensionen höherer Art.
Wem aus gesundheitlichen oder altersbedingten Gründen die Gipfel verwehrt sind, der kann auch durch ausgedehnte Spaziergänge im Tal, da aber vorzugsweise im Wald, ähnliche Effekte erzielen. Die Bäume schütten sogenannte Terpene, ätherische Öle, aus, die unser Körper aufnimmt und unser Hormonsystem günstig beeinflussen. Wer mehr darüber wissen will, der möge die Bücher von Clemens Arvay, einem jungen Grazer Wissenschaftler, mit den Titeln „Der Biophiliaeffekt“ und „Der Heilungscode der Natur“ lesen.
Naturgenuss setzt intakte Natur voraus
Und hier sind wir bei einem Hauptthema, das gerade von Politikern in seiner Komplexität großteils nicht erkannt wird. So lange wir in Österreich drei Fußballfelder als Vergleichsgröße an Boden täglich zubetonieren, so lange wir auf jede umgewidmete grüne Wiese ein Einfamilienhaus oder noch schlechter einen Einkaufstempel hinstellen und uns dabei beklagen, dass die Böden die zunehmend stärkeren Unwettergewässer nicht mehr aufnehmen können, da wir auch die noch verbliebenen landwirtschaftlichen Böden und Forstflächen mit schwersten Maschinen verdichten, solange ist Naturschutz nur ein Schlagwort für politische Sonntagsreden oder Facebook-Eintragungen zur Optimierung der Anzahl von „followern“

Aber Betriebsansiedlungen und Wohnhäuser versprechen eben Steuereinnahmen und Umwegrentabilitätsgewinne, auch wenn dabei Absaugungseffekte der Wirtschaftskraft aus Innenstädten und deren Verödung in Kauf genommen werden. Wie kurzsichtig! Nicht nur was die Naturzerstörung und die damit verbundene Temperaturerhöhung (asphaltierte und betonierte Flächen haben eine völlig andere Wärmeabstrahlung als Wald und Wiese), sondern auch die negative ökonomische Auswirkung auf Innenstädte betrifft.
Umweltschutz-Naturschutz-Klimaschutz oftmals in Konkurrenz und Widerspruch
Wussten Sie, dass, wer vermeintlich die Umwelt schützt, der Natur oft Gewalt antut. Nicht alles, wovon wir glauben, dass es gut für die Umwelt ist, ist für die Natur und das Ökosystem folgenlos. Ist beispielsweise der Wegebau zu einer touristischen Berghütte, die von Grund auf renoviert werden und mit von der Behörde vorgeschriebenen biologischen Kläranlagen ausgestattet werden muss, ein unerlaubter Eingriff in die Natur (was man vorerst durchaus bejahen könnte) oder ist der dadurch notwendige über Wochen andauernde Hubschraubertransport von schwerem Gerät und Baumaterial und die über Jahre zu erfolgende, periodisch wiederkehrende Versorgung der Hütte aus der Luft nicht auch eine schwere Beeinträchtigung, was Lärm, Abgase und Ressourcenverbrauch betrifft?
Ein anderer Widerspruch zeigt sich, wenn man beispielsweise die Gewinnung von Energie aus Wind als bestens geeignete Methode zur CO2-Verminderung ansieht. Was kann es besseres geben, als die Kraft dieser Naturgewalt auszunutzen?
Leider geht jedoch eine derartige Energiegewinnung mit massivsten Eingriffen in der Natur einher. Müssen doch die mehr als 200 Meter hohen Masten einer 12 bis 18 Windräder umfassenden Industrieanlage erst mittels Bau von befestigten Straßen auf Bergeskämme (eben dorthin, wo gelegentlich der Wind weht) befördert werden. Schon auf Grund ihres Gewichtes (das Motorengehäuse allein wiegt 200 Tonnen pro Mast) müssen mitten in der sonst so als schützenswert geltenden Landschaft riesige Betonfundamente errichtet werden. Die im Durchmesser 150 Meter (!!!) messenden Rotoren zerstückeln allein in Deutschland jährlich mehrere hunderttausende Greif- und Singvögel sowie Fledermäuse, deren inneren Organe schon vorher durch die Schallerzeugung platzen. Nachweislich gehen Raufußhühnerbestände um bis zu zwei Drittel zurück und sterben letztlich aus. Zur Errichtung einer solchen Anlage müssen im Durchschnitt ein Hektar Wald gerodet werden, und wenn man weiß, dass ein solcher Hektar ungefähr 10 Tonnen CO2 bindet, dann fragt man erst recht nach der Sinnhaftigkeit dieser „Klimaschutzmaßnahme“.
Sie merken also, lieber Leser, dass Klimaschutz wesentlich komplexer ist und mehr Fachwissen und Universalverständnis erfordert als die meisten unserer Politiker aufweisen oder bereit sind, sich anzueignen, wobei sie darüber hinaus sehr gerne den Schalmeienklängen der Industrielobbyisten verfallen.
Was kann der Alpenverein tun? Wir stellen Recherchen an, holen Expertisen von Wissenschaftlern ein und versuchen auf dieser Basis die Öffentlichkeit und insbesondere Politiker zu informieren und positiv zu beeinflussen. Dass das auch gelingt, wünscht sich Ihr Arnold Riebenbauer

 
 
 

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