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Das Wort des Obmanns (Das Wort des Obmanns)

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Das Wort des Obmanns

Obmann Dr. Arnold Riebenbauer
Obmann Dr. Arnold Riebenbauer

Liebe Freunde im Alpenverein!

Wissen Sie, was Öko-Psychosomatik ist? 

Kurz ausgedrückt versteht man darunter die evidenzbasierte Wissenschaft von den gesundheitsfördernden Einflüssen der Natur auf uns Menschen.
Diese Definition stammt von Clemens G. Arvay, Landschaftsökologe und Biologe, sowie Verfasser zahlreicher Bücher, die sich mit Mensch und Natur beschäftigen. Dabei geht es um die respektvolle Haltung gegenüber der Natur, sowohl gegenüber Tieren als auch Pflanzen. Durch positive Auseinandersetzung mit der natürlichen Umgebung kann diese in heilsame Wechselwirkung zum Menschen treten. Ein paar Beispiele gefällig? 

Der Gesundheitswissenschaftler Roger Ulrich, Professor an amerikanischen und schwedischen Universitäten, erbrachte schon in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Beweis, dass der regelmäßige Anblick von Bäumen und Sträuchern von Patienten in Krankenhäusern Wundheilung und Genesungsphase wesentlich beschleunigte.  Er hatte über Jahre Patienten, die sich einer standardisierten Gallenblasenoperation unterzogen hatten, untersucht und sie dabei in zwei Gruppen geteilt: 
Nämlich eine, die von ihrem Zimmerfenster im Krankenhaus nur in eine Hausmauer blickte und eine andere, die vom Fenster aus auf Bäume schauen konnte. Behandlung und Unterbringung waren ident. Die sogenannte Baumgruppe brauchte wesentlich weniger Schmerzmittel und hatte signifikant weniger postoperative Komplikationen. Nachdem weder die Patienten noch die behandelnden Ärzte um Ullrichs Experiment wussten, handelte es sich um eine sogenannte Doppelblindstudie, bei der weder Placebo-Effekte noch sonst irgendwelche bewusste oder unbewusste Beeinflussungen möglich sind. 

Doch seit dieser im renommierten medizinischen Wissenschaftsjournal „Science“ veröffentlichten Studie hat die Forschung mehrmals den Beweis einer überraschend positiven Wirkung von Bäumen auf unsere Gesundheit erbracht. So kam der Medizinprofessor Qi Ling von der Nippon Medical School in Tokio durch Auswertung statistischer Daten aller Präfekturen Japans zum Ergebnis, dass in Waldgebieten bedeutend weniger Menschen an Krebs sterben als in unbewaldeten oder gerodeten Gegenden. 

Auch Mark Berman, Umwelt- und Neuropsychologe an der Universität von Chicago hatte in Kanadas größterMetropole, Toronto, Gesundheitsstatistiken ausgewertet, sie mit Satellitenbildern und Baumkartierungen in Verbindung gebracht und dabei die interessante Feststellung gemacht, dass der Gesundheitszustand der Bewohner von der Anzahl der Bäume und Sträucher abhängig ist, die sich in ihrer Umgebung befinden. Er bewies, dass die Gefahr, an Zivilisationskrankheiten, wie Bluthochdruck, Diabetes und Herz- und Kreislaufproblemen zu erkranken, sich mit der Anzahl der Bäume im städtischen Erscheinungsbild
wesentlich verringert. Doch was genau bewirken diese positiven Einflüsse auf den Menschen? 

Neben der luftreinigenden Wirkung – nämlich der Aufnahme von Kohlendioxid – stellten japanische Wissenschaftler in umfangreichen Studien fest, dass der Wald durch die Ausscheidung von gasförmigen Substanzen, sogenannten Terpenen, das menschliche Immunsystem aktiviert und stärkt. Der Aufenthalt von Versuchsteilnehmern im Wald während eines Tages erhöhte deren Abwehrzellen um 40 Prozent und verstärkte darüber hinaus ihre Aktivität. Zwei Tage Waldaufenthalt verdoppelten die Anzahl dieser Zellen und ließen diesen Effekt sogar 30 Tage anhalten. 

Wir erkennen, dass das Angebot der Natur für den Menschen einen reichlich gedeckten Tisch darstellt. Er muss es nur annehmen. Das beschränkt sich nicht nur auf körperliche Effekte, sondern auch auf das seelische Gleichgewicht, welches die Natur in verschiedenen Formen wiederherzustellen oder zu festigen vermag. 

Der Alpenverein bemüht sich in seinen vielfältigen Programmen, seinen Mitgliedern die Natur nahe zu bringen. Viele dieser Ausflüge und Unternehmungen finden im Wald statt, so dass die oben angeführten Phänomene auf den Menschen einwirken können. Er leistet damit – gleichsam als Nebeneffekt – zur heilsamen Wirkung der Bewegung noch einen zusätzlichen Beitrag zur Volksgesundheit. 

Die Frage ist nur, ob wir uns dieses Heilpotentials bewusst sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die hier Geborenen den Wert ihrer Umgebung oftmals nicht voll zu schätzen wissen. Auch ich erlebe immer wieder durch das positive Erstaunen von Besuchern aus anderen Kontinenten und Gegenden (zuletzt aus USA und China) die relative Unversehrtheit unserer Landschaft und die damit verbundenen Qualitäten wie Wasser und Luft bewusster. Aus diesem Grund ist es uns auch ein Anliegen, den gesetzlich garantierten Zugang zum Wald und den Naturflächen generell gegen Ausschließungsversuche einzelner Interessensgruppen zu verteidigen und zum Nutzen unserer Mitglieder und künftiger Generationen zu erhalten.
Dabei wollen wir aber im Auge behalten, dass wir vielfach privaten Grund und Boden nutzen und Respekt und Rükksichtnahme auf andere geboten sind.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Aufenthalt im herbstlichen Wald.

Ihr Arnold Riebenbauer

 
 
 

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