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Hauptversammlung in Stockerau: Alpenverein blickt auf erfolgreiches Jahr zurück (Jahresbilanz)

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Hauptversammlung in Stockerau: Alpenverein blickt auf erfolgreiches Jahr zurück

Kletter-WM in Innsbruck (Foto: norbert-freudenthaler.com)zoom

Anlässlich der Jahreshauptversammlung in Stockerau zog der Alpenverein seine Jahresbilanz: Neben der Rekordzahl von über 545.000 Mitgliedern verzeichnet der größte alpine Verein des Landes aktuell über 22.000 Ehrenamtliche. Mit Naturschutz-Petitionen wie der „Allianz für die Seele der Alpen“ oder Warnungen vor der Neuauflage des „Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms“ wird der Alpenverein aktuell seinem Ruf als "Anwalt der Alpen" einmal mehr gerecht. Grund zur Freude bescherte heuer das 10-jährige Jubiläum der Bergsteigerdörfer mit drei Neuaufnahmen. Als Mitveranstalter der Kletter-WM in Innsbruck konnte der Alpenverein 2018 seine Kernkompetenz im Bereich Sportklettern ins Rampenlicht stellen. Große Herausforderungen sieht der ÖAV zukünftig im Erhalt der oft als Kulturgut einzuordnenden Wege.

"Verantwortung steigt mit jedem Mitglied"

Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora
Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora

Mit über 545.000 Bergsport- und Naturbegeisterten zählen die 197 Alpenvereinssektionen zusammen so viele Mitglieder wie noch nie. Im vergangenen Jahr konnte der ÖAV rund 23.500 Menschen für eine Neu-Mitgliedschaft begeistern, das ist der zweitgrößte Zuwachs seit Zählungs-Beginn. Grund zur Freude bereitet auch der kontinuierlich steigende Frauenanteil von rund 44 Prozent.

Als größter alpiner Verein und größte Jugendorganisation Österreichs tragen wir natürlich hohe Verantwortung, diese steigt mit jedem einzelnen Mitglied“, betont Alpenvereinspräsident Andreas Ermacora. 

„Vielen Mitgliedern sind unsere Angebote wie Versicherung und Hüttenermäßigung wichtig. Als Alpenverein ist es uns aber ein großes Anliegen, dass sich diese auch mit unseren Werten – wie dem respektvollen Umgang mit der Natur – identifizieren“.

 

Quantitative Untersuchung: Positive Imagebewertung des Alpenvereins

„Neben Tirol sind die meisten Alpenvereinsmitglieder in Wien zu finden“, freut sich Vizepräsident Wolfgang Schnabl über den enormen Zuwachs auch im Osten des Landes.

„Wir beobachten den Trend, dass sich in Großstädten immer mehr Menschen für die Angebote des Alpenvereins interessieren.“

In Wien konnte dabei ein Plus von 6,2 Prozent erreicht werden, in Niederösterreich stieg die Zahl der Alpenvereinsmitglieder um 4,3 Prozent. Insgesamt 22.000 Ehrenamtliche – von VorstandsfunktionärInnen bis ProjektmitarbeiterInnen – bilden dabei „Herz und Seele“ des Vereins.

Dr. Wolfgang Schnabl, Vizepräsident Österreichischer Alpenverein (Foto: Alpenverein/Benedikter)
Dr. Wolfgang Schnabl, Vizepräsident Österreichischer Alpenverein (Foto: Alpenverein/Benedikter)
 

In einer aktuellen quantitativen Untersuchung im Auftrag des ÖAV fällt die Imagebewertung für den Alpenverein ebenfalls positiv aus: Die lange Tradition und Erfahrung, das Hütten- und Wegenetz, der freie Naturzugang und die gebotene Sicherheit wird dabei besonders in den Vordergrund gestellt.

Laut der aktuellen Studie ist das größte Zusatzpotenzial des Österreichischen Alpenvereins in der Altersgruppe der 31- bis 45-Jährigen zu finden. Eine Herausforderung für die Zukunft stellt die jüngere Bevölkerung unter 30 Jahren dar: Sie zeigt laut Untersuchung die mit Abstand geringste Berg-Aktivität.

„Seele der Alpen“ schützen, Erschließungsspirale eindämmen

2018 hat der Österreichische Alpenverein gemeinsam mit den Naturfreunden und dem WWF Österreich die "Allianz für die Seele der Alpen" ins Leben gerufen. Die Bedeutung der letzten alpinen Freiräume wird dabei in den Vordergrund gerückt, eine Petition mit der Forderung nach verbindlichen Erschließungsgrenzen startete Mitte des Jahres.

Weiters warnt der Alpenverein aktuell vor der Neuauflage des Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms (TSSP). Laut ÖAV droht das Programm jenen Erschließungsplänen, die noch in den Schubladen liegen, nun endgültig Tür und Tor zu öffnen. Betroffen wären beispielsweise etwa Tiroler Projekte wie der Zusammenschluss Hochfügen-Tux mit Zubringer über Weerberg, Hochoetz-Kühtai oder Sexten-Sillian.

Besonders wichtig bei den Naturschutz-Initiativen laut Alpenvereinspräsident Andreas Ermacora: der Rückhalt der Alpenvereinsmitglieder, ohne den etwa die Erschließungsspirale nur schwer aufzuhalten wäre.

Die Wildspitze, aufgenommen am Gipfel des Linken Fernerkogels. Naturbelassene, wilde Gegend im Spannungsfeld zwischen den Skigebieten Ötztal/Pitztal. Foto: ÖAV/Werner Flörl
Die Wildspitze, aufgenommen am Gipfel des Linken Fernerkogels. Naturbelassene, wilde Gegend im Spannungsfeld zwischen den Skigebieten Ötztal/Pitztal. Foto: ÖAV/Werner Flörl

Erfolgsprojekte 2018: Bergsteigerdörfer und Kletter-WM

Grund zur Freude bescherte im Jahre 2018 das 10-jährige Jubiläum der Bergsteigerdörfer, einer Initiative zur Entwicklung eines sanften Tourismus im Alpenraum. Die erste Deklaration der Bergsteigerdörfer wurde bereits im Sommer 2008 unter Federführung des Österreichischen Alpenvereins unterzeichnet. Heuer haben die Bergsteigerdörfer ihr internationales Portfolio ausgebaut: Im Mai schloss sich Jezersko in Slowenien an, im Juli folgte das oberbayrische Kreuth, im August Lungiarü in den Südtiroler Dolomiten.

Im Mai hat sich auch das slowenische Jezersko der Initiative der Bergsteigerdörfer angeschlossen (Foto: Slowenischer Alpenverein).
Im Mai hat sich auch das slowenische Jezersko der Initiative der Bergsteigerdörfer angeschlossen (Foto: Slowenischer Alpenverein).

Auch die Kletter-WM vom 6. - 16. September 2018 in Innsbruck kann als Erfolgsprojekt verbucht werden, bei der der Alpenverein als Mitveranstalter fungierte. „Die Kletter-WM im eigenen Land bot eine ideale Bühne, Sportklettern als Kernkompetenz des Österreichischen Alpenvereins zu präsentieren. Es freut uns, in diesem Rahmen unser Know-how bereitgestellt zu haben“, erklärt Ermacora. Insgesamt 25 Athleten, die an der WM teilnahmen, stammen laut Alpenvereinspräsident aus dem Talente-Pool des ÖAV. Rund 58.000 Zuschauer ließen sich die Weltmeisterschaft in Innsbruck nicht entgehen. Das österreichische Kletterteam setzte sich mit drei Gold- und einer Bronzemedaille an die Spitze des Medaillenspiegels.

Seit Beginn der 80er Jahre hat der Alpenverein zahlreiche Klettergärten und künstliche Kletteranlagen geschaffen und besonderen Wert auf die Themen Ausbildung, Sicherheit und Jugendarbeit gelegt. Derzeit werden über 200 Kletteranlagen vom ÖAV betreut.

Wegenetz als Herausforderung

Große Herausforderungen sieht der Österreichische Alpenverein zukünftig im Erhalt der oft als Kulturgut einzuordnenden Wege. Seit dem 19. Jahrhundert kümmert sich die Bergsport- und Naturschutzorganisation um ein insgesamt 26.000 Kilometer langes Wegenetz in den heimischen Alpen, das Wanderer u.a. auf die 230 Hütten des ÖAV führen. Dabei übernimmt der Alpenverein die Wegehalterhaftung und investiert jährlich rund eine Million Euro.

„Der Klimawandel bringt für die meist ehrenamtlichen Wegewarte große Herausforderung mit sich“ betont Peter Kapelari, Leiter der Abteilung Hütten, Wege und Kartographie im Österreichischen Alpenverein. Beispielsweise der nun häufiger auftretende Starkregen, Steinschlag, auftauender Permafrost oder Erosionen ziehen Wege in Mitleidenschaft.

Der benötigte Einsatz der Sektionen steige laut Kapelari demnach stark an. „Der Gletscherweg Innergschlöß im Nationalpark Hohe Tauern beispielsweise musste auf Grund des Gletscherrückganges verlegt und adaptiert werden, damit Naturbegeisterte die Zunge des Schlatenkeeses weiterhin erreichen können.“

Der starke Rückgang des Gletschers erforderte eine neue Wegführung des "Gletscherweg Innergschlöß" (Foto: ÖAV/Hannes Schlosser)
Der starke Rückgang des Gletschers erforderte eine neue Wegführung des "Gletscherweg Innergschlöß" (Foto: ÖAV/Hannes Schlosser)
 

Das Wegenetz als „gebautes Kunstwerk“

Neben natürlichen Einflüsse bringen auch touristische, forstliche oder jagdliche Interessen Veränderungen der oft als Kulturgut einzuordnenden Wege mit sich. Laut Helmut Ohnmacht, Vizepräsident im Österreichischen Alpenverein, werden Konflikte dabei intensiver. 

„Einige der Wege können als gebaute Kunstwerke und somit kulturelles Erbe eingestuft werden“, erklärt Ohnmacht und verweist dabei beispielsweise auf die kunstvoll angelegten Stufenanlagen zum Friesenberghaus im Zillertal. „Der Tourismus will immer öfter Wege für beispielsweise Mountainbiker oder E-Biker anpassen und nutzbar machen – die Ursprünglichkeit der Wege geht damit verloren.“ Auch die Trassierung von Forststraßen könne alte Wege zerstören.

Besonders schützenswerte Wege sollen laut Ohnmacht daher zukünftig unter Denkmalschutz gestellt werden – eine für den Vizepräsidenten „zwingend notwendige Initiative“. Voraussetzung dafür, dass ein Weg als kulturelles Denkmal geschützt wird, sind im Denkmalschutzgesetz gegeben. Betroffen sind dabei nur von Menschenhand errichtete Wege, die von geschichtlicher, künstlerischer oder sonstiger kultureller Bedeutung sind und an denen ein öffentliches Erhaltungs-Interesse besteht.

Immer öfter tritt auch der Fall ein, dass Grundbesitzer Wege – und Wegerechte – von ihren Gründen entfernen wollen. Mancherorts sei laut Peter Kapelari gar die Wegefreiheit in Gefahr: „Jagdreviere werden unter dem Deckmantel des Naturschutzes zu Sperrgebieten, die von Wanderern nicht mehr betreten werden dürfen – teils sind damit sogar historische Wege für den ‚Otto Normalverbraucher‘ tabu“, erklärt Kapelari.

 
Im Rahmen der Jahreshauptversammlung in Stockerau (v.l.): Wolfgang Schnabl (Vizepräsident Österreichischer Alpenverein), Andreas Ermacora (Präsident Österreichischer Alpenverein) und Peter Kapelari (Leiter Abteilung Hütten, Wege und Kartographie im Österreichischen Alpenverein) Foto: Alpenverein/Benedikter
Im Rahmen der Jahreshauptversammlung in Stockerau (v.l.): Wolfgang Schnabl (Vizepräsident Österreichischer Alpenverein), Andreas Ermacora (Präsident Österreichischer Alpenverein) und Peter Kapelari (Leiter Abteilung Hütten, Wege und Kartographie im Österreichischen Alpenverein) Foto: Alpenverein/Benedikter

Vorbericht im Bergauf 4/2018

Blick auf Stockerau

Foto: Alpenverein Stockerau/Herbert Wiedermannzoom
Foto: Alpenverein Stockerau/Herbert Wiedermann