Österreichischer Alpenverein

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Die Isel - (noch) unberührtes Naturjuwel

Die Isel - unberührtes Naturjuwel

Die Isel entspringt in den Hohen Tauern und nimmt auf ihrem Weg 48 Gewässer auf. Besonders beeindruckend sind die Iselkatarakte, die mehrstufigen Umbalfälle in Prägraten. Im gesamten Verlauf gibt es keine künstlichen Hindernisse, und vor allem Regenbogenforellen sowie die stark geschützte Deutsche Tamariske fühlen sich an und in der Isel wohl.

Nach derzeitigem Stand der Planungen soll im Talschluss des Virgentals flussabwärts der Umbalfälle ein Tagesspeicher mit einem Fassungsvermögen von circa 120.000 Kubikmetern gebaut werden. Etwa sechzig Prozent des Gletscherwassers würden dort gesammelt und zu Spitzenverbrauchszeiten über einen etwa dreizehn Kilometer langen Tunnel bis zur Turbine in Mitteldorf laufen, hier fängt ein zweites Becken den Schwall auf, bevor das Wasser wieder in die Isel geleitet wird.

Die Isel ist Tirols einziger Nationalparkfluss und ein besonders beliebtes Gewässer für Wildwasserkanuten. Die Forderung, dass auch die Isel zum Natura-2000-Schutzgebiet wird, wurde bis heute nicht erhört. Stattdessen verschwinden dokumentierte Deutsche Tamarisken, die unter Schutz stehen. Möglicherweise werden diese von Befürwortern des Wasserkraftwerkes entfernt, um weniger Gründe für eine Unterschutzstellung des Gebiets zu liefern. Die Pläne der Gemeinden Prägraten und Virgen, das Wasser der Isel energiewirtschaftlich zu nutzen, durchkreuzte bisher die Europäische Union, die schon zum wiederholten Mal die Unterschutzstellung der Isel forderte. Bauherr/Betreiber: Firma INFRA Project Development GmbH mit den Gemeinden Prägraten und Virgen

Natura 2000 – eine unendliche Geschichte

Die Europäische Kommission hat auf Grund eines unvollständigen Natura 2000-Netzwerkes am 30. Mai 2013 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Republik Österreich eingeleitet.

Die Kommission ist darin der Auffassung, dass Österreich seiner Verpflichtung zur Errichtung eines Natura 2000 Netzwerkes im Sinne der Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (FFH-Richtlinie) bislang nicht vollständig nachgekommen ist. Die Republik Österreich antwortete am 25. September 2013 auf dieses Mahnschreiben der Kommission und drückte darin die Bereitschaft zur Behebung dieser Defizite aus.

Der Gletscherfluss Isel inkl. seiner Seitenzubringer als Lebensraum für die Deutsche Tamariske (Myricaria germanica), einer Pionierpflanze, die sich auf neu gebildeten Schotterflächen der Alpen- bzw. Voralpenflüsse ansiedelt, fällt unter diese Defizite. Eine Ausweisung als FFH-Lebensraum 3230 Alpine Flüsse mit Ufergehölzen von Myricaria germanica ist ausständig. Laut EU-Kommission muss die Osttiroler Isel bis spätestens September 2014 als Natura 2000-Gebiet ausgewiesen werden.

Der Ausweisung als Natura 2000 – Gebiet stehen verschiedene Kraftwerkspläne an der Isel sowie an den Zubringerflüssen gegenüber. Gemäß einer 2014 vom Umweltdachverband publizierten Wasserkraftwerksliste sind aktuell 8 Kraftwerke als Neubau und 2 im Ausbau in diesem Bereich geplant

Nach jahrelangem Tauziehen über die Unterschutzstellung dieses Lebensraumes, wurden - auf Nachdruck der Europäischen Kommission - im Jahr 2014 von Seiten der Tiroler Landesregierung konkrete Schritte für die Nominierung der Isel als Natura 2000 – Gebiet unternommen.

Am 10. Juni 2014 fand auf Einladung von Frau LH-Stellvertreterin Mag.a Ingrid Felipe ein erster Runder Tisch im Kesslerstadel in Matrei in Osttirol zu diesem Thema statt. Zu diesem Termin fanden sich u.a. Politische Mandatare und Bürgermeister, Kammer- und Tourismusvertreter, aber auch NGOs (neben dem Alpenverein auch der Verein zum Schutz der Erholungslandschaft Osttirol, Umweltdachverband und WWF) sowie vor Ort engagierte Bürgerinitiativen (Netzwerk Wasser Osttirol, Initiative „Frauen für die Isel ohne Kraftwerke“, Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk Virgental, Projektgruppe für das Naturerbe Prosseggklamm)ein. Es sollte dies ein erstes Gespräch zur Klärung von Fragen und Missverständnissen zu Natura 2000 allgemein, aber ganz besonders an der Isel und ihren Zubringern sein.

Neuigkeiten

Neues zum Nachnominierungsprozess Natura2000 an der Isel
31. Juli 2014

Am Nachmittag des 24. Juli fand in Kals wiederum auf Einladung der LHStv.  und Naturschutzlandesrätin Ingrid Felipe der zweite Runde Tisch zur Natura 2000-Ausweisung der Isel statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden drei verschiedenn Ausweisungsvorschläge vorgestellt und erörtert.

Der Ausweisungsvorschlag vom UDW (Umweltdachverband) sieht die gesamte Isel mit Ihren Zubringern vor, der Vorschlag des Planungsverbandes 34 nur ein Stück der Unteren Isel und der dritte Vorschlag, der gemeinsam von der Abteilung Umweltschutz und vom Büro Revital gestaltet wurde, siegt die Obere und Untere Isel als Ganzes sowie Teil der Seitenzubringer vor. Alle drei Vorschläge sind nach den EU-Anforderungen für Natura 2000 fachlich beurteilt worden; Die Vorschläge des Landes sowie des UWD´s entsprachen diesen, der Vorschlag des Planungsverbandes bei weitem nicht.

Für den Alpenverein besteht kein jedoch Zweifel daran, dass Natura 2000 - Ausweisungen nach fachlichen (und nicht politischen) Gesichtspunkten zu erfolgen haben.

Weitere Infos unter www.wasser-osttirol.at


An dieser Stelle soll auch Herrn Dr. Wolfgang Retter, Naturschutzreferent der Sektion Lienz, ein großer Dank für seinen jahrelangen und unermüdlichen Einsatz für den Schutz der Isel ausgesprochen werden!

Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk Virgental Prägraten a. G./Virgen

gegner@kraftwerk-virgental.at
http://kraftwerk-virgental.at/

Initiative „Frauen für die Isel“
Die Initiative „Frauen für die Isel“ ist ein Zusammenschluss von Frauen aus ganz Osttirol, die sich gegen die Ausleitung der Isel im Virgental UND dem Iseltal stellt.

Kontakt: Mag. Kerber Anna Maria
anna-maria.kerber@aon.at

Netzwerk Wasser Osttirol
Neuigkeiten & Zeitungsartikel
http://www.wasser-osttirol.at/


Tamariskenstudie 2011 des OeAV & UWD
„Natura 2000 und Alpine Flüsse mit Ufergehölzen von Myricaria germanica – Die Bedeutung der Isel und ihrer Zubringer für das EU-Schutzgebietsnetzwerk“
2011

Tamariskenstudie Osttiroler Planungsverband 34

In Auftrag gegeben von den Bürgermeistern der Iseltaler Gemeinden. Studienautor: Gregory Egger (eb&p Umweltbüro GmbH)


Karte der Tiroler Schutzgebiete

Artikel Dolomitenstadt.at:
„Natura 2000: Versteckspiel um ‚Tamariskenstudien‘”
15.07.2014
http://www.dolomitenstadt.at/2014/07/15/natura-2000-weiter-versteckspiel-um-tamariskenstudien/

Artikel Dolomitenstadt.at:
Steiner gegen “Alleingang diverser Bürgermeister”
29.07.2014
http://www.dolomitenstadt.at/2014/07/28/steiner-gegen-alleingang-diverser-buergermeister/

Artikel WWF:
„Skandal: Kraftwerk Obere Isel gesetzeswidrig. Gemeinden wollen für Isel-Kraftwerk Nationalpark beschneiden“
26.02.2013
http://www.wwf.at/de/menu27/subartikel2436/


Pressemeldedung Oesterreichische Alpenverein:
„Natura 2000: Dringender Handlungsbedarf im Land Tirol“
22.08.2011
http://www.alpenverein.at/portal/news/archiv_2011/2011_08_22_tamarisken.php

Netzwerk Wasser Osttirol
"Isel und Natura 2000: Beschwerde an EU-Kommission"
19.08.2011
http://www.wasser-osttirol.at/netzwerk.php?Sel=1699%29

Pressemeldung UWD inkl. Tamariskenstudie 2011 (Langfassung):
„Jetzt NATURA 2000-Schutz für Tamarisken an Isel, Tauernbach, Kalserbach und Schwarzach!“
19.08.2011
http://www.umweltdachverband.at/presse/presse-detail/?tx_ttnews[tt_news]=658&cHash=a653bc9b0c7e935004b1cbb8505ad436