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Die ÖAV-Bergsteigerdörfer

"Anregung ohne Hektik, Belebtheit ohne Lärm, Nähe ohne Respektlosigkeit, Genuss auf hohem Niveau, Bewegung aus eigener Kraft."

Lust auf einen aktiven Urlaub in den Bergen Österreichs? Und zwar nicht irgendwo, sondern in einer der 20 Gemeinden oder Regionen, die vom Österreichischen Alpenverein als "Bergsteigerdörfer" ausgewählt wurden. Was bereits vor einigen Jahren von der Abteilung Raumplanung und Naturschutz des Alpenvereins als Idee geboren und mit der Broschüre "Kleine und feine Bergsteigerdörfer zum Genießen und Verweilen" begonnen hat, konnte im Jahr 2008 auf ein solides finanzielles Fundament gestellt werden. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft, dem Ministerium für ein lebenswertes Österreich, und dem Fonds für Ländliche Entwicklung (LE 07-13, LE 2020) und unter der Patronanz der Alpenkonvention können diese 20 Gemeinden und Regionen in Österreich optimal in ihrer Entwicklung im Sinne eines sanften Tourismus unterstützt werden. Vor allem die Protokolle "Tourismus", "Raumplanung und Naturschutz" aber auch die Deklaration "Bevölkerung und Kultur" der Alpenkonvention kommen bei der Umsetzung des Projektes besonders zum Tragen. 

Was ist ein Bergsteigerdorf?
Bergsteigerdörfer sind Gemeinden, die sich nicht am so genannten "Erschließungs-Kapital-Event-Kreisel" beteiligt haben. Das mag unterschiedliche Gründe haben, entweder weil sie aus rein topografischen Gegebenheiten für den Skitourismus nicht interessant waren oder aber durch bewusst getroffene Entscheidungen. Eines ist diesen Gemeinden jedoch gemeinsam: Sie haben etwas, was viele andere Regionen in Österreich schon lange nicht mehr haben: eine weitestgehend unverbrauchte Natur- und Kulturlandschaft, eine jahrhundertealte alpine Tradition und ein starkes Selbstbewusstsein.

Die Bergsteigerdörfer zeichnen sich im Weiteren durch ihre Lage im alpinen Raum, durch eine gewisse Kleinheit (nicht mehr als 2.500 ständige EinwohnerInnen), durch eine bodenständig gebliebene Tourismusinfrastruktur, durch zahlreiche unberührte Berggipfel, durch eine prägende Alpingeschichte sowie durch Alpinkompetenz aus. Daneben bilden bewirtschaftete Schutzhütten alpiner Vereine oder vergleichbare Hütten, ein durchgehend beschildertes Wegenetz und ausgebildete Berg- und WanderführerInnen die Grundlage für alle Bergsteigerdörfer. 

Trotz vieler Gemeinsamkeiten haben doch alle Bergsteigerdörfer ihren ganz persönlichen Charme und legen ihre Schwerpunkte unterschiedlich: Johnsbach im Gesäuse ist beispielsweise besonders bekannt für seine zahlreichen alpinen Klettertouren, die von den "Gesäuse-Pionieren" erschlossen wurden. Die Steirische Krakau ist ein Skitourengebiet, wie man es kaum sonst wo findet, und Weißbach bei Lofer hat sich vor allem auf das Sportklettern spezialisiert. Einige der Gemeinden sind Teil eines Naturparks wie Ginzling und Vent oder sind Gemeinden im Nationalpark Hohe Tauern wie Mallnitz, Malta und Hüttschlag. Das Große Walsertal stellt überhaupt eine Besonderheit dar: Gleich sechs Biosphärenparkgemeinden in dieser Region wurden als Bergsteigerdörfer ausgewählt.

Erfolgsprojekt
Auch unsere Nachbarländer Deutschland, Italien und Slowenien zeigen großes Interesse an den Bergsteigerdörfern. In den kommenden Jahren wird intensiv an einer Ausweitung des Konzeptes in enger Zusammenarbeit mit den nationalen Alpenvereinen und selbstverständlich immer unter dem Dach der Alpenkonvention gearbeitet.

Seit September 2016 gibt es ein erstes deutsches Bergsteigerdorf: Ramsau bei Berchtesgaden. Die Nationalparkgemeinde am Fuße des Watzmanns ist ein würdiges neues Mitglied im Kreise der Bergsteigerdörfer. Den Beitritt machte aber erst ein bilaterales Abkommen zwischen dem Österreichischen und dem Deutschen Alpenverein möglich, das sicherstellt, dass die Kriterien für alle weiteren Orte ebenso streng eingehalten werden und dass die Initiative weiterhin in der Hand der Alpenvereine bleibt.

Rückfragen und Bestellungen an:
Österreichischer Alpenverein
Barbara Reitler
Olympiastr. 37
6020 Innsbruck
E-Mail: barbara.reitler@alpenverein.at

Zudem erhalten Sie ausführliche Informationen auf der Webseite www.bergsteigerdoerfer.at

Das Logo der Bergsteigerdörfer als einzigartiges Erkennungsmerkmal
Ginzling
Frühstück Grazer Hütte, Bergsteigerdorf Steirische Krakau_Ch. Schwann
Almsee - Grünau
Bauernhäuser, Bergsteigerdorf Lesachtal_H. Schlosser
Blumenwiese, Bergsteigerdorf St. Jodok, Schmirn- und Valsertal_Ch. Schwann
 

Tagung zum Klimawandel im Alpenraum

Risiken und Chancen für den sanften Tourismus – am Beispiel der Bergsteigerdörfer

Gletscher im Wandelzoom

[16.09.2016] Felsstürze, Muren, Gletscherschwund: Die klimatischen Veränderungen in den Alpen stellen nicht nur die Bewohner der alpinen Regionen, sondern auch den lokalen Tourismus vor immer neue Herausforderungen. Bei der Jahrestagung der Bergsteigerdörfer von 15.-18. September in Vent im Ötztal standen die Effekte des Klimawandels im Mittelpunkt. Hochkarätige Referenten wie Gletscherforscher Gerhard Lieb, Meteorologe Andreas Jäger, Generalsekretär der Alpenkonvention Markus Reiterer sowie Helmut Hojesky und Ewald Galle vom Lebensministerium diskutierten mit Praktikern aus den Bergsteigerdörfern des Österreichischen Alpenvereins über die Chancen und Risiken für den nachhaltigen Tourismus.

Das Bergsteigerdorf Ventzoom
Das Bergsteigerdorf Vent

Klimatische Veränderungen zwingen den Tourismus zum Umdenken

Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus in den Alpen waren das zentrale Thema der Jahrestagung in Vent. Gemeinsam erörterten Gastgeber, Touristiker, Hüttenwirte und Vereinsvertreter aus dem Umfeld der Bergsteigerdörfer, wie man den veränderten Rahmenbedingungen entgegen treten und den wachsenden Herausforderungen, vor allem im Wintertourismus, begegnen kann.

Die vom Österreichischen Alpenverein als "Bergsteigerdörfer" ausgezeichneten Gemeinden sehen sich dabei in einer vergleichsweise glücklichen Position, erklärt Gerald Dunkel-Schwarzenberger, Vizepräsident des Alpenvereins: "Sanfte Tourismusmodelle wie dieses haben sich bei weitem nicht so abhängig gemacht von künstlichen Erlebniswelten und optimierten Abenteuerlandschaften. Wenn es in einem Bergsteigerdorf etwa einen Winter lang nicht schneit, bleiben die Gäste nicht völlig aus. Die Gemeinden haben ihr Tourismuskonzept auf naturnahen Alternativen aufgebaut – schließlich kann man die Bergwelt auf verschiedenartigsten Wegen erleben, dazu braucht es keine Schneegarantie."

Die Gefahren der Wetterextreme seien jedoch auch in nachhaltigen Tourismusregionen gegeben. Dafür müsse man sich wappnen, so Dunkel-Schwarzenberger. Der Alpenverein reagiert auf Veränderungen – etwa das Auftauen des Permafrostes, Vermurungsgefahren, Gletscherschwund und schwankende Wasserversorgung – bereits mit Wegverlegungen und entsprechenden Vorkehrungen im Hüttenbau.

Alpenkonvention und Alpenverein unterzeichnen das gemeinsame "Memorandum of Understanding" (v.l. Markus Reiterer, Generalsekretär der Alpenkonvention, Liliana Dagostin, Leiterin der Abteilung Raumplanung & Naturschutz im Alpenverein, Christina Schwann von der Initiative Bergsteigerdörfer im Alpenverein, Gerald Dunkel-Schwarzenberger, Vizepräsident des Österreichischen Alpenvereins. (Foto: Alpenverein / Hannes Schlosser)zoom

Bergsteigerdörfer: "Memorandum of Understanding" unterzeichnet

Die Bergsteigerdörfer setzen auf einen sanften, nachhaltigen Tourismus. 20 Orte in Österreich bemühen sich seit 2008, die Protokolle und Deklarationen der Alpenkonvention umzusetzen und dem Massentourismus eine zukunftsfähige Alternative entgegenzubringen. Der Beitritt des ersten Deutschen Bergsteigerdorfes (Ramsau bei Berchtesgaden) und die Verhandlungen mit den Nachbarvereinen Deutscher Alpenverein (DAV) und Alpenverein Südtirol (AVS) setzten einen wichtigen Schritt in der engen internationalen Zusammenarbeit mit der Alpenkonvention.

Vertiefung der Zusammenarbeit

Im Zuge der Jahrestagung in Vent wurde das Engagement des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) nun auch offiziell anerkannt: Das unterzeichnete "Memorandum of Understanding" besiegelt die Zusammenarbeit von Alpenvereinen und Alpenkonvention. Bevölkerung und Gäste sollen für den Schutz des Alpenraums sensibilisiert und die weitere Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus in den Alpen ermöglicht werden.

Praktizierte Nachhaltigkeit in den Gemeinden

"Die Bergsteigerdörfer-Idee ist gelebte Alpenkonvention! Dabei geht es nicht nur um den Tourismus, sondern um praktizierte Nachhaltigkeit im Leben einer Gemeinde", betont Markus Reiterer, Generalsekretär der Alpenkonvention. "Die Bergsteigerdörfer-Familie ist am Wachsen. So wurde mit Ramsau bei Berchtesgaden erstmals der Sprung über Österreichs Grenzen hinaus geschafft. Und diese Entwicklung wird sich auch in anderen Alpenländern fortsetzen. Ich bin überzeugt, dass damit auch die Idee der Nachhaltigkeit weiter getragen und gestärkt wird. Ich freue mich sehr, dass wir durch dieses Memorandum die gute Tradition der Partnerschaft noch weiter vertiefen", so Reiterer.

Vorbildliches Projekt zur Förderung des umweltverträglichen Bergsports

Auch Gerald Dunkel-Schwarzenberger vom Österreichischen Alpenverein zeigt sich über die gemeinsame Vereinbarung sehr erfreut: "Im Grundsatzprogramm von ÖAV, DAV und AVS bekennen sich die Alpenvereine zur Förderung eines umweltverträglichen Bergsports. Dabei steht das Zusammenspiel zwischen den lokalen Traditionen der einheimischen Bevölkerung sowie einer ökologisch ausgerichteten Berglandwirtschaft in engem Zusammenhang mit einer angemessen Form von Tourismus, die weder ausbeutet noch zerstört."

"Das Projekt Bergsteigerdörfer versucht, all diese Punkte umzusetzen und Vorbild für andere zu sein. Es ist sehr schön zu sehen, dass der Grundgedanke, gerade kleine und etwas abseits gelegene Orte in ihrer Regionalentwicklung zu fördern, geglückt ist. Das große Interesse unserer Nachbarn in Deutschland und Südtirol sowie das 'Memorandum of Understanding' mit der Alpenkonvention bestätigen uns auf unserem Weg", so Dunkel-Schwarzenberger.

Unterstützung aus dem Lebensministerium

Das Projekt erfährt zudem große Unterstützung aus dem Ministerium für ein lebenswertes Österreich. Dazu Ewald Galle, Focal Point Alpenkonvention im Lebensministerium: "Die Initiative der Bergsteigerdörfer beweist eindeutig die Tauglichkeit der Alpenkonvention und ist Impulsgeber für weitere erfolgreiche Projekte. Das zeigt auch das internationale Interesse. Wir hoffen, dass es zu einer dauerhaften Etablierung der Marke 'Bergsteigerdörfer' kommt, getragen von den Gemeinden und Tälern."

  • Die Gesamtborschüre der Bergsteigerdörfer gibt einen Überblick über alle Gemeinden und Talschaften, die als Bergsteigerdörfer ausgewählt wurden. Gemäß dem Motto "Kleine und feine Bergsteigerdörfer zum Genießen und Verweilen" besinnen sich all diese Gemeinden auf einen sanften Tourismus, der die optimale Verbindung zwischen Aktivitäten in der freien Natur und Genuss und Erholung anstrebt.
    Die Broschüre kann kostenlos bei christina.schwann@alpenverein.at angefordert werden.

  • Weiters gibts es Einzelbroschüren zu den jeweiligen Bergsteigerdörfern

  • Die Aufarbeitung der jeweiligen Alpingeschichte ("Alpingeschichte kurz und bündig") ist dirkt in den Gemeinden erhältlich.

  • In der Reihe "Ideen, Taten, Fakten" stehen alle Tagungsbände der Jahrestagungen - immer zu einem Protokoll der Alpenkonvention - zur Verfügung.


Die Detailübersicht zu den erschienenen Publikationen finden Sie unter der Projektwebsite:
www.bergsteigerdoerfer.at

Das Projekt wird aus Mitteln des Österreichischen Lebensministeriums und des Fonds für die Ländliche Entwicklung finanziert.
Das Projekt wird aus Mitteln des Österreichischen Lebensministeriums und des Fonds für die Ländliche Entwicklung finanziert.