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Gletscherbericht 2018/2019 – Das ewige Eis schmilzt (Gletscherbericht 2018/19: Das ewige Eis schmilzt)

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Gletscherbericht 2018/2019 – Das ewige Eis schmilzt

Gletscherschwund gegenüber Vorjahren eingebremst – doch „der Schein trügt“

Karlingerkees (Glocknergruppe) von Nordosten gegen Schattseitköpfl (links) und den zur Hohen Riffl ziehenden Grat (rechts) am 29. September 2019 (Foto: D. Steiner)zoom

[03.04.2020] Das Gletscherhaushaltsjahr 2018/19 ist erneut als sehr gletscherungünstig zu charakterisieren und reiht sich nahtlos in eine langanhaltende Periode außerordentlich gletscherungünstiger Bedingungen ein – das ist ein Effekt des herrschenden Klimawandels.  

Von 92 untersuchten Gletschern sind 86 – also rund 94 Prozent – kleiner geworden. Der mittlere Rückzugsbetrag von 84 sowohl 2018 als auch 2019 vermessenen Gletschern betrug -14,3 Meter – eine deutliche Reduktion des Längenverlustes gegenüber den beiden Vorjahren. Fünf Gletscher veränderten sich in ihrer Länge praktisch nicht, einer der Gletscher wies sogar einen geringfügigen Vorstoß auf. Diese Ergebnisse sind jedoch keinesfalls als grundlegend verbesserte Bedingungen für das „ewige Eis“ zu werten – im niederschlagsreichen Winter aufgebaute Schneereserven schützten Teile der Gletscher vor ihrer Abschmelzung und bremsten den Gletscherschwund somit etwas ein. 

Auch alle übrigen Messungen und Beobachtungen bestätigen die anhaltende Gletscherungunst. Die im niederschlagsreichen Winter aufgebauten Schneereserven schützten bis weit in den extrem warmen Sommer hinein große Teile der Gletscher vor der Abschmelzung, was den Gletscherschwund gegenüber dem Vorjahr etwas einbremste.

Digitale Präsentation des Gletscherberichtes

Aus gegebenem Anlass wird der Gletscherbericht heuer erstmals in Videoform präsentiert: Die Leiter des Alpenverein-Gletschermessdienstes Dr. Gerhard Karl Lieb und Dr. Andreas Kellerer-Pirklbauer (beide Institut für Geographie und Raumforschung, Universität Graz) sowie Alpenvereins-Vizepräsidentin Dr. Ingrid Hayek „melden“ sich mit aufgezeichneten Video-Statements/Video-Präsentationen aus ihren Home-Offices zu Wort.

Wie entsteht ein Gletscherbericht?

Für die Zusammenstellung des heurigen Gletscherberichts langten bei der Leitung des Gletschermessdienstes 19 Berichte ein, die im Gletscherarchiv des Alpenvereins in Innsbruck und am Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz archiviert sind. 

Für diese Berichte zeichneten sich 23 Personen verantwortlich. Die Ergebnisse werden in diesem Sammelbericht für 18 Teilgebiete, die sich auf 12 Gebirgsgruppen verteilen, dargelegt. Die z.T. sehr umfangreichen und liebevoll gestalteten Gletscherberichte enthielten wiederum zahlreiche Fotos, welche die Veränderungen an den Gletschern auch visuell dokumentieren.

Gletscherbericht im Mitgliedermagazin Bergauf zum Download (PDF)

Lage der gemessenen Gletscher.zoom

Lage der im Gletscherhaushaltsjahr 2018/19 gemessenen Gletscher mit Angaben zur Veränderung der Gletscherstirn. Im Text genannte Wetterstationen, Webcam-Standorte, die drei Gletscher mit den höchsten Rückzugswerten sowie der eine Gletscher mit einem Vorstoß (Maurerkees) sind in der Karte verortet.

 

Aufgezeichnete Video-Statements/Video-Präsentationen von den Leitern des Alpenverein-Gletschermessdienstes Dr. Gerhard Karl Lieb und Dr. Andreas Kellerer-Pirklbauer sowie von Alpenvereins-Vizepräsidentin Dr. Ingrid Hayek finden Sie in der Alpenvereins-Cloud: hier

Der Witterungsverlauf 2018/19

Wie schon der Winter zuvor war auch der Winter 2018/19 schneereich, erneut beiderseits des Alpenhauptkammes, wenngleich südlich davon der Schnee – von einem Schneefallereignis Anfang Februar abgesehen – erst im Spätwinter in bedeutenden Mengen fiel. In weiten Teilen der österreichischen Alpen war der Winter überdurchschnittlich niederschlagsreich – in der Akkumulationsperiode Okt. 2018–April 2019 wurden im Durchschnitt die 1,5-fachen Werte des langjährigen Mittels 1981–2010 registriert. Ganz besonders niederschlagsreich waren in diesem Zeitraum Osttirol sowie der westliche Teil von Kärnten.

Die Temperaturen im Gletscherhaushaltsjahr 2018/19 werden als die Abweichungen der Monatsmittel der Bergstationen Sonnblick, Säntis und Zugspitze von den langjährigen Werten dargestellt. An den drei Stationen lag die Jahresmitteltemperatur im Durchschnitt um 1,1° C über dem langjährigen Mittel, im Zeitraum vom Mai bis September sogar um 1,3° C. Nach dem sehr milden Februar kam es vor allem im März immer wieder zu Schneefällen nördlicher Herkunft. Die beiden Monate danach blieben wechselhaft und waren auch südlich des Alpenhauptkammes schneereich, besonders der Mai. Erst im extrem warmem und von antizyklonaler Witterung geprägten Juni schritt die Ausaperung ins Gletscherniveau fort. Auf den nach den Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik kühlsten Mai seit 28 Jahren folgte der wärmste Juni der gesamten Messgeschichte. Auch Juli, August und September blieben überdurchschnittlich warm, jedoch lagen die Monatsmittel an den drei genannten Stationen nur maximal 2° C über den langjährigen Mittelwerten.

Niederschlag 2018/2019zoom

Die Abweichung des Niederschlags der Akkumulationsperiode Oktober 2018 bis April 2019 vom langjährigen Mittel 1981–2010. (Quelle: www.zamg.ac.at)

Temperaturabweichungen. (Grafik: Alpenverein)zoom

Die Abweichung der monatlichen und jahreszeitlichen Temperaturen zwischen Oktober 2018 und September 2019 vom Mittel 1981 –2010 an den drei Gebirgswetterstationen Sonnblick, Zugspitze und Säntis. Zu beachten sind die gleichsinnigen Abweichungen an den drei Stationen.

 

Beobachtungs- und Messergebnisse

Für das Gletscherhaushaltsjahr 2018/19 liegen konkrete Messwerte von 84 Gletschern vor, von 8 weiteren konnte – in der Regel aus Fotovergleichen – die Tendenz eindeutig festgestellt werden. 

Von diesen 92 Gletschern waren 86 (93,5 %) im Rückzug, 5 verhielten sich stationär, d.h. ihre Längenänderung blieb innerhalb der Spanne zwischen -1 m und +1 m, und einer stieß geringfügig vor. Im Jahr zuvor lagen diese Informationen für 93 Gletscher vor, von denen 89 im Rückzug (95,7 %), vier stationär und keiner im Vorstoß waren.

Im Mittel verloren im Berichtsjahr 2018/19 die 84 Gletscher, für die Werte der Längenänderung aus konkreten Messergebnissen berechnet werden konnten, 14,3 m an Länge. Dieser Betrag bedeutet eine deutliche Reduktion des Längenverlustes gegenüber den beiden Vorjahren (2017/18: -17,2 m für 76 Gletscher, 2016/17: -25,2 m für 75 Gletscher) und liegt auch unter dem Mittel der letzten 10 Jahre (-16,9 m). 


Die Abbildung rechts zeigt die mittlere Längenänderung und die Anzahl der vorstoßenden (schwarz), stationären (hellgrau) und zurückschmelzenden (weiß) beobachteten Gletscher zwischen 1960 und 2019. (Grafik: Alpenverein)zoom
Die Abbildung rechts zeigt die mittlere Längenänderung und die Anzahl der vorstoßenden (schwarz), stationären (hellgrau) und zurückschmelzenden (weiß) beobachteten Gletscher zwischen 1960 und 2019. (Grafik: Alpenverein)
 

Die Arbeit der Gletschermesser

Gletschermesser bei der Arbeit auf einem Gletschertisch am Guslarferner (Ötztaler Alpen) im Sommer 2019 (Foto: M. Stocker-Waldhuber)zoom
Gletschermesser bei der Arbeit auf einem Gletschertisch am Guslarferner (Ötztaler Alpen) im Sommer 2019 (Foto: M. Stocker-Waldhuber)

Alle für diesen Bericht relevanten Messkampagnen wurden zwischen 20.8. und 25.10.2019 ohne Zwischenfälle durchgeführt. Dabei herrschten in den meisten Messgebieten durch langanhaltende Hochdruckwitterung im Spätsommer und Frühherbst sehr gute Bedingungen, Schnee behinderte die Arbeiten nur dort, wo Lawinenschneereste aus dem vorangegangenen Winter den Sommer überdauert hatten. Den für die Berichtslegung verantwortlichen 23 „Gletschermessern“ und ihren insgesamt ca. 50 Begleitpersonen sei aufrichtiger Dank ausgesprochen. Neu im Team begrüßen wir Andrea Fischer, die 2019 von Gernot Patzelt die Messungen im inneren Gurgler Tal (Ötztaler Alpen) übernommen hat. Sie ist all jenen, die den Gletscherbericht regelmäßig lesen, wohl bekannt, hat sie doch 2009–2017 den Gletschermessdienst geleitet und in dieser Funktion die Sammelberichte verfasst.


 

Auffällige Unterschiede zu den Vorjahren

Auffallend ist, dass im Berichtsjahr 2018/19 die maximalen Rückzugsbeträge deutlich hinter denen der beiden Vorjahre zurückblieben, in denen zuletzt ein und 2016/17 sogar drei Gletscher sich um mehr als 100 m zurückgezogen hatten. 
Von den 5 stationären Gletschern lag bei 4 das Gletscherende unter Altschnee aus dem vorangegangenen Winter. Auch beim fünften stationären Gletscher, dem Kleinelendkees (Ankogelgruppe), und dem einzigen Gletscher mit Vorstoß (+2,2 m am Maurerkees, Glocknergruppe) sind es lokale topographische Gegebenheiten am Eisrand, die die scheinbar gletschergünstigen Werte erklären. In keinem Fall handelt es sich um ein aktives Vorrücken der betreffenden Gletscher aufgrund günstiger Ernährungsbedingungen.


Beobachtungen und Gesamtbeurteilung

So gut wie alle Gletscher wirken eingesunken und inaktiv, was etwa die folgende Berichtspassage aus den Zillertaler Alpen drastisch zum Ausdruck bringt: 

„… die auslaufenden Zungen … liegen ‚wie nasse Fetzen‘ am Felsen und haben ihre frühere konvexe Form verloren“. 

Zahlreiche Berichtspassagen versuchen die physiognomischen Folgen des Gletscherschwundes in Worte wie „ausapernde Felsstufen“, „großflächiger“, „fortschreitender Eiszerfall“ oder „in Schollen zerbrochenes dünnes Eis“ zu fassen. Auch die notwendige Neuanlage von insgesamt 67 Messmarken zeugt vom raschen Zurückweichen der Eisränder oder dem Zerfall von ehemals zusammenhängenden in voneinander isolierte Gletscherteile. Wenn diese sich sichtlich nicht mehr bewegen und kein Nährgebiet mehr haben, werden in der Regel die Nachmessungen eingestellt (wie etwa am Rotmoosferner, Ötztaler Alpen). Aus dem Umfeld von rund einem halben Dutzend Gletscher wird auch von verschlechterten Wegverhältnissen berichtet (z. B. Ochsentaler Gletscher, Silvretta). Das Fazit lautet daher ganz ähnlich wie im letzten Bericht: 

Der gegenüber dem Vorjahr verringerte mittlere Rückzugsbetrag, die höhere Zahl stationärer Gletscherenden und der eine registrierte Vorstoß zeigen nicht grundlegend verbesserte Bedingungen für die Gletscher an, sondern sind bloß das Ergebnis einer durch lange Andauer der Winterschneedecke verkürzten Ablationsperiode. Das Jahr fügt sich nahtlos in die aktuelle, weiter andauernde Periode drastischen Gletscherschwundes.


„Der Schein trügt“

Laut den beiden Leitern des Alpenverein-Gletschermessdienstes handelt es sich in keinem Fall um ein aktives Vorrücken der betreffenden Gletscher aufgrund günstiger Bedingungen. Der Schein trügt demzufolge. Man findet das auch in Formulierungen einiger Messberichte: Formulierungen wie „ausapernde Felsstufen“, „fortschreitender Eiszerfall“, „zunehmende Schuttbedeckung“ oder „in Schollen zerbrochenes Eis“ beschreiben den aktuellen Zustand der Gletscher. Gletschermesser berichteten zudem, dass sich alpine Wegeverhältnisse durch den Gletscherschwund deutlich verschlechtert haben.

Dr. Gerhard Lieb, ehrenamtlicher Leiter des Alpenverein-Gletschermessdienstes, am Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz tätig. (Foto: ÖAV Gletschermessdienst)zoom
Dr. Gerhard Lieb, ehrenamtlicher Leiter des Alpenverein-Gletschermessdienstes, am Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz tätig. (Foto: ÖAV Gletschermessdienst)


„Die Gletscher wirken eingefallen, man sieht es ihnen vielfach optisch auch an, dass sie gletscherkundlich gesehen schlecht ernährt werden“ 

Gerhard Lieb


Dr. Andreas Kellerer-Pirklbauer, ehrenamtlicher Leiter des Alpenverein-Gletschermessdienstes, am Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz tätig. (Foto: ÖAV Gletschermessdienst)zoom
Dr. Andreas Kellerer-Pirklbauer, ehrenamtlicher Leiter des Alpenverein-Gletschermessdienstes, am Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz tätig. (Foto: ÖAV Gletschermessdienst)
 

Fotovergleich: Ochsentaler Gletscher, Silvrettagruppe (1973 - heute)

Während die meisten gemessenen Gletscher der Silvrettagruppe ähnliche oder geringere Rückzugswerte als im Vorjahr aufwiesen, sticht der Ochsentaler Gletscher mit dem gesamtösterreichisch zweithöchsten Rückzugswert (-86,7 m) deutlich hervor und erklärt das hohe Gebietsmittel. An diesem Gletscher wurde ein 150 m langes Stück der Zunge abgeschnürt, weshalb dieser Wert gut die Dynamik des Gletschers repräsentiert.

Ochsentaler Gletscher 1973 (Foto: ÖAV Gletschermessdienst / G. Groß)zoom
Ochsentaler Gletscher 1973 (Foto: ÖAV Gletschermessdienst / G. Groß)
Ochsentaler Gletscher 2002. (Foto: ÖAV Gletschermessdienst / G. Groß)zoom
Ochsentaler Gletscher 2002. (Foto: ÖAV Gletschermessdienst / G. Groß)
Ochsentaler Gletscher 2013. (Foto: ÖAV Gletschermessdienst / G. Groß)zoom
Ochsentaler Gletscher 2013. (Foto: ÖAV Gletschermessdienst / G. Groß)
Ochsentaler Gletscher 1990. (Foto: ÖAV Gletschermessdienst / G. Groß)zoom
Ochsentaler Gletscher 1990. (Foto: ÖAV Gletschermessdienst / G. Groß)
Ochsentaler Gletscher 2008. (Foto: ÖAV Gletschermessdienst / G. Groß)zoom
Ochsentaler Gletscher 2008. (Foto: ÖAV Gletschermessdienst / G. Groß)
Ochsentaler Gletscher 2019. (Foto: ÖAV Gletschermessdienst / G. Groß)zoom
Ochsentaler Gletscher 2019. (Foto: ÖAV Gletschermessdienst / G. Groß)
 

Fotovergleich: Schweikertferner, Ötztaler Alpen (2010 - 2018)

In den Ötztaler Alpen liegt der Gletscher mit dem dritthöchsten aller Rückzugsbeträge (-86,3 m): der Schweikertferner. 

Schweikertferner 2010. (Foto: M. Strudl)zoom
Schweikertferner 2010. (Foto: M. Strudl)
Schweikertferner 2016. (Foto: M. Strudl)zoom
Schweikertferner 2016. (Foto: M. Strudl)
Schweikertferner 2014. (Foto: M. Strudl)zoom
Schweikertferner 2014. (Foto: M. Strudl)
Schweikertferner 2018. (Foto: M. Strudl)zoom
Schweikertferner 2018. (Foto: M. Strudl)
 

Fotovergleich: Karlingerkees, Glocknergruppe (2011 - heute)

Karlingerkees 2011. (Foto: Seitlinger)zoom
Karlingerkees 2011. (Foto: Seitlinger)
Karlingerkees 2016. (Foto: Seitlinger)zoom
Karlingerkees 2016. (Foto: Seitlinger)
Karlingerkees 2013. (Foto: Seitlinger)zoom
Karlingerkees 2013. (Foto: Seitlinger)
Karlingerkees 2019. (Foto: Seitlinger)zoom
Karlingerkees 2019. (Foto: Seitlinger)
 

Internationale Nutzung der Gletschermessdaten des Alpenvereins

Seit 129 Jahren bilanziert der Gletscherbericht des Alpenvereins die Bewegungen der heimischen Gletscher. Bereits in den Gründungsjahren des Vereins wurde der Gletscherforschung ein hoher Stellenwert zugesprochen. Aus diesem Grund gilt die Forschungsreihe als eine der am längsten und bestdokumentierten Messungen weltweit.

Heute finden die Gletschermessungen in allen relevanten Datennetzwerken Berücksichtigung und werden von der Klimaforschung für Rückschlüsse auf klimatische Veränderungen international genutzt.

Dr. Ingrid Hayek, Vizepräsidentin des Österreichischen Alpenvereins  (Foto: Alpenverein/N.Freudenthaler)


"Die hohe gesellschaftliche und wissenschaftliche Bedeutung der Gletschermessungen ist unumstritten – Jahr für Jahr leistet der Alpenverein einen wichtigen Forschungsbeitrag für  regionale und internationale Beurteilungen der Klimaveränderungen."
Dr. Ingrid Hayek, Vizepräsidentin des Österreichischen Alpenvereins

Statistik: Der Gletscherrückgang in Zahlen (Messperiode 2018/2019)

10 stärkste Rückgänge - Längenverluste in Metern:

1.Bärenkopfkees (Glocknergruppe, Salzburg)
- 86,9
2.Ochsentaler Gletscher (Silvrettagruppe, Vorarlberg)- 86,7
3.Schweikertferner (Ötztaler Alpen, Tirol) - 86,3
4.Karlingerkees (Glocknergruppe, Salzburg)            - 71,7
5.Pasterze (Glocknergruppe, Kärnten)- 60,0
6.Weißseeferner (Ötztaler Alpen, Tirol)
- 50,0
7.Alpeinerferner (Stubaier Alpen, Tirol) 
- 42,7
8.Berglasferner  (Stubaier Alpen, Tirol) 
- 37,8
9.Diemferner (Ötztaler Alpen, Tirol) 
- 31,4
10.         Gepatschferner (Ötztaler Alpen, Tirol)       
- 30,0

Der mittlere Rückzugsbetrag der 84 sowohl 2018 als auch 2019 vermessenen Gletscher betrug -14,3 m und lag damit unter dem Wert des Vorjahres mit -17,2 m (berechnet für 76 Gletscher) und sehr deutlich unter dem Extremwert des Jahres 2016/17 mit -25,2 m (75 Gletscher).

Der einzige Gletscher mit Vorstoß: Maurerkees, Glocknergruppe (+2,2 m)

Stärkste Rückgänge pro Gebirgsgruppe in Metern:

Glocknergruppe
Bärenkopfkees
- 86,9
Silvrettagruppe:Ochsentaler Gletscher- 86,7
Ötztaler Alpen:
Schweikertferner
 - 86,3
Stubaier Alpen:
Alpeinerferner - 42,7
Venedigergruppe:Viltragenk - 27,0
Dachstein:
Gr. Gosaugletscher
 - 18,0
Zillertaler Alpen:
Waxeggkees - 7,0
Schobergruppe:
Gößnitzkees - 6,7
Goldberggruppe:
Goldbergkees - 6,4
Ankogel-Hochalmspitzgruppe:   
Kälberspitzkees
 - 4,5
Granatspitzgruppe:
Kalser Bärenkopfkees
 - 2,8
Karnische Alpen:
Eiskar-Gletscher             
 - 2,5

Zum Vergleich: Gletscherbericht 2017/18


Stärkste Rückgänge pro Bundesland in Metern:

SalzburgBärenkopfkees 
- 86,9
VorarlbergOchsentaler Gletscher 
- 86,7
Tirol
Schweikertferner
- 86,3
KärntenPasterze
- 60,0
Oberösterreich
Gr. Gosaugletscher
 - 18,0

Zum Vergleich: Gletscherbericht 2017/18


Fotovergleich: Hallstätter Gletscher, Sommer 2019 (Dachstein)

Ausaperungsverlauf über den Sommer 2019 am Hallstätter Gletscher (Dachstein), gesehen von der automatischen Kamera auf dem Großen Gjaidstein in Blickrichtung Westen.

Das Gebietsmittel der Längenänderung betrug -9,8 m, was sich gut in den Rahmen der Vorjahre (2018/19: -7,8 m; 2016/17: -10,5 m; 2015/16: -9,3 m) fügt. Erneut blieb der für den Hallstätter Gletscher mitgeteilte Wert vergleichsweise gering und verschleiert einen ungleich stärkeren Rückgang der für das Erscheinungsbild des Gletschers prägenden, weiterhin im Zerfall befindlichen und sich verschmälernden Mittelzunge (-30,3 m; Maximalwert bei einer Einzelmarke: -74,7 m).

Hallstätter Gletscher 2. Juni 2019. (Foto: K. Reingruber) zoom
Hallstätter Gletscher 2. Juni 2019. (Foto: K. Reingruber)
Hallstätter Gletscher 7. August 2019. (Foto: K. Reingruber) zoom
Hallstätter Gletscher 7. August 2019. (Foto: K. Reingruber)
Hallstätter Gletscher 4. Juli 2019. (Foto: K. Reingruber) zoom
Hallstätter Gletscher 4. Juli 2019. (Foto: K. Reingruber)
Hallstätter Gletscher 5. September 2019. (Foto: K. Reingruber) zoom
Hallstätter Gletscher 5. September 2019. (Foto: K. Reingruber)
 

Fotovergleich: Alte Prager Hütte (um 1894 & heute)

Die Alte Pragerhütte wurde vom DAV in den vergangenen Jahren in einem Rückbauprojekt in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz wieder in die Ursprungshütte rückgebaut. Der Vergleich auf den Fotos bezüglich des Gletscherstandes ist beeindruckend.

Alte Prager Hütte um 1894. (Foto: Histor. Archiv DAV)zoom
Alte Prager Hütte um 1894. (Foto: Histor. Archiv DAV)
Einweihung Alte Prager Hütte am 19.07.2019. (Foto: V. Raich)zoom
Einweihung Alte Prager Hütte am 19.07.2019. (Foto: V. Raich)
 

Fotovergleich: Jamtalferner (Silvrettagruppe) 1907 & 2019

Der Jamtalferner (Silvrettagruppe) im Blick von Nordosten talein zu den Jamspitzen und zum Dreiländerspitz, 8. August 1907 & 4. September 2019.

Jamtalferner (Silvrettagruppe), 8. August 1907. (Foto: K. Döhler)zoom
Jamtalferner (Silvrettagruppe), 8. August 1907. (Foto: K. Döhler)
Der Jamtalferner (Silvrettagruppe), 4. September 2019. (Foto: Team G. Groß)zoom
Der Jamtalferner (Silvrettagruppe), 4. September 2019. (Foto: Team G. Groß)
 

Gletscherwelt-Impressionen 2019

Eine zunehmende Zahl von Gletschern bekommt durch den aktuellen Gletscherschwund ein ähnliches Aussehen wie im Bild die Zunge des Jamtalferners (Silvrettagruppe) am 4. Sept. 2019. (Foto: Team G. Groß)zoom

Jamtalferner 2019

Eine zunehmende Zahl von Gletschern bekommt durch den aktuellen Gletscherschwund ein ähnliches Aussehen wie im Bild die Zunge des Jamtalferners (Silvrettagruppe) am 4. Sept. 2019. (Foto: Team G. Groß)

Hochwinter im Vorfeld des Wildgerloskeeses (Zillertaler Alpen) am 29. März 2019. (Foto: S. Nussbaumer)zoom

Wildgerloskees 2019

Hochwinter im Vorfeld des Wildgerloskeeses (Zillertaler Alpen) am 29. März 2019. (Foto: S. Nussbaumer)

 
Gletscherhöhle am Hochjochferner (Ötztaler Alpen) im Sommer 2019. (Foto: M. Stocker-Waldhuber)zoom

Hochjochferner 2019

Gletscherhöhle am Hochjochferner (Ötztaler Alpen) im Sommer 2019. (Foto: M. Stocker-Waldhuber)

Eiszerfall am Schweikertferner. (Foto: M. Strudl)zoom

Schweikertferner 2019

Eiszerfall am Schweikertferner (Ötztaler Alpen) im Sommer 2019. (Foto: M. Strudl)