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Freeriden mit risk'n'fun (Unterwegs mit dem risk'n'fun-Team)

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Freeriden mit risk'n'fun

Unterwegs mit dem Ausbildungsprogramm der Alpenvereinsjugend

"4 Tage abseits der Pisten mit dem risk'n'fun-Team und anderen Freeridern. Kurze Hikes in Pistennähe, zahlreiche Entscheidungssituationen und Abfahrten im freien Gelände": So beschreibt sich die risk'n'fun-Trainingssession. Wir haben uns das außergewöhnliche Ausbildungsprogramm der Alpenvereinsjugend aus der Nähe angesehen.

Buntes Team bei der risk'n'fun-Session im Kaunertalzoom

2018. Es ist kurz nach Silvester, das neue Jahr macht sich gleich mit ergiebigem Schneefall beliebt. Die risk'n'fun Session, der erste Teil des vierteiligen Ausbildungsprogramms für Freerider, steht groß im Kalender.

Der Auftrag an uns Teilnehmer in den kommenden fünf Tagen: Anhand der drei Säulen "wahrnehmen – beurteilen – entscheiden" unsere "eigene Freeride-Strategie zu entwickeln". Die Details klingen greifbarer: Lawinenlagebericht richtig interpretieren, mit der Notfallausrüstung umgehen lernen, die Abfahrt im Gelände gut und sicher wählen. Dass es um weit mehr geht, werden wir im Laufe der Ausbildung erfahren.

20 TeilnehmerInnen aus allen Winkeln des Landes und darüber hinaus erscheinen zum Kurs im Tiroler Kaunertal. Ein bunter Mix, von der Outdoor-Bloggerin über den Urologen, den Logistiker und die Krankenschwester zum Skilehrer, vom Kitesurfer über den Yogi, die Luftfahrttechnikerin und den Theologiestudenten zur Volksschullehrerin. Zwei Berg- und Skiführer und zwei risk'n'fun-Trainer sind fünf Tage lang für uns da und begleiten uns bei unserer Entwicklung zum eigenverantwortlichen Freerider.

Die Altersspanne reicht diesmal von Anfang 20 bis Mitte 50. Das ist keine Erschwernis, sondern bereichert die Gruppe. In kurzer Zeit schafft es das risk'n'fun-Team, eine einzigartige Harmonie unter den Teilnehmern herzustellen. Wir bringen uns ein, teilen unser Wissen, tauschen Erfahrungen aus, wägen gemeinsam ab und hören einander zu. Experten lernen von und mit Experten – ganz ohne Frontalvortrag.

Besser könnten die Verhältnisse zum Lernen nicht sein, das Skigebiet winkt mit optimalen Herausforderungen: Lawinenwarnstufe vier am ersten Tag, Neuschnee, Sturm, der Triebschneepakete in steile Hänge bläst, Warmfront auf Kaltfront auf Warmfront.

1

Am ersten Gelände-Tag ist der Gletscher aus Sicherheitsgründen gesperrt, wir fahren nach Fendels. Die Schwünge in der flockig weichen Winterlandschaft drehen sich ums "Wahrnehmen": Wie sind die Schneeverhältnisse, aus welcher Richtung kommt der Wind und welche Windzeichen erkennen wir, gibt es Lawinensprengungen? Wie steil sind die Hänge? Was sagt der Lawinenlagebericht, wie entwickelt sich das Wetter? Wie fühle ich mich, wie geht es meiner Gruppe, wie beeinflusst uns die Umwelt?

Wir fahren in oberschenkeltiefem Pulverschnee durch den Wald, springen über Pillows und aktivieren unsere Sensoren für all das, was uns umgibt.

Tag 1 - Fendelszoom
Tag 1 - Fendelszoom
Tag 1 - Fendelszoom
Tag 1 - Fendelszoom
 

2

Am zweiten Tag schiebt uns die Natur einen Riegel vor unsere ehrgeizigen Freeride-Pläne: Unser Stützpunkt im Tal ist aufgrund der Lawinengefahr völlig abgeriegelt, wir kommen weder vor noch zurück. Schnell wird umdisponiert und wir nutzen das tief verschneite Feld im Ort dafür, unsere "Hard Skills" zu schulen: Was kann meine Notfallausrüstung und wie funktioniert sie? Schaffe ich es, ein Lawinenopfer innerhalb der kritischen 15 Minuten im Lawinenkegel zu orten und lebend aus den Schneemassen zu befreien? Wir lernen, LVS-Gerät und Sonde richtig einzusetzen und erleben selbst, was es heißt, effizient zu schaufeln.

Bei einer Übung bekommen wir den Stress, die Überforderung und die Angst hautnah zu spüren. Wir suchen hektisch nach 2, 3, mehr Verschütteten, vergessen auf den Notruf, laufen chaotisch durch den Schnee und stochern nach Überlebenden. Keuchend wird uns bewusst, was der Ernstfall bedeutet.

"Suchen, sondieren, schaufeln – die Verschüttetensuche muss jeder beherrschen, der sich ins Gelände begibt. Aber in erster Linie muss es uns darum gehen, genau diesen Notfall zu verhindern", sagen die Trainer. Am Abend tobt das neue Wissen durch unsere Köpfe und hält uns lange wach.

Tag 2 - Verschüttetensuchezoom
Tag 2 - Verschüttetensuchezoom
Tag 2 - Verschüttetensuchezoom
Tag 2 - Verschüttetensuchezoom
 

3

Am dritten Tag beschäftigen wir uns mit der zweiten Säule des Konzepts von risk'n'fun: "Beurteilen". Wie lässt sich das Wahrgenommene – Lawinenwarnstufe, Hangneigung, Schneelage, Gruppendynamik, Risikofreudigkeit, … – interpretieren? Und wie komme ich zu einem Urteil, ob ich den Hang dort drüben unter den herrschenden Bedingungen befahren kann?

Das Gletscherskigebiet Kaunertal – gerade erst wieder eröffnet – macht es spannend: Jungfräuliche Tiefschneehänge, aber ein gespannter Dreier auf der Lawinenwarnskala und riesige Lawinenkegel überall. Ein heikler Tag, um sich ins Gelände zu wagen. Wir bleiben defensiv und lernen, sichere Linien und Varianten zu entdecken. Erobern feinste Pulverhänge, ohne uns in Gefahr zu begeben. Bilden uns mithilfe der Trainer und unserer Buddies im Team ein Urteil. Und erleben unseren ganz individuellen Umgang mit dem Risiko.

Tag 3 - Heikle Lawinensituationzoom
Tag 3 - Triebschneezoom
Tag 3 - Beurteilenzoom
Tag 3 - Beurteilenzoom
 

4

Am vierten Tag treten unsere Begleiter in den Hintergrund. Bergführer und Trainer lassen uns auf das Freeride-Gelände los und verfolgen mit, wie wir unsere Entscheidungen treffen – die dritte Säule von risk'n'fun. Sie beobachten (mal ernst, mal amüsiert), was wir tun, wenn wir an der Hangkante stehen und über "Stop" oder "Go" entscheiden – und greifen nur ein, falls wir uns ernsthaft in Gefahr begeben. Wir wenden die selbst erarbeiteten Entscheidungsstrategien an, wählen für uns selbst aus, welche Variante machbar ist. Und finden für all die Charaktere in unserer Gruppe eine Linie, die für sie stimmig und vertretbar ist.

Nicht immer sind unsere Entscheidungen eindeutig. Wir haben Zweifel und erkennen, dass unsere Spurwahl nicht immer eine Sicherheitsgarantie ist. Aber wir werden uns der Gefahren bewusst und können versuchen, das Risiko so weit es geht zu minimieren – oder es auf eigene Verantwortung in Kauf nehmen.

Die Erfahrung dafür müssen wir alle noch sammeln. In vier unglaublich lustigen und lehrreichen Tagen und Nächten haben wir den ersten Schritt dazu gesetzt – und wir sind uns bei der Nachbesprechung einig, dass sich unsere Lines bei risk'n'fun wohl noch öfter kreuzen werden.

"risk'n'fun ist wie ein Virus, der einen nach dem anderen packt und nicht mehr loslässt", lacht eine Teilnehmerin und wir können tatsächlich nur zustimmen. Das nächste Level ist schon gebucht.

(Monika Melcher, 10.01.2018)

Tag 4 - Entscheidenzoom
Tag 4 - Entscheidenzoom
Tag 4 - risk'n'fun-Teamzoom
Tag 4 - Entscheidenzoom
 

> Mehr Infos und Anmeldung unter www.risk-fun.com