Österreichischer Alpenverein

Fotowettbewerb: Alpenvereinskalender 2017
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Bei der vorliegenden Montage handelt es sich um eine realitätsnahe Darstellung uns bekannter Maßnahmen, die im Zusammenhang mit dem Windpark „Sattelberg“  geplant sind. Die Montage legt jedoch keinen Anspruch auf eine exakte lage- bzw. größengetreue Abbildung der geplanten Eingriffe. zoom
Bei der vorliegenden Montage handelt es sich um eine realitätsnahe Darstellung uns bekannter Maßnahmen, die im Zusammenhang mit dem Windpark „Sattelberg“ geplant sind. Die Montage legt jedoch keinen Anspruch auf eine exakte lage- bzw. größengetreue Abbildung der geplanten Eingriffe.

Keine Windkraft in alpinen Lagen - am Beispiel Brennerberge

„Südtirol ist sicher kein idealer Standort für Windparks. Solche Anlagen sind landschaftlich einfach nicht tragbar“, sagt der Südtiroler Umweltlandesrat Michl Laimer (Dolomiten, 18.02.2011) und empfiehlt der eigenen Regierung das Land zur „windkraftfreien Zone zu erklären“. Diese Haltung hat der Umweltlandesrat wiederholt formuliert, sie ist grundvernünftig und deckt sich auch noch mit der Position des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) zu Windkraftanlagen im Gebirge.

Großer Erfolg gegen Windkraftsprojekt Brennerberge

September 2014

Windpark am Sattelberg kann nicht gebaut werden

Pressekonferenz 26.09.2014zoom

Der Staatsrat in Rom bestätigte in zweiter Instanz das Urteil des Bozner Verwaltungsgerichts, das bereits im Jahr 2012 den Rekursen der Umweltverbände gegen den geplanten Windpark stattgegeben hatte. Die Allianz aus Dachverband und Alpenvereinen zeigt sich in einer gemeinsamen Pressekonferenz erfreut über diese Entscheidung.

Im nun veröffentlichten Urteil bestätigt der Staatsrat die großen Bedenken aus naturschutzfachlicher und landschaftlicher Sicht, welche der Dachverband für Natur- und Umweltschutz gemeinsam mit den alpinen Vereinen Alpenverein Südtirol (AVS), Club Alpino Italiano (CAI), dem Österreichischen Alpenverein (ÖAV) sowie dem Club Arc Alpin (CAA) als Dachverband der Alpenvereine im Alpenraum bereits mehrfach vorgebracht hatten.

„Die enge Zusammenarbeit der alpinen Vereine und Umweltverbände hat sich bewährt. Zahlreiche Menschen dies- und jenseits des Brenners haben sich dafür stark gemacht, dass ein Stück unserer einmaligen alpinen Landschaft erhalten bleibt – in diesem Sinne bedanke ich mich bei allen Beteiligten, die unser Anliegen in den vergangenen vier Jahren mitgetragen haben,“ so Georg Simeoni, Präsident des Alpenvereins Südtirol.

Pauschalargumente und unzureichende Begründungen

Im Urteil rügt der Staatsrat insbesondere, dass sich die Südtiroler Landesregierung mit unzureichenden Begründungen und Pauschalargumenten über das negative Gutachten des UVP-Beirats hinweggesetzt hat und damit ihren Ermessensspielraum missbraucht hat. Ebenso hat sich die Landesregierung nur unzureichend mit den Stellungnahmen von öffentlichen und privaten, italienischen und österreichischen Organisationen und Behörden auseinandergesetzt und deren vorgebrachte Argumente durch eigene Argumente nicht entkräften können.

UVP-Gutachten ist nachvollziehbar

Das Urteil des Staatsrats stärkt dem UVP-Beirat den Rücken, denn es bestätigt, dass das UVP-Gutachten ausführliche und plausible Begründungen für die Ablehnung des Projekts enthält und neben der Bewertung ökologischer Aspekte auch die Auswirkungen auf die Landschaft in die Bewertung mit einzubeziehen sind. „Wir hoffen, dass die Landesregierung künftig ihren Fachleuten mehr Glauben Vertrauen schenkt und sich die Gutachten von Fachkommissionen wie dem UVP-Beirat zu eigen macht, anstatt sich mit Pauschalargumenten darüber hinwegzusetzen,“ ergänzt Klauspeter Dissinger vom Dachverband für Natur- und Umweltschutz. 

Urteil richtungsweisend für europäisches Umweltrecht

„Das Urteil des Staatsrats ist auch als richtungsweisend für das europäische Umweltrecht anzusehen“, sagt Robert Renzler, Geschäftsführer des Österreichischen Alpenvereins, der seine Ausführungen mit dem Vatikan-Zitat „Roma locuta, causa finita“ (Rom hat gesprochen, die Sache ist entschieden), beginnt.

Im Gegensatz zum Bozner Verwaltungsgericht hat der Staatsrat in Rom nun die Klagslegitimation des Österreichischen Alpenvereins in Italien für den Fall bestätigt, dass durch ein umweltrelevantes Projekt unmittelbare grenzüberschreitende Auswirkungen auf das Gebiet des Nachbarlandesgegeben sind. Damit hat ein Höchstgericht anerkannt, dass eine österreichische Nichtregierungsorganisation sich aktiv in ein Gerichtsverfahren in Italien einbringen kann. Die Anerkennung der Parteistellung gilt somit auch für weitere grenzüberschreitende Projekte mit großen Umweltauswirkungen.

Landschaft als Umweltschutzgut

Franco Capraro, der den Dachverband der Alpenvereine (Club Arc Alpin, CAA) vertrat, unterstrich, dass sowohl das Verwaltungsgericht in Bozen als auch der Staatsrat den verfassungsrechtlichen Schutz der Landschaft als Teil der Umweltschutzgüter bestätigt haben und diesem hohe Priorität einräumen.

Die Umweltverbände sind erfreut über das Urteil des Staatsrates und hoffen, dass mit der Aufhebung des Beschlusses der Landesregierung, welcher dem Windpark-Projekt die Genehmigung erteilt hatte, endgültig ein Schlussstrich unter das Projekt Windpark Brenner gesetzt werden kann.

Dazu gehören vor allem:

  • Schutzgebiete und deren Vorfelder
  • Standorte mit geschützten Tieren, Pflanzen und Lebensräumen
  • alpintouristisch bedeutende Gebiete
  • visuell exponierte Standorte.

Von seiner klaren Haltung macht Südtirols Landesrat Laimer allerdings eine Ausnahme, er tritt für den Windpark am Sattelberg ein: „Es ist vom Tal und von der Umgebung nicht einsehbar, hat einen direkten Anschluss an das Stromnetz und eine Straße führt hin.“ Keines dieser Argumente stimmt und so bleibt wohl nur die Erklärung, dass man in der Südtiroler Landesregierung dem in Sterzing ansässigen Windkraftunternehmen Leitwind unbedingt die Errichtung eine Anlage auf heimischem Boden ermöglichen will. Leitwind ist ein Tochterunternehmen des Seilbahnherstellers Leitner. Mit der Windkraft macht man gute Geschäfte und hatte Anfang 2011 über 100 Anlagen in Betrieb. Der Jahresumsatz betrug nach Angaben von Leitwindchef Anton Seeber 137 Mio. €, wobei weiterhin deutliche Zuwächse erwartet werden. Produziert wird in Chennai (Indien) und Telfs (Tirol).

Ursprünglich waren in Höhenlagen von ca. 2.000 bis 2.400 m zwei Windparks am Sattelberg (22 Anlagen) und weiter westlich am Sandjoch (9 Anlagen) geplant. Als Projektwerber sind für den Sattelberg die erwähnte Firma Leitwind und am Sandjoch die Elektrizitätswerke Pflersch aufgetreten. Alle Anlagen sollen auf Südtiroler Seite errichtet werden, die Mehrzahl unmittelbar an der Staatsgrenze zu Österreich. Die meisten Windräder sollen nach den Vorstellungen der Projektwerber 95 m hoch sein (Nabenhöhe 60 m, Rotordurchmesser 70 m), eine Planungsvariante sieht auch 12 Windkraftanlangen mit einer Höhe von 125 m Höhe vor (Nabenhöhe 80 m, Rotordurchmesser 91 m). Auf Standorten mit einer Seehöhe zwischen 2.000 und 2.300 m wurde von den Projektwerbern eine Jahresproduktion von 130.000 MWh genannt, was dem Stromverbrauch von etwa 40.000 Haushalten entspricht.

Tatsächlich ist die hohe Stromausbeute so ziemlich das einzige Kriterium, in dem das Projekt gut abschneidet. Die wichtigsten Fakten gegen Windräder auf den Brennerbergen:

  • Schwerwiegende Auswirkungen auf die Schutzgüter Erholungswert und Landschaftsbild in beinahe den gesamten Brennerbergen inklusive der wesentlichen Zugänge.
  • Das beliebte Wander- und Skitourengebiet wurde in den letzten Jahren mit Erfolg gefördert. Durch Windparks würde die Perspektive einer wachsenden touristischen Bedeutung der von technischen Erschließungen im Wesentlichen verschont gebliebenen Region massiv in Frage gestellt.
  • Windparks unmittelbar an der Grenze des Landschaftsschutzgebietes Nösslachjoch-Obernberger See-Tribulaune wären einem direkten Eingriff in das Schutzgebiet gleich zu setzen. Die Schwere des Eingriffs könnte durch keinerlei Ausgleichsmaßnahmen abgeschwächt werden.
  • Die Lärmentwicklung der Windräder wird nach Einschätzung von Experten je nach Windstärke und Abstand zum Windrad mit 50 bis 70 dB angegeben. Massive Auswirkungen auf Fauna und Erholungswert wären die Folge.
  • Viele Windkraftanlagen wären aus nördlicher Richtung (etwas weniger auch von Süden) kilometerweit sichtbar. Diese Sichtbarkeit reicht bis ins Karwendel. Ungestörte Blickfelder gehören zu den grundlegenden landschaftsästhetischen Bedürfnissen der Menschen. Die sanften, horizontal dominierten Formen der Brennerberge würden durch die vertikalen Windräder massiv gestört. Verschärfend käme die Ablenkung des Blicks durch die Drehbewegung der Windräder und Stroboskopeffekte (Schattenwürfe) hinzu. In Gutachten findet sich der Begriff „Horizontverschmutzung“.
  • Die Brennerfurche ist als niedrigster Übergang der Ostalpen ein bedeutender Wanderkorridor für Zug- und lokale Brutvögel. Nachdem der Windpark quer zur Flugrichtung errichtet würde, erwarten Experten insbesondere bei Schlechtwetter den Tod vieler Vögel. Erich Gasser von der Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde in Südtirol befürchtet, dass pro Zugsaison (Frühjahr/ Herbst) bis zu 60.000 Vogel getötet würden. Der Vorschlag der Betreiber, ein Radarsystem einzurichten und die Windräder bei Vogelzug abzustellen, ist bisher nicht als Maßnahme mit ausreichender Wirksamkeit belegt.
  • Zu befürchten sind auch massive Auswirkungen auf geschützte Fledermausarten.
  • Die Eiswurfgefahr durch die Rotorblätter würde Skitouren und Schneeschuhwandern unmöglich machen bzw. ein schwer abschätzbaren Risiko in sich bergen.
  • Für den Bau der Anlagen wäre die Erweiterung bzw. der Neubau von rund neun Kilometer Straßen nötig, um die rund 15.000 Lkw-Fuhren für rund 100.000 m³ Beton und Stahl durchzuführen. Zusätzlich würden zwei Materialseilbahnen errichtet.
  • Zu errichtende Hochspannungsleitungen würden die Landschaft zusätzlich entwerten.
  • Bei jeder einzelnen Windkraftanlage ist die Errichtung einer Baustellenfläche zwischen 900 und 1.600 m² nötig. In Summe wären das rund drei ha und Erdbewegungsarbeiten im Umfang von ca. 20.000 m³. Durch die Bauarbeiten würden prioritär schutzbedürftige Feuchtgebiete zerstört.
  • Sollte sich herausstellen, dass die Windenergiegewinnung in dieser Form nicht mehr rentabel ist, wäre ein Rückbau ohne irreversible Schäden nicht möglich.
 
Fotomontage 1: Kirchturm Pflersch - Gipfelkreuz - geplantes Windrad am Sattelbergzoom
Fotomontage 1: Kirchturm Pflersch - Gipfelkreuz - geplantes Windrad am Sattelberg
Fotomontage 2: Kirchturm Pflersch - geplantes Windrad am Sattelbergzoom
Fotomontage 2: Kirchturm Pflersch - geplantes Windrad am Sattelberg
Fotomontage 3: Kirchturm Pflersch - Gipfelkreuz - geplantes Windrad am Sattelbergzoom
Fotomontage 3: Kirchturm Pflersch - Gipfelkreuz - geplantes Windrad am Sattelberg
 

Die vorliegenden Gutachten aus Tirol und Südtirol kommen zu einheitlichen und klar ablehnenden Ergebnissen. In diesem Sinne hat sich auch der Umweltbeirat der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol geäußert: „Aus diesen Gründen ist der Umweltbeirat der Meinung, dass die produzierte Energiemenge und die erzielte CO2-Einsparung in keiner Weise die oben angeführten negativen Auswirkungen auf die Umwelt rechtfertigen können“, heißt es am Ende des am 24. August 2011 abgegebenen Gutachten. Der Umweltbeirat ist ein von der Südtiroler Landesregierung einberufenes beratendes Expertengremium, an dessen Empfehlungen die Landesregierung jedoch formell nicht gebunden ist. Gewichtig ist auch das u.a. vom Umweltbeirat formulierte Argument, wonach „die Förderpolitik bei Windkraftanlagen zu einer Privatisierung der Gewinne unter gleichzeitiger Sozialisierung der Umweltschäden“ führt. Weiters ist die Rede davon, dass die Windkraftanlagen am Brenner den „Beginn der Privatisierung dieser Gebirgslandschaft“ darstellen würde, wobei „das betriebswirtschaftliche Interesse dem öffentlichen Interesse am Naturschutz vorgezogen“ würde.
Einig kommen die Gutachten aus Südtirol, jene der Tiroler Landesregierung sowie des ÖAV zum Ergebnis, dass die von den Projektbetreibern vorgelegten Unterlagen unvollständig seien und die UVP-Verfahren relevante Aspekte nicht berücksichtigen konnten. Das Land Tirol hat in seiner zusammenfassenden Stellungnahme durch Landeshauptmann-Stv. und Umweltlandesrat Hannes Gschwentner das Projekt abgelehnt und Konsultationen im Sinne internationaler Vereinbarungen gefordert. Wörtlich lautet das Resümee: „Insgesamt bestehen schwerwiegende und berechtigte Bedenken gegen die geplanten Vorhaben am Brenner. Das Land Tirol spricht sich daher gegen die Umsetzung der geplanten Vorhaben aus und fordert, dass Konsultationen iSd Art. 7 Abs. 4 der Richtlinie 85/337/EWG aufgenommen werden.Download: Land Tirol - Zusammenfassende Stellungnahme (pdf)

Der ÖAV hat sich am Widerstand gegen die Windparkprojekte gemeinsam mit vielen anderen Partnern von Anfang an beteiligt. Darunter befinden sich auch die betroffenen Gemeinden auf Tiroler Seite des Brenners. Eine Auswahl der Institutionen, die sich in negativen Stellungnahmen gegen die Projekte gewandt haben finden sie hier.
Eine eigene, sehr umfangreiche Stellungnahme hat der ÖAV am 4.3.2011 an die Abteilung Umweltschutz der Tiroler Landesregierung gerichtet. Von besonderer Bedeutung ist der Verweis auf internationale Abkommen, die durch einen Windpark Brennerberge verletzt würden.

  • Die Europäische Landschaftskonvention, die in Italien ratifiziert und damit geltendes Recht ist. Verwiesen wird u.a. auf Art. 5a, wonach „Landschaften als wesentlicher Bestandteil des Lebensraums der Menschen, als Ausdruck der Vielfalt ihres gemeinsamen Kultur- und Naturerbes und als Grundstein ihrer Identität rechtlich anzuerkennen“ ist. Festgestellt wird seitens des ÖAV, dass eine Genehmigung der beiden Windparks „den Zielsetzungen der Landschaftskonvention diametral zuwiderlaufen“ und „einen Akt des rücksichtslosen Umgangs mit der Ressource Landschaft“ darstellen würde.
  • Italien ist Vertragspartei der Alpenkonvention. In Italien wurde zwar bisher nur die zugehörige Rahmenkonvention ratifiziert, allerdings hat die Europäische Union, die ebenfalls Vertragspartei der Alpenkonvention ist, u.a. das Energieprotokoll ratifiziert, das daher „gemeinschaftlicher Besitzstand“ ist und in Italien Rechtkraft besitzt. Demnach sind in Pufferzonen von Schutzgebieten energietechnische Infrastrukturen auf entsprechende Störungen der Ökosysteme zu prüfen. Vermutlich ist dieser Sachverhalt im Planungsgebiet gegeben und ein allfälliger Verstoß ist als Verletzung von europäischem Umweltrecht zu werten.

Der ÖAV hat sich wiederholt an Podiumsdiskussionen beteiligt und eine Protestskitour ins Planungsgebiet mit organisiert. ÖAV-Generalsekretär Robert Renzler hat dabei mehrfach betont: „Wir sind nicht gegen die Windenergie, wir sind nur gegen diesen Standort.“ Weitere öffentliche Aussagen Renzlers zum Thema lauten:
„Der Gesamtenergiebedarf für das Projekt ist höher als jemals Strom aus den Windrädern gewonnen werden kann.“
„Es rechnet sich ja nur, weil Ökostrom steuerlich gefördert wird.“
„Es gibt in den gesamten Alpen über 2.000 m kein derart riesiges Bauprojekt.“

Nachdem die Elektrizitätswerke Pflersch den Antrag für ihre neun Anlagen am Sandjoch zurückgezogen hatten und sich bei Seebers Leitwindprojekt beteiligen, hat die Südtiroler Landesregierung am 24. Oktober 2011 19 der 22 verbliebenen Anlagen genehmigt. Bei den drei gestrichenen Anlagen „handelt es sich um die drei höchstgelegenen, die auch am nächsten zu Österreich gelegen wären“, sagte Landesrat Michl Laimer anschließend und hob hervor: „Das ist ein Kompromiss. Das ist auch so von den Gemeinden gefordert worden.“
Zusätzlich wurden Auflagen verfügt: eine ökologische Baubegleitung, die Stromleitungen müssen bis in Tal unterirdisch errichtet werden, die Baustelle samt der Windräder-Sockel muss nach Abschluss der Arbeiten begrünt werden. Beim Problem Vogelzug meldete sich Landeshauptmann Luis Durnwalder persönlich zu Wort: „Der Windpark muss mit einer Radaranlage ausgestattet werden, damit die Windräder ausgeschaltet werden können, wenn Zugvögel das Gebiet passieren.“ – Wie erwähnt sind derartige Radaranlagen nicht über ein Versuchsstadium hinaus gediehen.
Leitwindchef Anton Seeber gab sich danach skeptisch. Er bedauerte, dass mit den drei gestrichenen Windrädern nicht nur die einsichtigsten und exponiertesten, sondern auch die „produktivsten Anlagen“ wegfallen würden. Er beklagte die Mehrkosten, die durch die Auflagen entstünden, insbesondere sei das unterirdische Stromkabel eine „große Herausforderung“. Statt 130.000 seien nur noch „über 100.000 Megawattstunden“ jährlich zu erwarten, die Investitionskosten würden sich auf rund 60 Millionen Euro einpendeln. Zugleich lässt Seeber keinen Zweifel daran, den Windpark auch in der genehmigten Form errichten zu wollen – offenbar lohnt es sich auch in dieser Form.

Unmittelbar nach der Entscheidung in Südtirol haben Organisationen in Tirol und in Südtirol angekündigt, sich damit nicht abfinden zu wollen. Der Alpenverein Südtirol betonte, man wolle „alle rechtlichen Mittel ausschöpfen die es in Südtirol gibt“ und für den ÖAV erklärte der Leiter der Abteilung Raumplanung-Naturschutz Peter Haßlacher, dass die Reduktion um drei Windräder nichts am Gesamteindruck ändere: „Wir werden den Widerstand aufrecht erhalten.“ Ähnlich die Reaktion im Innsbrucker Landhaus bei Umweltlandesrat Hannes Gschwentner: „Wir behalten uns rechtliche Schritte vor.“ Empört ist Gschwentner über die Vorgangsweise. Schließlich hatten sich Tirol bzw. die Republik Österreich im Zuge der grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeit klar gegen das Projekt ausgesprochen und dann musste Gschwenter aus den Medien erfahren, wie in Bozen im Eilverfahren entschieden worden war.

Tatsächlich ist die Vorgangsweise Südtirols von Anfang an einer guten Nachbarschaft unwürdig, geschweige denn eines partnerschaftlichen Umgangs in der viel zitierten Europaregion. Lautet doch die Parole: Auf unserem Grundstück wollen wir keine von diesen hässlichen und lauten Maschinen, aber wir stellen sie ganz knapp an die Grenze zu Nachbars Garten, der hat dann allen Schaden und Ärger, während wir schlauen Südtiroler den Gewinn einstreifen ...
Derartige Präpotenz darf ganz einfach nicht zum Erfolg führen.

Protestskitour Hoher Lorenzen  - 13.02.2011zoom
Protestskitour Hoher Lorenzen - 13.02.2011
Protestskitour Hoher Lorenzen - 13.02.2011
Protestskitour Hoher Lorenzen - 13.02.2011
 

Windkraft weltweit und in Österreich

Keine Energiegewinnungsform hat in den letzten 15 Jahren einen solchen Boom erfahren wie die Windkraft. Waren 1996 weltweit 6.100 MW Windenergie installiert, hatte sich 2010 die Kapazität auf 196.300 MW mehr als verdreißigfacht.
Nach Angaben der Industrie wurde alleine 2010 die Windkraftleistung um 22 Prozent ausgebaut. Spitzenreiter beim Ausbau ist China (42.287 MW installierte Leistung 2010) vor den USA (40.180 MW) und Deutschland (27.214 MW). In Österreich waren Anfang 2011 625 Windräder mit einer Leistung von 1.011 MW am Netz. Eine Studie der IG Windkraft kommt zum Ergebnis, dass in Österreich bis 2020 ein Ausbau auf 1.100 Anlagen mit einer Leistung von 3.500 MW möglich sei. Bei 2.100 Volllaststunden würde ein Regelarbeitsvermögen von 7,3 TWh (= 7,3 Milliarden KWh) herauskommen. Das würde einer Steigerung des Anteils an der österreichischen Stromproduktion von derzeit rund vier auf etwa zehn Prozent entsprechen. Die Standorte der installierten Anlagen sowie der Projekte befinden sich überwiegend in Ostösterreich.

Überflüssiger Windstrom

2010 mussten in Deutschland an 107 Tagen Zwangsdrosselungen der Windkraftwerke seitens der Netzbetreiber vorgenommen werden. Durch diese Abschaltungen sind 150 Mio. KWh verloren gegangen, die Tendenz gegenüber 2009 war stark steigend (+ 50%). Diese Zahlen hat der Bundesverband Windenergie veröffentlicht und betont, dass die Zwangsabschaltungen künftig weiter zunehmen dürften. Der Grund für diese Energievernichtung ist, dass die Netze mit dem Bauboom bei Windrädern nicht mithalten. Ohne Einspeisungsverbote hätte es zahllose Netzzusammenbrüche gegeben. Vollends absurd wird die Angelegenheit, wenn man erfährt, dass einzelne Windkraftbetreiber durch Entschädigungszahlungen für nicht gelieferten Strom mehr verdienen, als sie an Entgelt für gelieferten Strom bekommen. So etwa hat das norwegische Unternehmen Fred Olsen Renewables Mitte September 2011 für eine nur achtstündige Stilllegung von 60 Windturbinen an der schottischen Grenze 1,3 Mio. Euro erhalten.