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Sektion Reichenberg

Wie kommt die Stadt Wien zu einer Sektion des ÖAV mit dem Namen Reichenberg? 

Jeder Wiener kennt seit der Kindheit das Viertel rund um den Fleischmarkt und die Griechengasse. Im Mittelalter gab es ein System, bei dem in einer Gasse jeweils Händler mit gleichen Waren angesiedelt waren. Die Schlosser, die Gerber, die Färber u.s.w. Ab ca.1200 war der Fleischmarkt das Gebiet der Fleischhauer, später auch der Tuchhändler. Diese kamen aus dem böhmischen Reichenberg, aus Griechenland und aus der Türkei, der Tausch ihrer Waren erfolgte im Herzen von Wien. Das Reichenberger Beisl war das Stammlokal der Reichenberger Tuchhändler. Der spätere Namenszusatz „Griechenbeisl“ entstand wegen der griechischen und levantinischen Händler. Es war so gemütlich und berühmt, dass es später Grillparzer, Nestroy, Waldmüller, Brahms, Wagner u. a. zu seinen Gästen zählte, und manche davon haben ihren Namen an der Wand verewigt.

Berühmt ist es um des ›Lieben Augustins‹ willen, um den man beim Eintreten nicht herumkommt, denn er sitzt als Puppe im Kellerloch. Der Bänkelsänger aus der Pestzeit, der eine betrunkene Nacht in der Pestgrube unbeschadet überdauert haben soll, kreierte hier angeblich sein bekanntes Volkslied. „Oh, du lieber Augustin – alles ist hin“

Und wo liegt nun Reichenberg?

Im nördlichsten Teil des heutigen Tschechien, an der Grenze zu Polen. Bis 1918 war dieses Gebiet Böhmen und damit Teil der österreichischen Monarchie. Bis zum Aufkommen des gegenseitigen Nationalismus lebten Deutsche und Tschechen hier in friedlicher Coexistenz.

Durch die Monarchie waren Reichenberg und Wien über Jahrhunderte miteinander verbunden.

Als im 19 Jahrhundert die Bewegung des Alpinismus begann und die Alpenvereine entstanden, waren die Reichenberger bald begeisterte und bekannte Alpinisten. Sie gründeten ihren Reichenberger Alpenverein, bestiegen ihre heimischen Berge und suchten eine hochalpine Hütte. Dazu fuhren sie quer durch die Monarchie nach Südtirol, wo die erste, die „Alte Reichenberger Hütte“ gekauft und erweitert wurde, heute „Croda da Lago“ bei Cortina. 1918 musste Österreich Südtirol an Italien abtreten, die Hütte wurde enteignet. Doch die Begeisterung der Reichenberger für die Alpen war ungebrochen. Sie suchten und fanden in Osttirol einen neuen Platz für die Hütte, umgeben von 3000-ern, am wunderschönen Bödensee gelegen.

Nach dem zweiten Weltkrieg gehörten die deutschsprachigen Menschen des heutigen Tschechiens, die Sudetendeutschen, 1945 zu den vielen Opfern der Vertreibung. Und damit mussten auch die Reichenberger gegen ihren Willen ihre Stadt verlassen, sie wurden in alle Richtungen verstreut und landeten in Österreich, der BRD und der späteren DDR.

Ihre Hütte und die Berge Osttirols hatten die Alpenvereinsmitglieder der alten Sektion Reichenberg nicht vergessen. Und so suchten und fanden sie einander in den 50er Jahren wieder. Das war gar nicht so einfach, wenn man das Chaos der Nachkriegszeit bedenkt. Auch wenn sie viele hunderte Kilometer voneinander getrennt im ganzen deutschen Sprachraum lebten, so schafften sie es dennoch die „Neue Reichenberger Hütte“ zu pflegen, zu erhalten und zu erweitern.

Einmal im Jahre treffen einander die „alten“ Reichenberger und die neuen Mitglieder der Reichenberger Sektion, die nicht mehr in Reichenberg geboren sind, in St. Jakob / Defereggen. Dort ist bis heute der offizielle Sitz der Sektion und dort beginnt der Aufstieg auf die Hütte im Gebiet der Lasörlinggruppe. Die Sektion hat mehrere Ortsgruppen in Deutschland und Österreich.

Die Ortsgruppe Wien der Sektion Reichenberg erlebt das ganze Jahr über die Freude an den Bergen. Rund um Wien gibt es ja viele Möglichkeiten: Wandern, Klettern, Kanu fahren, Radfahren, Langlaufen, Kegeln u.s.w.

(siehe Programm)

Und so ist die Geschichte der Sektion Reichenberg ein Stück Geschichte Österreichs, Wiens und der großen Schaffenskraft die aus der Liebe zu den Bergen entsteht.....

 
 
 

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