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Das war die ÖAV Hauptversammlung 2018 (Rückblick Hauptversammlung)

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Hauptversammlung 2018

Das war die ÖAV Hauptversammlung 2018

Die größte Alpenvereinstagung des Jahres fand am 20. Oktober in Stockerau statt.

Über 300 AlpenvereinsfunktionärInnen trafen am 20.10.2018 zur größten Tagung des Jahres in Stockerau zusammen. Nicht nur vereinsrechtlich bedeutende Beschlüsse und die Auszeichnung von Sektionen, FunktionärInnen und Hütten standen auf der Tagesordnung, sondern auch der Austausch zu den großen Vereinsthemen Bergsport, Hütten, Naturschutz und Jugendarbeit. Die Hauptversammlung wurde erstmals in der Geschichte des Vereins von einer Auslandssektion mitorganisiert.

Blick auf Stockerau (Foto: Alpenverein Stockerau/Herbert Wiedermann)

Grußworte des Alpenvereinspräsidenten

Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora
Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora

Es freut mich ganz besonders, Sie zu einer Premiere einladen zu dürfen. Das erste Mal in der Geschichte des ÖAV wird die Jahreshauptversammlung gemeinsam von einer inländischen und einer der beiden Auslandssektionen ausgetragen. Der Alpenverein Stockerau veranstaltet zusammen mit der Sektion Flandern aus Belgien die diesjährige Hauptversammlung in Stockerau.

Ausschüsse und Beschlüsse im Vorfeld

Am Donnerstag tagt der Hütten- und Wegeausschuss und bereitet für den Bundesausschuss wichtige Beschlüsse für unsere Hütten und Wege vor. Die alpine Infrastruktur mit ihren 230 Alpenvereinshütten und rund 26.000 km Bergwegen ist nach wie vor eines der allerwichtigsten Betätigungsfelder im Alpenverein. "Die Lust und die Last des Vereins" – so werden die Hütten oft genannt. Was wäre der Sommertourismus ohne die Alpenvereinshütten und ohne die tausenden Kilometer Bergwege, die der Allgemeinheit unentgeltlich zur Benutzung zur Verfügung gestellt werden?

Am Freitag wird der Bundesausschuss, in dem neben den Präsidiumsmitgliedern auch die Vorsitzenden der Landesverbände und Vertreter großer Sektionen sitzen, wichtige vereinspolitische Entscheidungen treffen, die sicherlich auch am Höhepunkt des Wochenendes, der Hauptversammlung am Samstag, präsentiert werden.

Dichtes Programm auf der Hauptversammlung

Neben den Ehrungen verdienter Bergretter werden auf der Hauptversammlung wiederum die erfolgreichsten Sektionen prämiert sowie die Umweltgütesiegel an ausgewählte Alpenvereinshütten vergeben. Univ.-Prof. Dr. Kurt Kotrschal wird in seinem Gastreferat zum Thema "Rückkehr der Beutegreifer" zu uns sprechen. Die Jugend wird über ihr erfolgreiches Wochenende auf "Edelweiß Island" berichten. Michael Larcher gibt uns Einblicke in ein neues "Sicher am Berg"-Programm.

Somit hoffe ich, dass für jeden etwas dabei ist und wir eine spannende und interessante Hauptversammlung erleben. Ich freue mich auf ein Wiedersehen in Niederösterreich im Oktober 2018 und wünsche Ihnen einen schönen Herbst.

Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora

Hauptversammlung in Stockerau: Alpenverein blickt auf erfolgreiches Jahr zurück

Kletter-WM in Innsbruck (Foto: norbert-freudenthaler.com)zoom

Anlässlich der Jahreshauptversammlung in Stockerau zog der Alpenverein seine Jahresbilanz: Neben der Rekordzahl von über 545.000 Mitgliedern verzeichnet der größte alpine Verein des Landes aktuell über 22.000 Ehrenamtliche. Mit Naturschutz-Petitionen wie der „Allianz für die Seele der Alpen“ oder Warnungen vor der Neuauflage des „Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms“ wird der Alpenverein aktuell seinem Ruf als "Anwalt der Alpen" einmal mehr gerecht. Grund zur Freude bescherte heuer das 10-jährige Jubiläum der Bergsteigerdörfer mit drei Neuaufnahmen. Als Mitveranstalter der Kletter-WM in Innsbruck konnte der Alpenverein 2018 seine Kernkompetenz im Bereich Sportklettern ins Rampenlicht stellen. Große Herausforderungen sieht der ÖAV zukünftig im Erhalt der oft als Kulturgut einzuordnenden Wege.

"Verantwortung steigt mit jedem Mitglied"

Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora
Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora

Mit über 545.000 Bergsport- und Naturbegeisterten zählen die 197 Alpenvereinssektionen zusammen so viele Mitglieder wie noch nie. Im vergangenen Jahr konnte der ÖAV rund 23.500 Menschen für eine Neu-Mitgliedschaft begeistern, das ist der zweitgrößte Zuwachs seit Zählungs-Beginn. Grund zur Freude bereitet auch der kontinuierlich steigende Frauenanteil von rund 44 Prozent.

Als größter alpiner Verein und größte Jugendorganisation Österreichs tragen wir natürlich hohe Verantwortung, diese steigt mit jedem einzelnen Mitglied“, betont Alpenvereinspräsident Andreas Ermacora. 

„Vielen Mitgliedern sind unsere Angebote wie Versicherung und Hüttenermäßigung wichtig. Als Alpenverein ist es uns aber ein großes Anliegen, dass sich diese auch mit unseren Werten – wie dem respektvollen Umgang mit der Natur – identifizieren“.

 

Quantitative Untersuchung: Positive Imagebewertung des Alpenvereins

„Neben Tirol sind die meisten Alpenvereinsmitglieder in Wien zu finden“, freut sich Vizepräsident Wolfgang Schnabl über den enormen Zuwachs auch im Osten des Landes.

„Wir beobachten den Trend, dass sich in Großstädten immer mehr Menschen für die Angebote des Alpenvereins interessieren.“

In Wien konnte dabei ein Plus von 6,2 Prozent erreicht werden, in Niederösterreich stieg die Zahl der Alpenvereinsmitglieder um 4,3 Prozent. Insgesamt 22.000 Ehrenamtliche – von VorstandsfunktionärInnen bis ProjektmitarbeiterInnen – bilden dabei „Herz und Seele“ des Vereins.

Dr. Wolfgang Schnabl, Vizepräsident Österreichischer Alpenverein (Foto: Alpenverein/Benedikter)
Dr. Wolfgang Schnabl, Vizepräsident Österreichischer Alpenverein (Foto: Alpenverein/Benedikter)
 

In einer aktuellen quantitativen Untersuchung im Auftrag des ÖAV fällt die Imagebewertung für den Alpenverein ebenfalls positiv aus: Die lange Tradition und Erfahrung, das Hütten- und Wegenetz, der freie Naturzugang und die gebotene Sicherheit wird dabei besonders in den Vordergrund gestellt.

Laut der aktuellen Studie ist das größte Zusatzpotenzial des Österreichischen Alpenvereins in der Altersgruppe der 31- bis 45-Jährigen zu finden. Eine Herausforderung für die Zukunft stellt die jüngere Bevölkerung unter 30 Jahren dar: Sie zeigt laut Untersuchung die mit Abstand geringste Berg-Aktivität.

„Seele der Alpen“ schützen, Erschließungsspirale eindämmen

2018 hat der Österreichische Alpenverein gemeinsam mit den Naturfreunden und dem WWF Österreich die "Allianz für die Seele der Alpen" ins Leben gerufen. Die Bedeutung der letzten alpinen Freiräume wird dabei in den Vordergrund gerückt, eine Petition mit der Forderung nach verbindlichen Erschließungsgrenzen startete Mitte des Jahres.

Weiters warnt der Alpenverein aktuell vor der Neuauflage des Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms (TSSP). Laut ÖAV droht das Programm jenen Erschließungsplänen, die noch in den Schubladen liegen, nun endgültig Tür und Tor zu öffnen. Betroffen wären beispielsweise etwa Tiroler Projekte wie der Zusammenschluss Hochfügen-Tux mit Zubringer über Weerberg, Hochoetz-Kühtai oder Sexten-Sillian.

Besonders wichtig bei den Naturschutz-Initiativen laut Alpenvereinspräsident Andreas Ermacora: der Rückhalt der Alpenvereinsmitglieder, ohne den etwa die Erschließungsspirale nur schwer aufzuhalten wäre.

Die Wildspitze, aufgenommen am Gipfel des Linken Fernerkogels. Naturbelassene, wilde Gegend im Spannungsfeld zwischen den Skigebieten Ötztal/Pitztal. Foto: ÖAV/Werner Flörl
Die Wildspitze, aufgenommen am Gipfel des Linken Fernerkogels. Naturbelassene, wilde Gegend im Spannungsfeld zwischen den Skigebieten Ötztal/Pitztal. Foto: ÖAV/Werner Flörl

Erfolgsprojekte 2018: Bergsteigerdörfer und Kletter-WM

Grund zur Freude bescherte im Jahre 2018 das 10-jährige Jubiläum der Bergsteigerdörfer, einer Initiative zur Entwicklung eines sanften Tourismus im Alpenraum. Die erste Deklaration der Bergsteigerdörfer wurde bereits im Sommer 2008 unter Federführung des Österreichischen Alpenvereins unterzeichnet. Heuer haben die Bergsteigerdörfer ihr internationales Portfolio ausgebaut: Im Mai schloss sich Jezersko in Slowenien an, im Juli folgte das oberbayrische Kreuth, im August Lungiarü in den Südtiroler Dolomiten.

Im Mai hat sich auch das slowenische Jezersko der Initiative der Bergsteigerdörfer angeschlossen (Foto: Slowenischer Alpenverein).
Im Mai hat sich auch das slowenische Jezersko der Initiative der Bergsteigerdörfer angeschlossen (Foto: Slowenischer Alpenverein).

Auch die Kletter-WM vom 6. - 16. September 2018 in Innsbruck kann als Erfolgsprojekt verbucht werden, bei der der Alpenverein als Mitveranstalter fungierte. „Die Kletter-WM im eigenen Land bot eine ideale Bühne, Sportklettern als Kernkompetenz des Österreichischen Alpenvereins zu präsentieren. Es freut uns, in diesem Rahmen unser Know-how bereitgestellt zu haben“, erklärt Ermacora. Insgesamt 25 Athleten, die an der WM teilnahmen, stammen laut Alpenvereinspräsident aus dem Talente-Pool des ÖAV. Rund 58.000 Zuschauer ließen sich die Weltmeisterschaft in Innsbruck nicht entgehen. Das österreichische Kletterteam setzte sich mit drei Gold- und einer Bronzemedaille an die Spitze des Medaillenspiegels.

Seit Beginn der 80er Jahre hat der Alpenverein zahlreiche Klettergärten und künstliche Kletteranlagen geschaffen und besonderen Wert auf die Themen Ausbildung, Sicherheit und Jugendarbeit gelegt. Derzeit werden über 200 Kletteranlagen vom ÖAV betreut.

Wegenetz als Herausforderung

Große Herausforderungen sieht der Österreichische Alpenverein zukünftig im Erhalt der oft als Kulturgut einzuordnenden Wege. Seit dem 19. Jahrhundert kümmert sich die Bergsport- und Naturschutzorganisation um ein insgesamt 26.000 Kilometer langes Wegenetz in den heimischen Alpen, das Wanderer u.a. auf die 230 Hütten des ÖAV führen. Dabei übernimmt der Alpenverein die Wegehalterhaftung und investiert jährlich rund eine Million Euro.

„Der Klimawandel bringt für die meist ehrenamtlichen Wegewarte große Herausforderung mit sich“ betont Peter Kapelari, Leiter der Abteilung Hütten, Wege und Kartographie im Österreichischen Alpenverein. Beispielsweise der nun häufiger auftretende Starkregen, Steinschlag, auftauender Permafrost oder Erosionen ziehen Wege in Mitleidenschaft.

Der benötigte Einsatz der Sektionen steige laut Kapelari demnach stark an. „Der Gletscherweg Innergschlöß im Nationalpark Hohe Tauern beispielsweise musste auf Grund des Gletscherrückganges verlegt und adaptiert werden, damit Naturbegeisterte die Zunge des Schlatenkeeses weiterhin erreichen können.“

Der starke Rückgang des Gletschers erforderte eine neue Wegführung des "Gletscherweg Innergschlöß" (Foto: ÖAV/Hannes Schlosser)
Der starke Rückgang des Gletschers erforderte eine neue Wegführung des "Gletscherweg Innergschlöß" (Foto: ÖAV/Hannes Schlosser)
 

Das Wegenetz als „gebautes Kunstwerk“

Neben natürlichen Einflüsse bringen auch touristische, forstliche oder jagdliche Interessen Veränderungen der oft als Kulturgut einzuordnenden Wege mit sich. Laut Helmut Ohnmacht, Vizepräsident im Österreichischen Alpenverein, werden Konflikte dabei intensiver. 

„Einige der Wege können als gebaute Kunstwerke und somit kulturelles Erbe eingestuft werden“, erklärt Ohnmacht und verweist dabei beispielsweise auf die kunstvoll angelegten Stufenanlagen zum Friesenberghaus im Zillertal. „Der Tourismus will immer öfter Wege für beispielsweise Mountainbiker oder E-Biker anpassen und nutzbar machen – die Ursprünglichkeit der Wege geht damit verloren.“ Auch die Trassierung von Forststraßen könne alte Wege zerstören.

Besonders schützenswerte Wege sollen laut Ohnmacht daher zukünftig unter Denkmalschutz gestellt werden – eine für den Vizepräsidenten „zwingend notwendige Initiative“. Voraussetzung dafür, dass ein Weg als kulturelles Denkmal geschützt wird, sind im Denkmalschutzgesetz gegeben. Betroffen sind dabei nur von Menschenhand errichtete Wege, die von geschichtlicher, künstlerischer oder sonstiger kultureller Bedeutung sind und an denen ein öffentliches Erhaltungs-Interesse besteht.

Immer öfter tritt auch der Fall ein, dass Grundbesitzer Wege – und Wegerechte – von ihren Gründen entfernen wollen. Mancherorts sei laut Peter Kapelari gar die Wegefreiheit in Gefahr: „Jagdreviere werden unter dem Deckmantel des Naturschutzes zu Sperrgebieten, die von Wanderern nicht mehr betreten werden dürfen – teils sind damit sogar historische Wege für den ‚Otto Normalverbraucher‘ tabu“, erklärt Kapelari.

 
Im Rahmen der Jahreshauptversammlung in Stockerau (v.l.): Wolfgang Schnabl (Vizepräsident Österreichischer Alpenverein), Andreas Ermacora (Präsident Österreichischer Alpenverein) und Peter Kapelari (Leiter Abteilung Hütten, Wege und Kartographie im Österreichischen Alpenverein) Foto: Alpenverein/Benedikter
Im Rahmen der Jahreshauptversammlung in Stockerau (v.l.): Wolfgang Schnabl (Vizepräsident Österreichischer Alpenverein), Andreas Ermacora (Präsident Österreichischer Alpenverein) und Peter Kapelari (Leiter Abteilung Hütten, Wege und Kartographie im Österreichischen Alpenverein) Foto: Alpenverein/Benedikter

Vorbericht im Bergauf 4/2018

Blick auf Stockerau

Foto: Alpenverein Stockerau/Herbert Wiedermannzoom
Foto: Alpenverein Stockerau/Herbert Wiedermann
 

Bergretter ausgezeichnet: Salzburger Brüderpaar mit „Grünem Kreuz“ gewürdigt

Anlässlich der Jahreshauptversammlung in Stockerau wurde das „Grüne Kreuz“, eine der höchsten Auszeichnungen für Bergretter, verliehen

v.l.: Bergretter Josef Herzog, Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora, Bergretter Albert Herzog und Vizepräsident Wolfgang Schnabl im Rahmen der Verleihung. (Foto: Alpenverein/Benedikter)zoom
v.l.: Bergretter Josef Herzog, Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora, Bergretter Albert Herzog und Vizepräsident Wolfgang Schnabl im Rahmen der Verleihung. (Foto: Alpenverein/Benedikter)

Erstmals im Jahre 1923 vergeben, honoriert das „Grüne Kreuz“ Bergretter, die ihre alpinen Fähigkeiten in überdurchschnittlicher Weise einsetzen. Das Ehrenzeichen für Rettung aus Not im Gebirge wird seither vom Alpenverein verliehen und gilt als renommierte Würdigung für vorbildliche Hilfe im Notfall. Für ihren besonderen Einsatz im Dienste der Österreichischen Bergrettung wurden nun im Rahmen der ÖAV-Hauptversammlung am 20. Oktober 2018 zwei Brüder mit dem „Grünen Kreuz“ geadelt.

„Es ist eine große Ehre, jährlich jenen Frauen und Männern zu danken, die ihre bergsteigerische Kompetenz und Erfahrung für die Menschen in Bergnot einsetzen – den Männern und Frauen des Österreichischen Bergrettungsdienstes“, freut sich Wolfgang Schnabl, Vizepräsident des Österreichischen Alpenvereins, in seiner Laudatio im Rahmen der feierlichen Verleihung des „Grünen Kreuzes“, die jährlich bei der Jahreshauptversammlung des Österreichischen Alpenvereins stattfindet.

„Mit dem ‚Grünen Kreuz‘ kann der Alpenverein Dank, Wertschätzung und Bewunderung zum Ausdruck bringen.“

Dr. Wolfgang Schnabl, Vizepräsident Österreichischer Alpenverein (Foto: Alpenverein/Benedikter)
Dr. Wolfgang Schnabl, Vizepräsident Österreichischer Alpenverein (Foto: Alpenverein/Benedikter)
 

Der begehrte Bergsteigerorden wird nun seit 95 Jahren verliehen. Bergrettern wird damit für ihre riskanten, professionellen und selbstlosen Rettungseinsätze im Ehrenamt gehuldigt – das Kreuz gilt als honoriges Zeichen der Anerkennung. 

Die Auswahlkriterien der Auszeichnung sind anspruchsvoll – Bergretter bekommen diese „für mehrmalige, außerordentlich schwierige alpine Rettungen oder Bergungen, wobei eine deutliche Überschreitung der durchschnittlichen Pflichterfüllung gegeben sein muss“.

„Heurige Ehrung ist ein Familienfest“

Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora verleiht das "Grüne Kreuz" an Bergretter Josef Herzog (Foto: Alpenverein/Benedikter)zoom
Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora verleiht das "Grüne Kreuz" an Bergretter Josef Herzog (Foto: Alpenverein/Benedikter)

Seit seiner Einführung der Verleihung des Bergretter-Ordens wurden 505 Personen mit dem „Grünen Kreuz“ gewürdigt. „Die diesjährige Ehrung ist ein Familienfest“, freut sich Wolfgang Schnabl. Denn dieses Jahr wurden zwei Brüder aus Salzburg für ihre Verdienste und ihren Einsatz gedankt. Josef und Albert Herzog von der Bergrettungsortsstelle Leogang nahmen am Samstag, den 20. Oktober 2018, die Ehrenzeichen Nr. 506 und 507 entgegen.

Josef Herzog ist seit 1975 bei der Bergrettung, war Ortsstellen- und Bezirksleiter sowie 17 Jahre Flugretter. In dieser Zeit – von 1989 bis 2006 – leistete Herzog an die 1000 Einsätze.

 

Sein Bruder Albert ist Bergführer und seit 1976 bei der Bergrettung - und auch er in verschiedenen Funktionen: als Ausbildungsleiter der Ortsstelle, stellvertretender Ortsstellenleiter und als Flugretter sowie Notfallsanitäter. In dieser Zeit absolvierte Albert Herzog 1300 Einsätze.

Die beiden Brüder wurde die Ehre der Auszeichnung auf Grund extrem schwieriger Rettungsaktionen zu teil.

Ausgezeichnet: Albert Herzog im Rahmen der feierlichen Verleihung (Foto: Alpenverein/Benedikter)zoom
Ausgezeichnet: Albert Herzog im Rahmen der feierlichen Verleihung (Foto: Alpenverein/Benedikter)
 
Foto: Alpenverein/Benedikter
Foto: Alpenverein/Benedikter

Zahl der Rettungseinsätze auf Rekordhöhe

Sport am Berg ist beliebt und wird mehr und mehr zum Trend. Diese Entwicklung ist nicht nur in den aktuellen ÖAV-Mitgliederzahlen erkennbar – der Alpenverein zählt aktuell 545.000 Mitglieder – sondern auch in den Zahlen an Unfällen am Berg. Der Jahresbericht 2017 des Österreichischen Bergrettungsdienstes beziffert die Zahl der Ausrückungen mit 9.051 Einsätzen, eine noch nie dagewesene Rekordzahl.

„Diese Zahl an Einsätzen muss österreichweit von 12.000 Bergrettern und 655 Bergretterinnen bewältigt werden. Zum Glück ist das Interesse am ehrenamtlichen Engagement in der Bergrettung nach wie vor hoch – trotzdem gerät manche Ortsstelle an ihre Grenzen“, betont Schnabl in seiner Laudatio.

Alpenverein in der Pflicht

Vizepräsident Wolfgang Schnabl bei seiner Laudatio(Foto: Alpenverein/Benedikter)
Vizepräsident Wolfgang Schnabl bei seiner Laudatio(Foto: Alpenverein/Benedikter)

Schnabl spricht im Rahmen der Jahreshauptversammlung in Stockerau auch das Problem an, dass immer mehr unerfahrene Menschen die Berge erobern. Dieser Umstand ist dafür verantwortlich, dass die Gefahr von Unfällen ansteigt.

Hier sieht der Vizepräsident eine der wichtigsten Aufgaben für den Alpenverein: Durch Aufklärung und Ausbildung das Risikobewusstsein jedes bergbegeisterten Menschen stärken und somit bewusstes und eigenverantwortliches Handeln ermöglichen.

 

Aus der Liste der extrem schwierigen Rettungsaktionen – und nur diese werden bei der Verleihung des Grünen Kreuzes berücksichtigt – werden folgend Einsätze kurz skizziert, bei welchen beide – Sepp und Albert Herzog – gemeinsam Hilfe leisteten:

So am Birnhorn in den Leoganger Steinbergen:

Ein Bergsteiger kehrte nicht - wie angekündigt - zur Hütte zurück. Der Wirt alarmierte die Bergrettung. Dem Notruf war ein
schweres Gewitter vorausgegangen. Um 20:00 Uhr rückte die Bergrettung aus, um den Bergsteiger zu suchen. Eine Gruppe Retter hörte die Hilferufe, konnte ihn aber nicht lokalisieren. Um Mitternacht setzte wieder schwerer Regen ein, es herrschte große Kälte und die Berge waren in dichten Nebel getaucht. Um 0:30 Uhr wurde beschlossen, die Suche wegen Aussichtslosigkeit abzubrechen. Sepp und Albert Herzog brachten sich vor dem zweiten Hochwetter in einer Felsnische auf der Nordseite des Birnhorns in Sicherheit, wo sie eine Wetterbesserung abwarten wollten. Als sie nach etlichen Stunden des Wartens ein Wetterfenster nutzten, um den Rückweg Richtung Passauerhütte anzutreten, wollten sie die kleine Chance, den Mann doch noch zu orten, durch ausdauerndes Rufen nutzen. Und ihre Hartnäckigkeit wurde belohnt: Plötzlich war ein Antwortruf zu vernehmen, und es gelang den Brüdern, den Vermissten auf 2600 m zu finden und zu bergen. Der durchnässte und stark unterkühlte Bergsteiger hätte die Nacht ohne Hilfe nicht überlebt.

Ein Lawinenunfall:

Zwei Variantenfahrer lösten am kleinen Asitz eine Lawine aus. Einer der beiden Schifahrer wurde mitgerissen und verschüttet. Die Oberflächensuche seines Kameraden blieb erfolglos. 
Ein Hubschrauber flog mit einigen Rettern und Suchhunden in den Bereich des Lawinenanrisses und man begann mit dem Sondieren. Die Lawinenhunde konnten vermutlich aufgrund der Schneebeschaffenheit keine Witterung aufnehmen und schlugen nicht an. Der Einsatzleiter Sepp Herzog ließ jedoch nicht locker und führte einen Sondierungsdurchgang nach dem anderen durch, bis der Verschüttete nach einer Ewigkeit von 6 Stunden, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, schließlich geortet und ausgegraben werden konnte. Er zeigte Lebenszeichen und hatte erkennbar eine Atemhöhle. Die Ärzte des Landeskrankenhauses Salzburg vollendeten dank ihrer Kunst das Wunder, den Jugendlichen zurück ins Leben und zu völliger Gesundheit zu bringen. Heute ist er aktives Mitglied des Bergrettungsdienstes Leogang.

Vorbericht im Bergauf 4/2018

Blick auf Stockerau

Foto: Alpenverein Stockerau/Herbert Wiedermannzoom
Foto: Alpenverein Stockerau/Herbert Wiedermann
 
Die erfolgreichsten Alpenvereinssektionen - v.l.: die Vertreter der Sektionen Voitsberg, Wiener Neudtadt, Wien, Austria, Akademische Sektion Wien und Sektion Hohe Munde mit Alpenvereins-Vizepräsident Gerald Dunkel-Schwarzenberger (re.) und Alpenvereinspräsident Andreas Ermacora (3. v.l.).zoom
Die erfolgreichsten Alpenvereinssektionen - v.l.: die Vertreter der Sektionen Voitsberg, Wiener Neudtadt, Wien, Austria, Akademische Sektion Wien und Sektion Hohe Munde mit Alpenvereins-Vizepräsident Gerald Dunkel-Schwarzenberger (re.) und Alpenvereinspräsident Andreas Ermacora (3. v.l.).
Foto: Alpenverein/Benedikterzoom
Foto: Alpenverein/Benedikterzoom
Foto: Alpenverein/Benedikterzoom
Foto: Alpenverein/Benedikterzoom
 

Ausgezeichnet: Alpenvereinshütte erhält Umweltgütesiegel

Anlässlich der Jahreshauptversammlung in Stockerau wurde das Umweltgütesiegel an die Gloggnitzer Hütte (Rax/NÖ) verliehen

Anlässlich der Jahreshauptversammlung in Stockerau wurde das Umweltgütesiegel an die Gloggnitzer Hütte (Rax/NÖ) verliehen (Foto: Christian Handl)zoom

Insgesamt 230 Hütten werden vom Österreichischen Alpenverein betrieben – mit dem Ziel, diese zu vorbildlichen Beherbergungsstätten im Hinblick auf eine ökologische Bewirtschaftung zu entwickeln. All jenen Alpenvereinshütten, die sich im Sinne der Umwelt besonders auszeichnen, wird seit über 20 Jahren das renommierte Umweltgütesiegel verliehen. Heuer durften Vertreter der Ortsgruppe Gloggnitz (Bezirk Neunkirchen, NÖ) die begehrte Auszeichnung im Rahmen der ÖAV-Hauptversammlung entgegennehmen – die Gloggnitzer Hütte (1.548) auf der Rax (NÖ) wurde mit dem Umweltgütesiegel geadelt.

Im Rahmen der Verleihung (v.l.): Dieter Holzweber (erster Vorsitzender Alpenverein-Gebirgsverein), Horst Hofmann (Obmann Ortsgruppe Gloggnitz), Alpenvereinspräsident Andreas Ermacora und Vizepräsident Helmut Ohnmacht (Foto: Alpenverein/Benedikter)
Im Rahmen der Verleihung (v.l.): Dieter Holzweber (erster Vorsitzender Alpenverein-Gebirgsverein), Horst Hofmann (Obmann Ortsgruppe Gloggnitz), Alpenvereinspräsident Andreas Ermacora und Vizepräsident Helmut Ohnmacht (Foto: Alpenverein/Benedikter)

And the winner is… Ein Höhepunkt der Jahreshauptversammlung des Österreichische Alpenvereins ist die Bekanntgabe und Verleihung des begehrten Umweltgütesiegels. Damit werden all jene Alpenvereinshütten geehrt, die sich im Bereich Umwelt und ökologischer Bewirtschaftung besonders auszeichnen. Gäste und Hüttenbesucher sollen somit auf das ökologische Engagement der Alpenvereine und ihren Einsatz für den Umweltschutz aufmerksam gemacht werden.

Eine Kommission bestehend aus ÖAV-Experten im Bereich Hütten und Wege empfahlen in diesem Jahr die Umwelt-Auszeichnung an die Gloggnitzer Hütte zu verleihen. Von den 75 möglichen Punkten für Sollkriterien erreichte das Alpenvereins-Schutzhaus 52,5 Punkte, mindestens gefordert wären 25.

„Herzliche Gratulation an die Ortsgruppe Gloggnitz und all ihren ehrenamtlichen Helfern. Durch die vorbildliche und engagierte Arbeit konnten all unsere Vorgaben erfüllt werden – die Verleihung des begehrten Gütesiegels soll weiterhin als Motivation dienen und gilt als Zeichen der Anerkennung“, betont Helmut Ohnmacht, Vizepräsident des Alpenvereins.

Helmut Ohnmacht, Vizepräsident des Alpenvereins. (Foto: Alpenverein/Freudenthaler)
Helmut Ohnmacht, Vizepräsident des Alpenvereins. (Foto: Alpenverein/Freudenthaler)
 

Peter Kapelari, Leiter der Abteilung Hütten, Wege und Kartographie im Österreichischen Alpenverein lobt in diesem Zusammenhang besonders den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen. 

„Eine Alpenvereinshütte umweltbewusst zu führen, bedeutet für die Sektionen und Wirtsleute Zusatzkosten und beachtlichen Mehraufwand. Es ist schön zu sehen, wie Alpenvereinswerte – dazu gehört auch der Respekt vor der Natur und die damit verbundene Bewahrung der Ursprünglichkeit der Bergwelt – tagtäglich gelebt werden.“

Gloggnitzer Hütte als 59. Alpenvereinshütte ausgezeichnet

Ende der 20er Jahre wurde im Bereich der heutigen Gloggnitzer Hütte eine Halterhütte errichtet, im Jahre 1932/34 wurde diese ausgebaut. Das von Mitgliedern im Ehrenamt gewartete Schutzhaus wird heute von der Ortsgruppe Gloggnitz der Sektion Österreichischer Gebirgsverein betrieben. Die Hütte ist nur zu Fuß erreichbar, verfügt über 22 Schlafplätze und ist von der Stadt Wien langfristig gepachtet. In den Wintermonaten ist sie besonders bei Tourengehern beliebt.
Die Gloggnitzer Hütte ist ab sofort eine von insgesamt 59 Alpenvereinshütten, die das seit 1996 vergeben Siegel trägt. Auf Grund ihrer Lage inmitten des Trinkwassereinzugsgebietes der Stadt Wien muss das Schutzhaus besonders strenge Umweltauflagen umsetzen, welche genauestens kontrolliert werden. 

Peter Kapelari, Leiter der Abteilung Hütten, Wege und Kartographie im Österreichischen Alpenverein (Foto: Alpenverein/Freudenthaler)
Peter Kapelari, Leiter der Abteilung Hütten, Wege und Kartographie im Österreichischen Alpenverein (Foto: Alpenverein/Freudenthaler)
 

Infrastruktur der Gloggnitzer Hütte

2010 erhielt die Gloggnitzer Hütte einen Zubau, der zwei Trockentoiletten, einen ganzjährig geöffneten Not- und Winterraum, ein Brandschutzstiegenhaus und ein Lager beinhaltet. Die Hütte wird nur über Photovoltaik und einen kleinen Batteriespeicher mit Strom versorgt, die Energie für das Warmwasser wird aus dem Stückholzherd ausgekoppelt. Die Abwässer werden über eine bepflanzte Kiesbeet-Anlage biologisch gereinigt. 
Das Abfall- und Umweltkonzept und die Umweltkommunikation sind vorbildlich, auch alle Hinweise zur öffentlichen Anreise (Fahrpläne, etc.) hängen aus. Besonders besticht die Gloggnitzer Hütte durch ihre Einfachheit und Sauberkeit.

Anlässlich der Jahreshauptversammlung in Stockerau wurde das Umweltgütesiegel an die Gloggnitzer Hütte (Rax/NÖ) verliehen (Foto: Christian Handl)

Strenge Auflagen

Um das Umweltgütesiegel zu erhalten sind Faktoren wie Energieeffizienz und -versorgung, Abwasserklärung, Abfallvermeidung und -entsorgung oder auch eine saubere Hüttenumgebung ausschlaggebend. Zu den Grundvoraussetzungen zählen die Identifikation des Hüttenwirts mit der Hüttenordnung sowie der Ideologie des Alpenvereins, umweltgerechtes und energieeffizientes Betreiben und Bewirtschaften der AV-Hütte, und die Beachtung aller bundes- und landesgesetzlichen Regelungen. Darüber hinaus sind alle Neuinvestitionen für die Ver- und Entsorgungsanlagen dem aktuellen Stand der Technik anzupassen.

Der Österreichische Alpenverein, der Deutsche Alpenverein sowie der Alpenverein Südtirol haben zusammen bereits 120 ihrer Hütten mit dem Umweltgütesiegel ausgezeichnet.

Vorbericht im Bergauf 4/2018

Blick auf Stockerau

Foto: Alpenverein Stockerau/Herbert Wiedermannzoom
Foto: Alpenverein Stockerau/Herbert Wiedermann
 

"Die großen Beutegreifer in den Alpen – Bär, Wolf, Luchs" - unter diesem Titel referierte Univ.-Prof. Dr. Kurt Kotrschal im Rahmen der Hauptversammlung 2018. Unter anderem ging Kotrschal in kurzweiligem Stil auf die Bedeutung der Beutegreifer für die menschliche Nutzung ein und diskutierte über Konflikte und Synergien.

Univ.-Prof. Dr. Kurt Kotrschal im Rahmen der Hauptversammlung 2018 (Foto: Alpenverein/Benedikter)
Univ.-Prof. Dr. Kurt Kotrschal im Rahmen der Hauptversammlung 2018 (Foto: Alpenverein/Benedikter)

Sehr geehrte Ehrengäste,
liebe Bergfreunde und Mitglieder der Alpenvereinsfamilie!

Der Alpenverein nähert sich mittlerweile einer Mitgliederzahl von 600 000 und formt damit eine der größten NGO`s in Österreich. Die Familie und Vereine bilden das Rückgrat einer sich entsolidarisierenden Gesellschaft und sind sozialer Kitt in einer Welt der Egozentrik. Die schiere Größe, die touristische und gesundheitspolitisch-breitensportliche Aufgabenstellung sowie die gegebene Verantwortung für die sensiblen Naturräume des Gebirges fordern ein hohes Maß an Engagement, befeuern die Motivation und bestätigen, den rechten Weg zu verfolgen.

Generalsekretär Robert Renzler im Rahmen der Hauptversammlung 2018 (Foto: Alpenverein/Benedikter)
Generalsekretär Robert Renzler im Rahmen der Hauptversammlung 2018 (Foto: Alpenverein/Benedikter)
 

Die Zeichen der Zeit für Natur- und Umweltschutz stehen auf Sturm. Es spielt anscheinend keine Rolle, dass außer dem US-Präsidenten keiner mehr über die Tatsache des Klimawandels hinwegkommt, dass die Herkunftsmärkte für die Skisportindustrie seit vielen Jahren abnehmen, die Verkehrsbelastungen nicht mehr bewältigbar sind und eigentlich nur mehr ein Verdrängungswettbewerb stattfindet; der weitere Ausbau von Skigebieten muss anscheinend dennoch forciert werden. Zusammenschlüsse über Täler hinweg heißt der neue Euphemismus, mit dem das Wort Neuerschließung umgangen wird. Was nicht benannt wird, existiert nicht. Der Orwellsche Neusprech lässt grüßen. Wobei angemerkt sei, dass wir wohl alle zu einem verantwortungsbewussten Skitourismus stehen und dessen volkswirtschaftliche Bedeutung anerkennen. Die Gretchenfrage aber muss gestellt werden und ist äußerst dringlich, nämlich wann genug genug ist. Die Frage nach den Ausbaugrenzen stellt sich mehr denn je.

Ein neues Standortentwicklungsgesetz, ein neues Gesetz zu den UVP-Verfahren und das Staatsziel Wirtschaft im Verfassungsrang steht zur Diskussion als wenn nicht feststünde, dass die Wirkungsmacht der Wirtschaft in allen Bereichen des Lebens und der Politik global wie regional d i e und zunehmend einzig entscheidende Größe wäre und die Stimmen der gebeutelten und geplünderten Natur ein ständiges Rückzugsgefecht liefern müssten. Das Gegenteil wird behauptet und das genügt obgleich Landschafts- und Ressourcenverbrauch exorbitant hoch bleiben und gravierende Auswirkungen auf Leben, Landschaft und Klima nach sich ziehen. Ein Beispiel: würden alle Menschen ein Lebensmodell wie wir Österreicher pflegen, bräuchten wir die Ressourcen und den Lebensraum nicht einer sondern 3,4 Erden. Die Frage, ob wir eigentlich nicht Mundraub an der Zukunft unserer Kinder und an den Menschen der 3. Welt betreiben, drängt sich angesichts dieser Fakten unweigerlich auf.

Umso bedeutender ist es, dass der Alpenverein mit den Bergsteigerdörfern ein über ein Jahrzehnt gereiftes Projekt als Alternative zum Hardcoretourismus vorzeigen können. Die Bergsteigerdörfer haben den Sprung in die Internationalität endgültig geschafft. Neue Orte haben sich heuer im Gadertal in den Dolomiten, in Bayern und in Slowenien zu einem naturnahen sanften Bergtourismus bekannt. Wir bedanken uns bei unseren Partnern dem Deutschen, Südtiroler und Slowenischen Alpenverein.

Gemeinsam mit dem WWF und den Naturfreunden wurde die Kampagne „Seele der Alpen“ ins Leben gerufen, die die Bewahrung jener wenigen Prozente (es sind gerade einmal 7) der österreichischen Landschaft, die noch weitgehend unberührt geblieben ist, fordert.

Unser haupt-und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen kämpfen in vielen umweltrechtlichen Verfahren wie bei Kraftwerksprojekten, Windparkplanungen oder Skigebietserweiterungen im alpinen Raum. Wer, wenn nicht der Alpenverein, muss da dagegenhalten?

Mit dem aus der ORF Werbung bekannten Projekt Mutter Erde verbindet uns eine Partnerschaft, die sich heuer auf den Bereich Lebensmittelverschwendung konzentriert. 1,3 Milliarden Tonnen (ein Drittel der Gesamtproduktion) an Lebensmitteln verderben jährlich lt. FAO oder um die Größenangaben plastischer zu machen: in Wien wird so viel Brot weggeworfen, wie Graz täglich isst. Eine Studie der BOKU aus dem Jahr 2008. Unser tägliches Brot gib uns heute! Und es hat sich kaum was geändert.

Eine dynamische Organisation wie unsere braucht von Zeit zu Zeit Atempausen um über bewegende Themen nachzudenken und einen Dialog zu führen. Eine solche Atempause, ein solches Innehalten wollen wir mit dem Zukunftsdialog vom 23.05. bis zum 26.05.2019 am Hochkar in Niederösterreich gestalten. Es geht um die Themen künftige Kommunikation nach innen und außen im digitalen Zeitalter, unsere Position zum Mountainbiken, die wir möglicherweise auch im Hinblick auf die rasante Zunahme der E-Bikes überdenken müssen und eine Wertediskussion, deren Rahmen die scheinbare Bipolarität der Begriffe Wachstum und Naturschutz bilden.

Vielleicht stoßen wir dabei auch auf die fundamentalen Werte der Aufklärung, die allen Verfassungen liberal demokratischer Staaten zugrunde liegen, nämlich die der Freiheit, der Gleichheit und der Solidarität und der daraus resultierenden Unverbrüchlichkeit der Menschenwürde. Werte, die zunehmend offen und schleichend in Frage gestellt werden. Vereine aber sind mit Keimzellen der Demokratie und als solche müssen wir sehr genau hinschauen, was mit uns und um uns geschieht. Das Suchen nach der Wahrheit, nach dem was der Fall ist, nach der Unverborgenheit des sich entbergenden Seins, wie es Heidegger bezeichnete, hat in schwierigen Zeiten immer geholfen, auch wenn es ein mühsamer, ein steiniger Weg ist. Umgekehrt gilt, Kassandra wurde verstoßen, die Wahrheit ignoriert und Troja ist gefallen.

Begegnen wir uns also auf jener Augenhöhe, die besagte Werte und das Du beim Bergsteigen symbolisieren. Es gibt kein oben und kein unten im Verein sondern nur unterschiedlich Aufgaben, die jeder an seinem Platz erfüllt und die unverzichtbar sind für das gesamte Gefüge und Gedeihen. So jedenfalls habe ich immer den Verein und das AV-Haus gedacht. Und in diesem Sinne darf ich mich bei allen meinen Mitarbeiterinnnen herzlich bedanken, die das geleistet haben, was ich vortragen durfte, bei den Funktionärinnen in den Gremien für das freundschaftliche Begegnen und das Bemühen um die gemeinsame Vision Alpenverein und bei Ihnen allen, die sie die Essenz des Alpenvereins verkörpern als Repräsentanten der Sektionen, für die wir alle letztlich da sind. Lasst uns zusammen an einer Idee, die vor über 150 Jahren geboren wurde mit kühlem Kopf und heißem Herzen arbeiten, denn Alpenverein und Bergsteigen heißt Emotion und Leidenschaft.

Erneuern wir den Pakt mit unserer Mutter Erde, aus deren Schoß wir stammen und von deren Wurzeln wir uns getrennt haben, und achten wir darauf, dass jene Werte, die unser Bild vom Menschen zeichnen und seit der Aufklärung in 200 Jahren unter Blut Schweiß und Tränen erkämpft wurden, nicht achtlos und leichtfertig im Staub der Beliebigkeit verwehen. Der Alpenverein ist keine Winkelsache wie Bischof Stecher in seiner Festrede 2012 formulierte und auch wenn in der modernen globalisierten High Speed Welt Gefühle der Ohnmacht aufkommen, gilt doch das Wort Mahatma Ghandis, der sinngemäß gesagt hat: „Verändere du dich und du wirst die Welt verändern!“.

In diesem Sinne darf ich mich aufrichtig bei euch bedanken und euch meine Hochachtung ausdrücken, die ihr täglich an der Verbesserung dieser unserer Welt arbeitet.

Zu Pfingsten 2018 lud die Österreichische Alpenvereinsjugend zum Jugendteamtreffen auf den Zellhof nach Mattsee. Die Zeit war reif für Edelweiß Island - und die Teilnehmer erlebten ein Wochenende mit unterschiedlichen Workshops, guten Gesprächen, einem abwechslungsreichen Freizeitprogramm und langen Lagerfeuerabenden.

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung berichtete die Alpenvereinsjugend über ihre Erlebnisse - ein Film versprühte "Edelweiß Island-Feeling" direkt in die Hauptversammlung nach Stockerau. 

Vizepräsidentin Nicole Slupetzky (Aufgabenbereich u.a. Alpenvereinsjugend) im Rahmen der Jahreshauptversammlung 2018.zoom
Die Alpenvereinsjugend berichtet über "Edelweiß Island"zoom
 

Filmbeitrag Edelweiß Island 2018

„Wir als Alpenverein haben einen Auftrag: Menschen müssen mit entsprechenden Kompetenzen in den Bergen unterwegs sein, müssen Risikobewusstsein und Eigenverantwortung mitbringen“, betont Michael Larcher, Leiter der Abteilung Bergsport im Alpenverein. In diesem Zusammenhang berichtete Larcher in der Jahreshauptversammlung über die „SicheramBerg“-Initiative des Alpenvereins – u.a. mit der Präsentation neuer Videotrailer und Erklär-Videobeiträge.

Michael Larcher, Leiter der Abteilung Bergsport im Alpenverein (Foto: Alpenverein/Benedikter)
Michael Larcher, Leiter der Abteilung Bergsport im Alpenverein (Foto: Alpenverein/Benedikter)

Das erste Video aus der SicherAmBerg-Reihe geht am 25.10.2018 online --> hier der Link dazu:

14 Bilder

 
 
 

Herzlichen Dank!

Vielen Dank an den Alpenverein Stockerau und die Sektion Flandern aus Belgien für die perfekte Organisation der Hauptversammlung! Vertreter der Sektion Schladming - kommendes Jahr findet die Jahreshauptversammlung in Schladming statt - übergaben ein Geschenk an die Gastgeber aus Niederösterreich.

Foto: Alpenverein/Benedikter
Foto: Alpenverein/Benedikter

Vorbericht im Bergauf 4/2018

Blick auf Stockerau

Foto: Alpenverein Stockerau/Herbert Wiedermannzoom
Foto: Alpenverein Stockerau/Herbert Wiedermann