|
In den vergangenen 150 Jahren, seit man mehr und mehr über die Gletscher und ihre Reaktion auf das Klima weiß, war noch kein Zeitpunkt, zu dem die Gletscher so rasch dahinschmolzen. Im Zusammenhang mit der globalen Klimaerwärmung und den vielfältigen Auswirkungen, die darauf zurückgeführt werden (können), erhalten die Gletscher eine besondere Bedeutung: Durch sie wird der Klimawandel sichtbar, greifbar, erlebbar. Besonders in den Alpen, wo das Wirken des Menschen seit vielen Generationen mit den Gletschern in Berührung kam. |
![]() |
Die Alpengletscher sind daher doppelt bedroht:
Die Zukunft der Alpengletscher kann aus den über 100-jährigen Beobachtungen und Messungen je nach (denkbaren) Szenarien schon gut abgeschätzt werden (nach Michael Kuhn, Innsbruck):
Seit dem letzten Hochstand der Gletscher um 1850, als diese in der kühlen Klimaphase davor („Kleine Eiszeit“ im Mittelalter) Eismasse ansammeln konnten, haben die Gletscher erheblich an Volumen, Fläche und Länge eingebüßt. Ende des 20. Jhdts. gab es in den Alpen noch insgesamt eine Gletscherbedeckung von 2.500 km² und ca. 125 km³ Eisvolumen. Um 1850 dürfte es noch doppelt so viel gewesen sein. Die Gesamtfläche der Alpengletscher nahm von 1850 bis Ende der 1990er-Jahre in der Größenordnung von 50 % ab. |
|
Es gibt keine Anzeichen, dass eine Trendumkehr der globalen Erwärmung in absehbarer Zeit eintreten könnte. Eine der direkten Auswirkungen ist das Ansteigen der „Schneegrenze“, dies nicht nur im Sommer, sondern besonders auch im Winter. Trotz des Gegensatzes im bisherigen Winter muss man von einer Erhöhung der winterlichen Schneegrenze ausgehen. Bei einer Erwärmung um 2-3° C würde (nach Paul Föhn, Davos)
|
|
|
Schutz der Gletscher und ihre Vorfelder Der Gletscherschutz ist gemeinsam mit den Flächen-Schutzgebieten ein elementarer Bestandteil des Hochgebirgsschutzes im Alpenraum. Gäbe es diesen in Österreich nicht, existierten weder der Nationalpark Hohe Tauern noch andere wertvolle alpine Schutzgebiete in Österreich. Zahlreiche weitere bekannte Gletscher wären heute Ziele des Gletscherschitourismus. Der Gletscherschutz hielt in den Bundesländern Österreichs zu Beginn der 1980er-Jahre erstmals Einzug und war die Reaktion auf die umstrittenen Gletschererschließungen im Pitz- und Kaunertal (Tirol). Der generelle Gletscherschutz wurde 1981 in Vorarlberg, 1986 in Kärnten, 1990 in Tirol und 1992 in Salzburg in der Naturschutzgesetzgebung verankert. In Salzburg ist der Beschluss zudem über die „Richtlinie Schierschließung“ erstmals von der Raumordnung abgesichert worden. Der Rückzug der Gletscher, Klimawandel und die damit verbundene Verkleinerung der angebotenen Schipistenflächen haben einen neuerlichen Druck auf die Nutzung weiterer Gletscher für den Pistenschilauf ausgelöst. Seit Beginn des neuen Jahrtausends wird in Tirol versucht, in den Ötztaler Alpen im Pitz- und Kaunertal neue Gletscherflächen zu erschließen. Dafür wurde sogar das Tiroler Naturschutzgesetz 2004 gelockert. Im Kaunertal ist mit der Erschließung der Weißseespitze und eines Teiles des größten Ostalpengletschers, dem Gepatschferner, die höchst gelegene Erschließung in Österreich angedacht und geplant. Alle Anläufe zur Realisierung sind bisher gescheitert. Fällt diese Bastion, werden aufgrund der nachweislich alpenweiten Aufschaukelung im Schitourismus weitere folgen. Der Oesterreichische Alpenverein hat bisher 35.000 Unterschriften für den Schutz dieser Gletscher vor Erschließung gesammelt. Durch den raschen Rückzug der Alpengletscher werden große interessante Hochgebirgsflächen eisfrei. Die Gletschervorfelder sind junge, sehr dynamische Lebensräume. Jung, weil große Teile der Vorfelder vor rund 150 Jahren noch eisbedeckt waren. Sie sind Schauplätze einer zähen Eroberung und als Zeugen der Landschaftsentwicklung und der Klimageschichte von großer Bedeutung. Die Moränen sind besonders auffallende Elemente der Gletschervorfelder. Auf Initiative des OeAV hat der Tiroler Landtag deshalb alle im Nahbereich der Gletscher gelegenen Moränen innerhalb der markanten 1850er-Moräne unter strengen Schutz gestellt. Der OeAV richtet an alle Landesregierungen mit Gletschern den Appell, dem Tiroler Beispiel zu folgen. |
![]() |
Broschüre "Bedrohte Alpengletscher Die OeAV-Broschüre „Bedrohte Alpengletscher“ soll für die Gletscher als wesentliches Element des vergletscherten kristallinen Hochgebirges sensibilisieren. Namhafte Autoren aus dem In- und Ausland befassen sich mit dem Naturphänomen Gletscher, Klimawandel und (Gletscher-)Tourismus, Wasserspender der Gletscher, dem Lebensraum Gletschervorfelder und den Gletscherbächen. Adressaten sind Schulen, Vereine, Planung und Politik.
Die 74-seitige Broschüre „Bedrohte Alpengletscher“ in der OeAV-Reihe „Alpine Raumordnung“ Nr. 27/2005 mit 82 Farbbildern und Panoramen ist kostenlos in der OeAV-Fachabteilung Raumplanung/Naturschutz erhältlich. hier bestellen
|




