Österreichischer Alpenverein

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Alpenverein ehrt Bergretter

Fünf Auserwählte erhalten das „Grüne Kreuz“ für ihre außergewöhnlichen Einsätze am Berg

Grünes Kreuz

Seit nunmehr 92 Jahren verleiht der Österreichische Alpenverein im Rahmen seiner Jahreshauptversammlung das Grüne Kreuz, eine der höchsten Ehrungen für Bergretter. Mitgefühl, bergsteigerische Kompetenz und Erfahrung für die Menschen in Bergnot werden mit dieser Auszeichnung belohnt. Am 3. Oktober wird die Ehre fünf Bergrettungsleuten aus Salzburg und der Steiermark zuteil.

Strenge Kriterien bei der Vergabe des Ehrenzeichens

Notbiwak, Rettungseinsätze unter extremen Kältebedingungen, Longline-Hubschrauberbergung eines Schwerverletzten und Abseilmanöver im starken Föhnsturm unter drohender Lawinengefahr: die Auflistung der Bergrettungseinsätze liest sich jedes Jahr wie das Drehbuch eines Kino-Thrillers. Fünf Bergretter, die diese und ähnliche außergewöhnliche Leistungen erbracht haben, dürfen sich 2015 über eine besondere Würdigung freuen. Das Grüne Kreuz gilt aufgrund der anspruchsvollen Auswahlkriterien als eine der renommiertesten Auszeichnungen im Bergrettungswesen. Voraussetzung dafür sind „mehrmalige, außerordentlich schwierige alpine Rettungen oder Bergungen, wobei eine deutliche Überschreitung der durchschnittlichen Pflichterfüllung gegeben sein muss“. In den 92 Jahren seit der Einführung des Grünen Kreuzes wurden erst 498 Personen damit ausgezeichnet.

Selbstloser Einsatz für Menschen in Bergnot

„Es ist für uns kein Auftrag sondern eine große Ehre, jenen zu danken, die sich für die Menschen in Bergnot einsetzen“, betont Alpenvereins-Vizepräsident Dr. Erich Wetzer. „Der Alpenverein drückt mit dieser Auszeichnung seinen Dank, seine Wertschätzung und seine Bewunderung aus, denn das, was die Frauen und Männer im Österreichischen Bergrettungsdienst, aber auch Piloten, Flugretter und Notärzte leisten, ist für den Alpenverein von außerordentlicher Bedeutung“, so Wetzer.


Die Geehrten 2015

Das Grüne Kreuz Nr. 494 wird verliehen an Herrn Walter HOFER aus Salzburg.

Walter HOFER ist 1983 dem Bergrettungsdienst Neukirchen beigetreten. Noch im selben Jahr dann die Feuertaufe in Form eines Einsatzes im Habachtal. Ein junges Paar hatte sich in einer Felswand verstiegen. Walter konnte die beiden erreichen, Regen und Dunkelheit machten aber die weitere Bergung unmöglich und erzwangen ein Notbiwak. Am nächsten Tag, unter großem Aufwand an Material und Einsatzkräften, gelang es, Retter und Opfer unverletzt zu bergen. Aus Walter HOFERs Einsatzliste ließe sich noch sehr lange berichten. Allein auf den vier Tage dauernden Einsatz am Großvenediger 2010 sei in diesem Rahmen noch hingewiesen. Vier Bergsteiger hatten am Venediger, im Bereich des Rainertörls, im Schlechtwetter die Orientierung verloren und galten als vermisst. Alle Medien berichteten über dieser Ereignis, das letztendlich ein glückliches Ende nahm. Für diesen Einsatz erhielt Walter HOFER aus der Hand der Landeshauptfrau Burgstaller das Lebensrettungs-Verdienstzeichen.

Das Grüne Kreuz Nr. 495 geht in die Steiermark, an Herrn Hans TRITSCHER.

Wer Ramsau hört, denkt zuerst an den Dachstein und man muss nicht beim Alpenverein sein, um zu erahnen, dass Bergrettungseinsätze in diesem Eldorado des alpinen Kletterns Einsätze im höchsten Schwierigkeitsgrad zu erwarten sind. Und nicht immer kann großer Einsatz Leben retten. So gelang es TRITSCHER unter extremsten Bedingungen - Schneefall und Sturm, Vereisung der Felsen - die Bergung von drei Bergsteigern, die bei einem Wettersturz in der Ausstiegsschlucht der Dachstein-Südwand blockiert waren. Doch alle drei waren bereits erfroren. In der Liste der Einsätze von Hans TRITSCHER überwiegen aber weitaus jene, in denen es gelang Leben zu retten. So z.B. aus dem "Steinerband" an der Dachstein-Südwand. Die Bergung eines ins Seil gestürzten, schwer verletzten Bergsteigers gelang mittels Seilwinde, allerdings musste der Verunfallte zuerst mit dem Stahlseil 460 m in die "Dachlschlucht" abgeseilt werden und konnte erst von dort mit dem Hubschrauber geborgen werden.

Ebenfalls auf Antrag der Landesleitung Steiermark und der Bergrettungs-Ortsstelle Ramsau wurde Herr Albert PRUGGER zur Auszeichnung mit dem „Grünen Kreuz“ vorgeschlagen.

Es war im August 2001 und es war wieder in der Dachstein-Südwand, in der ein Alpinist 30 Meter ins Seil stürzte und sich schwere Verletzungen zuzog. Was dann kam, sollte in die Geschichte der Luftrettung eingehen. Albert PRUGGER gelang als Flugretter die 1. Longline-Rettung eines verunfallten Alpinisten aus dem Steinerweg. Dabei betrug die Seillänge unter dem Hubschrauber 110 m! Äußerst komplex gestaltete sich auch die Rettung von Kletterern in den "Münchner Kaminen". Die Bergung musste damals – bei Schlechtwetter und ständiger Steinschlaggefahr - über die Stahlseilwinde vom Westgrat und über zwei weitere, versetzte Windenstationen aus den Münchner Kaminen erfolgen. Dieser Einsatz macht auch die Grenzen von Hubschrauber-Bergungen deutlich - und belegt sehr eindrücklich die Bedeutung einer hochgradig qualifizierten Bodenrettung. Herrn PRUGGER wird das Grüne Kreuz mit der Nr.496 verliehen.

Das Grüne Kreuz Nr. 497 wird an Hans PRUGGER , ebenfalls Angehöriger der Bergrettungs-Ortsstelle Ramsau am Dachstein verliehen.

Es muss nicht immer die Dachstein Südwand sein. Schwierigste Bergungen können sich auch dort entwickeln, wo man es nicht vermuten würde. So rettete Hans PRUGGER ein Kind, das beim Rodeln am späten Nachmittag im steilen Waldgelände in einen gefrorenen Wasserfall stürzte und dort schwer verletzt, aber wie durch ein Wunder in einer Eisnische liegen blieb. Die Retter seilten sich zu dem Mädchen ab, und gemeinsam mit der Verletzten ging es noch 40 Meter weiter bis zum Fuß des Eisfalles. Es war bereits Dunkelheit eingebrochen. Nun musste das Kind erst noch über 300 Höhenmeter, durch steiles und vereistes Waldgelände nach oben gebracht werden, wo es endlich vom Notarzt versorgt werden konnte.

April 2009, Hochgolling Nordwand. Eine Gruppe von Alpinisten durchstieg die Nordwand, zwei kamen von der Route ab und gerieten in einer senkrechten Felspassage in Not. Bei Föhnsturm stiegen Hans PRUGGER und seine Kameraden über die Nordwandroute auf und erreichten über schwieriges Terrain die blockierten Bergsteiger, die ohne Seil unterwegs waren. Das Sichern und anschließende Abseilen der Bergsteiger zum Wandfuß war aufgrund des starken Föhnsturmes und der drohenden Lawinengefahr mit großen Risiken verbunden.

Noch eine weitere Auszeichnung geht dieses Jahr an einen außergewöhnlich verdienten Bergretter der Ortsstelle Ramsau – an Herrn Heribert EISL.

Die Qual der Wahl, aus der langen Liste von schwierigen Einsätzen wenige auszuwählen, war auch bei Heribert EISL gegeben. Es war in der Dirndl-Südwand, in der Pfannl-Maischbergerroute. Der Seilschaftsführer stürzte 20 m ins Seil und zog sich lebensgefährliche Verletzungen zu. Heribert EISL seilte sich, gemeinsam mit dem Notarzt, 150 m vom Westgrat zum Verunfallten ab. Trotz Versorgung des Verletzten konnte dieses Leben nicht mehr gerettet werden. Der geschockte Seilpartner konnte zum Westgrat aufgeseilt und unverletzt geborgen werden.

Noch einmal Dirndl – 2014, diesmal die Nordschlucht: Eine Seilschaft verfehlte die Abseilpiste vom Dirndl zum Hallstätter Gletscher und geriet in schwierigstes Gelände, wo sie durch fehlende Abseilhaken blockiert waren. Bei starkem Gewitter erfolgte der Rettungseinsatz – trotzdem gelang es, durch schwierige Abseilmanöver die völlig durchnässten und bereits unterkühlten Kletterer unverletzt zum Wandfuß zu bringen und die Bergung erfolgreich abzuschließen. Herrn EISL wird das Ehrenzeichen „Grünes Kreuz“ mit der Nr. 498 verliehen.

 
 
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(Fotos: Alpenverein/Gerold Benedikter)

Laudatio Grünes Kreuz 2015, Vizepräsident Erich Wetzer

Grünes Kreuz

Sehr geehrte Festgäste, geschätzte Damen und Herren des Österreichischen Bergrettungsdienstes!

Im August dieses Jahres erreichte den Alpenverein eine Anfrage der Alpinpolizei und der Bergrettung Osttirol. Man ersuchte uns – als größten Grundbesitzer im Nationalpark Hohe Tauern - um Genehmigung zur Anbringung einer Gedenktafel am Rainerkees für den 2012 im Einsatz verunglückten Bergretter Franz FRANZESKON.

Zwei Monate vorher, im Juni, wurde aus einem Bergrettungskurs ein tragischer Ernstfall: Im Glocknergebiet, nahe der Oberwalder Hütte, lösten die Kursteilnehmer eine Lawine aus. Fünf Bergretter wurden von dem Schneebrett erfasst, für zwei kam jede Hilfe zu spät.

Zwei Ereignisse, die mich/uns daran erinnern, dass alpinen Gefahren sich natürlich auch jene aussetzen, die anderen zur Hilfe eilen – oder sich auf diese Hilfe vorbereiten. Die Selbstverständlichkeit, mit der Bergretterinnen und Bergretter Risiken auf sich nehmen ist ein Phänomen, das gerade in diesem Jahr verdient, gewürdigt zu werden. Diese Selbstverständlichkeit resultiert aus einer Solidarität, die in der Bergsteiger-Gemeinschaft - zeitgemäßer wäre vielleicht zu sagen: „in der der Bergsport-Community“ - eine lange Tradition hat. In der Tatsache, dass mit dieser Tradition auch immer wieder gebrochen wurde und wird - wenn ich an das Höhenbergsteigen denke, oder - noch weit schrecklicher – seinerzeit an die Dolomitenfront – sehe ich weniger den Widerspruch, als vielmehr den Beleg für diese grundsätzliche und internationale Solidarität.

Frauen und Männer im Österreichischen Bergrettungsdienst aber auch Piloten, Flugretter und Notärzte leben diese Solidarität in einer Exzellenz, die Anerkennung verdient und Hoffnung macht. Denn dieser Dienst am Menschen - „am humanum“, wie es Bischof Stecher anlässlich unseres 150-Jahr-Jubiläums ausdrückte - ist für den Alpenverein von außerordentlicher Bedeutung.

Denn wir werden immer mehr! Von Jahr zu Jahr mehr, die die Chance erkennen und auch ergreifen, draußen in einer möglichst ursprünglichen Bergnatur unterwegs zu sein. Auf Alpenvereinswegen, in Klettergärten, auf Skitour, Klettersteigen, auf Gletschern und Graten oder mit dem Mountainbike. Und auch wenn der Alpenverein stetig an den Themen Risikokompetenz und Risikobewusstsein arbeitet und an die Eigenverantwortung appelliert, müssen Unfälle passieren - solang es zum Mensch-Sein gehört, Fehler zu machen und zur Natur, uns mit unvorhersehbaren Ereignissen zu überraschen.

Dass wir immer mehr werden freut mich persönlich als Bergsteiger und auch als Alpenverein-Funktionär, ich sehe aber auch die Schattenseiten: Aussagen von Bergrettern in den Medien, dass „immer mehr Ungeübte im alpinen Gelände unterwegs sind“, dass ein Verlust an „gesunder und ehrlicher Selbsteinschätzung“ beobachtbar sei und die „Risikobereitschaft ansteige“ sehe ich als Bestätigung für eine Entwicklung, der wir als Alpenverein künftig noch verstärkt entgegentreten müssen. Die Aussage des Präsidenten des Österreichischen Bergrettungsdienstes Franz Lindenberg – die ich auch dieses Jahr zitieren möchte - „Die Menschen haben den Umgang mit der Natur verlernt“ - muss ein Auftrag an den Alpenverein sein: Den Menschen den eigenverantwortlichen Umgang mit der alpinen Natur zu vermitteln.

Kein Auftrag sondern eine große Ehre ist es, jährlich jenen Frauen und Männern zu danken, die ihr Mitgefühl, ihre bergsteigerische Kompetenz und Erfahrung für die Menschen in Bergnot einsetzen – den Männern und Frauen des Österreichischen Bergrettungsdienstes.

Dank, Wertschätzung und Bewunderung überbringt der Alpenverein mit der Verleihung des „Grünen Kreuzes“. Dieses „Ehrenzeichen des Alpenvereines für Rettung aus Bergnot“ wurde zum ersten Mal im Jahre 1923 verliehen. An der Strenge der Kriterien hat sich bis heute nichts verändert. So wird das Ehrenzeichen nur verliehen:

„Für mehrmalige, außerordentlich schwierige alpine Rettungen oder Bergungen, wobei eine deutliche Überschreitung der durchschnittlichen Pflichterfüllung gegeben sein muss.“

Diese strengen Auswahlkriterien brachten es mit sich, dass in den nun 92 Jahren seit seiner Einführung nur 493 Bergretter mit dem Grünen Kreuz ausgezeichnet wurden.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Alpenvereinsgemeinschaft! Erlauben Sie mir abschließend auch noch den Dank an die Familien der heute ausgezeichneten Bergretter auszudrücken - an die Ehe- und Lebenspartner. Ihr Verständnis und ihre vielfältige Unterstützung sind eine wichtige und unverzichtbare Basis für die Arbeit der Berg­retterinnen und Bergretter.

Danke im Namen aller, die in unseren Bergen unterwegs sind!