Österreichischer Alpenverein

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Nein zum "Brückenschlag" über die Kalkkögel in Tirol

Keine Skigebietsverbindung zwischen Axamer Lizum und Schlick 2000

Übergabe von 33.400 Unterschriften gegen die Erschließung der Kalkkögel - an LH Platter und LH Stv. Felipe / Alle Fotos: Plattform "Rettet die Kalkkögel"zoom

Meldung vom 04.03.2015

Erschließung der Kalkkögel konnte abgewendet werden!

Nachdem am 02. März 2015 die heiß erwarteten Gutachten zum Thema Kalkkögel den Parteien, Politikern und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurden, überschlugen sich die Ereignisse.

Aus dem rechtlichen Gutachten von Anna Gamper (Universität Innsbruck) war unter anderem Folgendes hervorgegangen: Eine Abänderung des Naturschutzgesetzes zur Ermöglichung des "Brückenschlages" wäre verfassungswidrig und die Erschließung über das Schutzgebiet stünde im Widerspruch zum Völkerrecht Alpenkonvention. Damit begann sich auch der gewichtigste politische Befürworter – der Tiroler Volkspartei (ÖVP) – von dem umstrittenen Projekt zu distanzieren.

Den Anfang machte Landtagsvorsitzender Herwig van Staa in einer Pressekonferenz zu den Prüfergebnissen Montagvormittag. Nachdem von Seiten der ARGE Brückenschlag (den Befürwortern des umstrittenen Projekts) der Hinweis auf einen (potenziellen) Verfassungsbruch als "Suche nach einem Haar in der Suppe" bezeichnet wurde, folgte dann Dienstagvormittag zuerst die Pressekonferenz der Klubobleute der befürwortenden Parteien (ÖVP, FPÖ und impuls-tirol). Diese teilten mit, dass sie alle die Ergebnisse der Gutachten akzeptieren und respektieren würden.

Eine Absage an das Projekt (mit Einschränkungen bei der FPÖ), aber eine gute Nachricht für Bürgerinitativen und Kalkkögel-LiebhaberInnen. 

Platter: "Es geht nicht!"

Nach einer spannenden Regierungssitzung (Themen Komplettausweisung Isel als Natura2000 Gebiet, Hypo-Desaster und Kalkkögel) machte Landeshauptmann Günther Platter wenig später um 10:45 Uhr mit wenigen Worten klar, dass der Eingriff in das Ruhegebiet Kalkkögel für ihn kein Thema (mehr) ist. Zitat Platter: "Es (Anm.: Brückenschlag) geht nicht!" Die Letztentscheidung trifft natürlich der Tiroler Landtag Ende März 2015.

33.400 Unterschriften zur Rettung der Kalkkögel

Die geballte politische Präsenz der EntscheidungsträgerInnen nutzte auch die Plattform "Rettet die Kalkkögel" in Vertretung von (aktuell) 33.400 ProjektgegnerInnen – denn so viele Unterschriften konnten im letzten Halbjahr gesammelt werden. Mit der beeindruckenden Anzahl an Unterschriften sowie einem nicht zu übersehenden Plakat mit Verweis auf die Schönheit der – und nicht vom Tisch "wischbaren" Unterstützung für die Kalkkögel, zogen VertreterInnen der Plattform (darunter auch der Alpenverein) vom Landhausplatz in den Medienraum des Landhauses ein.

Die Aufmerksamkeit war auf Grund der Brisanz und Aufmerksamkeit der Tiroler und auch Österreichischen Öffentlichkeit gesichert. Nach der Pressekonferenz wurden die Unterschriften dann an Landeshauptmann Günther Platter und seine Stellvertreterin und zuständige Naturschutzlandesrätin Ingrid Felipe übergeben, was der Absage der Regierungsspitze an die Projektbetreiber noch einmal 33.400 Mal mehr Nachdruck verlieh. Die Stimmung bei den Plattform-VertreterInnen war entsprechend fröhlich!

Sachliche Information hat sich bewährt

Das Projekt Brückenschlag konnte somit durch sachliche Argumentation auf rechtlicher Grundlage verhindert werden – etwas, dass die Befürworter nicht akzeptieren können, aber was sich der Österreichische Alpenverein auch für andere Projekte – etwa das Warscheneck in Oberösterreich – wünscht. Entgegen der Untergriffe und Beschuldigungen hat sich die sachliche und nicht untergriffige Informationsstrategie der Plattform "Rettet die Kalkkögel" sowie des Alpenvereins bewährt! Nun heißt es für alle Beteiligten, gemeinsam an neuen und nachhaltigen Strategien für die Region zu arbeiten.

Weiterführende Links:

 
 
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Starker Gegenwind zum maßlosen Naturverbrauchzoom


Meldung vom 26.02.2015

Bereits 33.000 Unterschriften - Große Teile der Bevölkerung gegen Erschließung

Mit über 33.000 Unterschriften gegen den „Brückenschlag“ sorgt die Petition „Rettet die Kalkkögel“ für Unruhe bei den Projektbefürwortern. Doch bereits im Oktober 2014 kam eine Umfrage der Bezirksblätter in den elf betroffenen Gemeinden zu einem klaren Ergebnis: 61 Prozent der Befragten lehnten einen „Seilbahn-Brückenschlag“ von Mutters über die Axamer Lizum ins Stubai ab. Noch deutlicher ist das „Nein“ in einer neuen Umfrage im Auftrag der Tiroler Tageszeitung in ganz Tirol: Demnach sind nur 23 Prozent für einen Skigebiets-Zusammenschluss über die Kalkkögel. „Von einer breiten Zustimmung der Bevölkerung, insbesondere in den betroffenen Gemeinden – wie von den Projektbefürwortern immer wieder behauptet wird – kann keine Rede sein. Die Leute wollen keine weiteren Erschließungen, sondern mit dem Erhalt des Ruhegebietes Kalkkögel lieber einen einzigartigen Rückzugsraum“ meint Birgitta Schauer vom Alpenverein Innsbruck.

Eindeutige Gesetzeslage – trotzdem Prüfung durch Politik

Auch wenn von Seiten der Projektbefürworter etwas anderes behauptet wird, ist die rechtliche Situation klar: Gegen die Skigebiets-Erweiterung sprechen nicht nur das Tiroler Naturschutzgesetz und das (soeben verlängerte) Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramm, sondern auch die Alpenkonvention, ein internationales Vertragswerk zwischen den Alpenstaaten und der EU. Trotzdem wurden vom Landtag externe Experten beauftragt um zu klären, ob ein Zusammenschluss via Seilbahn über die Kalkkögel überhaupt möglich ist. Damit steht auch das Finanzierungkonzept, das Millionen an Steuergeld und zinsenlose Kredite der Tourismusverbände Innsbruck und Stubai vorsieht, auf dem Prüfstand.

Diese ungelösten Fragen – von den Auswirkungen der Alpenkonvention auf das Projekt bis zum Finanzierungskonzept – lässt der Tiroler Landtag derzeit von Bundesbehörden und Gutachtern prüfen und will dann Anfang März 2015 eine Entscheidung im Landtag zum weiteren Vorgehen treffen.

Weiterführende Links:


Meldung vom 22.05.2014

Neueste Entwicklungen zum Erschließungsprojekt der Kalkkögel -
Zusammenschluss Schigebiete Schlick/Lizum lt. „Bergbahnstudie“

Die am 31.04.2014 der Öffentlichkeit präsentierte, von "Investitionsstrategie und Masterplan Bergbahnen Innsbruck", auch Bergbahnenstudie genannt, hat die andauernde Debatte um die Erschließung des Ruhegebietes Kalkkögel südwestlich von Innsbruck neu entzündet. Diese von der Stadt Innsbruck und dem TVB in Auftrag gegebenen Analyse der Wirtschaftlichkeit der „Innsbrucker“ Schigebiete kommt zum Schluss, dass es nur eine einzige zukunftsträchtige Variante gäbe, nämlich die Errichtung eines großen Schigebiets durch die Verbindung der Stubaitaler Muttereralmbahnen mit der Axamer Lizum mit dem Brückenschlag über die geschützten Kalkkögel.

Die Reaktion des Alpenvereins kam umgehend – eine Ablehnung jeglicher Eingriffe in Schutzgebiete aller Art im Sinne der Alpenkonvention!

Doch auch in der Politischen Landschaft zeigte sich Uneinigkeit, gleich wie bei den betroffenen Gemeinden und Grundeigentümern.

Während große Teile der Tiroler ÖVP und SPÖ sich mit Vorwärts Tirol für den Brückenschlag aussprechen, haben sich die Grünen und auch die Tiroler FPÖ gegen den Vorschlag positioniert, Landeshauptmann Platter will erst einen etwaigen Projektantrag sehen – Koalitionspartner Grüne mit Landeshauptfraustellvertreterin Filipe lehnen eine Zustimmung zur Unterwanderung der Schutzgebietsbestimmungen gleich wie der OeAV, andere große Umweltorganisationen und ein Teil der Bevölkerung ab.

Reaktion OeAV auf Bergbahnstudie (Tiroler Tageszeitung)
Präsentation Bergbahnstudie (Tiroler Tageszeitung)
Infos auf der Facebookseite des OeAV

Die Kalkkögel

Die Kalkkögel, ein kleines markantes Gebirge zwischen dem Inntal und dem Stubaital, erinnert in seiner Schroffheit und Steilheit an die berühmten Dolomiten im Süden des Brennerpasses. In Reise- und Kletterführen werden die Kalkkögel oft als die Dolomiten des Nordens bezeichnet. Es ist noch nicht lange her, da galten die tollkühn und steil in den Himmel ragenden Felstürme und rissigen Wände als scheinbar unbezwingbar. Namen wie das Fliegerbandl oder der Psychoturm erinnern noch heute an die verwegenen Kletterkünste von damals.

Die Tiroler Kalkkögel, von Salfeins betrachtet. Foto: ÖAV/ Esslzoom

Die Kalkkögel - Naturjuwel im Sommer und Winter
Die Kalkkögel sind jedoch nicht nur den Kletterern vorbehalten, sondern bieten auch den ambitionierten Bergsteigern und Wanderern Bergerlebnisse der Superlative. Im Frühjahr locken spektakuläre Touren eine Vielzahl von Skibergsteigern in diese tief eingeschnittenen Kare und Rinnen. Doch dieses alpingeschichtliche Kleinod ist mehr als in Gefahr. Erschließungshungrigen Touristikern und Seilbahnbetreibern stehen die Kalkkögel für den Zusammenschluss der Schlick mit der Axamer Lizum seit Jahren im Weg. Die Pläne reichen von einer Untertunnelung der Kalkkögel bis zu einer spektakulären Seilbahnverbindung durch das Herz dieses Kalkstockes.

Ruhegebiet nach dem Tiroler Naturschutzgesetz!
Seit dem 26. Juli 1983 sind die Kalkkögel als Ruhegebiet verordnet - eine Schutzkategorie mit stark raumplanerischen Charakter, die es in Österreich nur im Bundeland Tirol gibt. In allen Ruhegebieten ist u.a. "die Errichtung von Seilbahnen und Schleppliften zur Personenbeförderung" generell und ohne Ausnahme untersagt. Es ist daher schon erstaunlich, dass von Seiten der Planer überhaupt ein Projekt ausgearbeitet wurde, das sich in diesem Schutzgebiet befindet bzw. dieses durchschneiden soll. Es müsste daher das Land Tirol schon die bestehende Schutzgebietsverordnung aufheben, um den Weg für dieses Projekt zu ebnen. Ein solches Vorgehen ist jedoch nach der Alpenkonvention, dem internationalen Vertragswerk zum Schutz der Alpen, nicht zulässig. Österreich hat die Alpenkonvention und ihre Durchführungsprotokolle ratifiziert, sie stellt daher für Österreich geltendes Recht dar! National gesehen stellt die Situation bei den Kalkkögeln, was Erschließungsbegehrlichkeiten in Schutzgebieten anbelangt, keinen Einzelfall dar. So sind auch durch das erst 2008 verordnete Naturschutzgebiet Warscheneck-Nord durch eine Skigebietsverbindung zwischen Spittal am Phyrn und Hinterstoder sowie das einzige Gewässer bezogene Sonderschutzgebiet in Tirol, die Mieminger und Rietzer Innauen durch ein Laufkraftwerk projektiert.

Alpenverein lehnt jede Erschließung der Kalkkögel ab!
Angesichts der landschaftlichen Vielfalt, der hohen naturschutzfachlichen und alpintouristischen Qualität der Kalkkögel lehnt der Oesterreichische Alpenverein diese Erschließungspläne vehement ab! Unerschlossene alpine Landschaften sind ein großer Wert an sich, ein Erbe, das wir nachfolgenden Generationen sichern müssen. Diese sollten die Kalkkögel genauso frei von technischer Infrastruktur und ohne Animation in ihrer Ursprünglichkeit und Schönheit erleben dürfen.

ZUR PETITION "RETTET DIE KALKKÖGEL" (2014/ 15)


Weiterführende Informationen:


Rückfragen an die Abteilung Raumplanung & Naturschutz unter raumplanung.naturschutz@alpenverein.at

"Skischaukel" Kalkkögel: Etikettenschwindel um ein Schutzgebiet?

Alpenverein und Naturfreunde fordern Schutz des Ruhegebiets ohne Wenn und Aber

Nur der Status als Ruhegebiet kann die Kalkkögel vor einer intensivtouristischen Skierschließung bewahren. 
(Foto: OeAV/Christina Schwann)zoom
Nur der Status als Ruhegebiet kann die Kalkkögel vor einer intensivtouristischen Skierschließung bewahren.
(Foto: OeAV/Christina Schwann)

Innsbruck, 24.10.2013. Eine Aufweichung der Schutzgebietskategorie soll die Erweiterung der Tiroler Skigebiete Schlick 2000 und Axamer Lizum über das Ruhegebiet der Kalkkögel doch noch ermöglichen: dass Tirols Politiker und Touristiker selbst vor diesem Schritt nicht zurückschrecken, verurteilten Alpenverein und Naturfreunde bei einer Pressekonferenz auf das Schärfste. Hinter der Änderung der Schutzgebietskategorie verberge sich ein eklatanter Etikettenschwindel, den die alpinen Vereine nicht hinnehmen werden.

"Es scheint österreichweit zur Mode zu werden, unsere Schutzgebiete allmählich zu beschneiden und auszuhöhlen. Projektanträge für Straßenbauten, Kraftwerke und auch Skigebiete dringen immer näher in das Herz jener Regionen vor, die die Politiker der Bundesländer ausdrücklich dem Natur- und Landschaftsschutz gewidmet haben", zeigt sich Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora empört.

Rücksichtsloser Umgang mit der alpinen Landschaft

Die Planung einer Skigebietserweiterung mitten durch das Ruhegebiet der Kalkkögel sei ein Paradebeispiel für die derzeitige Entwicklung. "Über die Manipulation der naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen finden Seilbahner und Touristiker zunehmend Schleichwege, um ihre Projekte doch noch umzusetzen – und die letzten Flecken geschützter Natur geraten immer öfter ins Hintertreffen. Diesen rücksichtslosen Umgang mit der alpinen Landschaft werden wir nicht weiter dulden! Österreich hat sich in der Alpenkonvention dazu verpflichtet, bestehende Schutzgebiete zu erhalten. Im Falle einer Aufhebung des Schutzgebietes würde das Land Tirol also gegen internationales Recht verstoßen. Die alpinen Vereine werden sich nicht scheuen, den Überprüfungsausschuss der Alpenkonvention über diesen Etikettenschwindel aufzuklären", droht Ermacora.

Rita Würtele, Vorstandsmitglied der Sektion Innsbruck des Alpenvereins, fordert die Verantwortlichen dazu auf, vom Projekt Abstand zu nehmen: "Unseren Politikern ist hoffentlich bewusst, dass die Entscheidung für eine Skigebietserweiterung über die Kalkkögel einen ganz klaren Rechtsbruch bedeuten würde."

Pressekonferenz im Alpenvereinshauszoom

Kalkkögel dürfen nicht den wirtschaftlichen Interessen zum Opfer fallen

Auch die Naturfreunde Tirol fordern die Erhaltung des Ruhegebiets Kalkkögel ohne Wenn und Aber. Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Leopold Füreder, Vorsitzender der Naturfreunde Tirol, dazu: "Das Ruhegebiet Kalkkögel wurde geschaffen, um eine noch wilde und ursprüngliche Bergwelt im Nahbereich von Innsbruck zu erhalten. Auf kleinstem Raum wird die Komplexität der Gebirgslebensräume anschaulich. Die Kalkkögel sind eine geologische Besonderheit, haben aber auch eine außergewöhnliche landschaftliche und kulturhistorische Bedeutung. Wir werden uns mit aller Macht dagegen einsetzen, dass sie den wirtschaftlichen Interessen zum Opfer fallen. Anstelle eines politischen Hick-Hacks ist auf jeden Fall eine sachliche Argumentation gefragt."

Die Fakten ohne Beschönigungen auf den Tisch zu legen und damit allen Interessierten zugänglich zu machen, ist auch MMag.a Liliana Dagostin, Leiterin der Abteilung Raumplanung/Naturschutz im Alpenverein, ein Anliegen. Dabei warnt sie davor, sich Äpfel für Birnen verkaufen zu lassen. Denn nur der Status als Ruhegebiet bewahre die Kalkkögel vor einer intensivtouristischen Skierschließung.

Dr. Wilfried Connert, Vorsitzender der Sektion Stubai im Alpenverein fügt hinzu: "Wenn diese Skigebietserweiterung die einzige Zukunftsvision für den regionalen Tourismus ist, dann gute Nacht. Wir haben rund um die Kalkkögel offenbar drei kranke Skigebiete. Da soll die öffentliche Hand einspringen, die Natur soll herhalten, Investoren warten schon auf ihren Profit. Aber werden drei kranke Küh‘ gleich wieder gesund, nur weil ich sie alle nebeneinander in einen Stall stelle?"

Den im Anschluss an die Pressekonferenz von der "ARGE Brückenschlag" angebotenen Gesprächstermin nehmen die alpinen Vereine gerne wahr.

Winterstimmung in den Kalkkögeln (Foto: OeAV/Liliana Dagostin)zoom