Oesterreichischer Alpenverein

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Erschließungsspirale dreht sich weiter!

    Es war ja nur eine Frage der Zeit. Nachdem der Zusammenschluss Zell am Ziller – Gerlosplatte/Krimml errichtet war und die Bergbahnen „Skizentrum Hochzillertal“ in Kaltenbach die Genehmigung für eine neue 8er-Einseilumlaufbahn im Jahre 2005 erhalten hatten, haben die Zeller Bergbahnen Zillertal mit Schreiben vom 31. Mai 2006 um Genehmigung einer neuen, parallel zur bestehenden Zubringerbahn geplanten 8er-Umlaufbahn angesucht.
Im März 2007 gab es nun einen berechtigten Aufschrei von entrüsteten Anrainern beim Parkplatz Rohrberg, Landesumweltanwalt und dem OeAV gegen dieses neue Projekt. Damit wir der ohnehin schon überbordende Talverkehr weiter aufgeheizt und die Luftsituation verschärft.
Bereits im Jahre 1990 i. A. der Gemeinde Rohrberg durchgeführte Immissionsmessungen haben starke Belastungen ergeben.
„Gemessen an den Empfehlungen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Kommission Reinhaltung der Luft dürften die Zielvorstellungen zum Schutz des Ökosystems (für den Jahreswert wurde ein Richtwert von 5 ppb NO2 angegeben) in Rohrberg bei allen messstellen nicht eingehalten werden. Der zum Schutz der Vegetation als Jahresmittelwert empfohlene vorläufige Richtwert von 16 ppb NO2 könnte unter sehr ungünstigen Bedingungen an der Messstelle Rohrberg/Zentrum ebenfalls überschritten werden (das gesamte Gutachten können Sie sich hier als pdf herunterladen).
Eine Entscheidung wird für das Frühjahr 2007 erwartet.

 

Der Oesterreichische Alpenverein fordert endlich eine Durchbrechung der automatisierten Erschließungs- und Verkehrsspirale im Zillertal. Bisher ist es im Laufe der letzten Jahrzehnte nur ein einziges Mal gelungen, die Aufschaukelung zu durchbrechen: durch das im Jahre 1991 verordnete „Ruhegebiete Zillertaler Hauptkamm“! Seither schaukeln sich die einzelnen Gebiete mit immer neuen Bahnen und Kapazitäten unentwegt gegenseitig auf. Nach Ansicht des Oesterreichischen Alpenvereins bedarf es vorab jeder weiteren Maßnahmen einer exakten Bestandsaufnahme der Ist-Situation.    

 

Stimmen von Anrainern zur geplanten 8er-Einseilumlaufbahn in Rohrberg  

Mit unglaublicher Unverfrorenheit erklären uns die Liftbetreiber, es werde keine Verkehrszuwächse und keine zusätzlichen Parkplätze mehr geben, obwohl die Förderleistung nahezu verdoppelt werden soll.
Unserer Erfahrung nach ist davon auszugehen, dass die Pistenflächen später wieder nicht ausreichend sein werden und damit zu unsicher – eine weitere QUALITÄTSVERBESSERUNG wäre unverzichtbar.
Diese Taktik hat bislang immer funktioniert. Einige Fragen drängen sich dazu noch auf: Würde der Bau der zweiten Bahn nicht wieder hauptsächlich TAGESGÄSTE anziehen?
Wie viel ist der Politik die Gesundheit der Bevölkerung wert?
Hat nicht Herr Landeshauptmann H. van Staa gerade in BRÜSSEL gefordert, Gesundheit müsse ein einklagbares Recht werden?
Was ist diesen Damen und Herren Klimaschutz wert? (Der Austausch von Glühbirnen wird nicht reichen, auch nicht eine mediengerecht inszenierte einmalige Bahnfahrt der Bundesregierung.)
Gibt es das umfassende Zillertaler Verkehrskonzept inzwischen, das LA Bgm. Josef Geisler im März 2006 angekündigt hat?
Eine weitere Folge der Piefke Saga wäre angebracht!

Familie Geiger Hilda und Otto, Rohrberg
Geiger Christl, Wolf Inge, Rohrberg


Staub-, abgas- und lärmbelästigte Anrainer

 

Als lärm- und abgasgeplagte ehemalige Anrainer der Zillertal Arena sei es uns erlaubt, einmal einen kritischen Blick auf die Argumentation der Bergbahnbetreiber zu werfen:

  • Die zweite Seilbahn muss gebaut werden, da es keine Talabfahrt gibt und die Leute bei einem Störfall nicht mehr ins Tal gebracht werden können: Da müssen wir entgegnen, dass sich die Betreiber mit dem Ausbau der Strecke über die Wilde Krimml selbst einen Ausweg geschaffen haben. Alternativ ist die Mittelstation straßenmäßig perfekt erschlossen und mit Bus/Auto leicht erreichbar.
  • Eine Verdoppelung der Kapazität hat kein erhöhtes Verkehrsaufkommen zur Folge: Dies ist eine seit Errichtung der Seilbahnanlagen immer wiederkehrende Aussage, die sich schon bisher nicht bewahrheitet hat.
  • Die Luftgüte wird sich nicht verschlechtern, das Schigebiet wird nicht erweitert, alle Auflagen werden eingehalten: ja, das ist sehr glaubhaft - und am 24. Dezember kommt das Christkind geflogen, und den Osterhasen gibt’s wirklich …

Für die Tiroler Politik ergeben sich für uns die folgenden Fragen:

  •  Ist man wirklich gewillt, dem unaufhörlichen Wettrüsten der Zillertaler Bergbahnen tatenlos zuzusehen (mit dem Nebeneffekt, dass nicht nur die Zeller und Kaltenbacher weiter ausbauen, sondern auch die Mayrhofener, Fügener, Finkenberger …) oder entschließt man sich endlich dazu, diesem „Ping-Pong-Effekt“ einen Riegel vorzuschieben?
  • Führende Vertreter der ÖVP betonen immer wieder, dass sie dem „Wirtschaft zuerst“-Prinzip anhängen. Aber zeugt es von nachhaltigem Wirtschaften, wenn man ständig nur auf ein Pferd – den Wintertourismus - setzt? Werden jemals die eventuellen und tatsächlichen Folgekosten – die ja meist nicht von den Betreibern, sondern von der Allgemeinheit zu tragen sind – im Genehmigungsverfahren berücksichtigt. Warum gibt es - entgegen geltendem Recht - keine Bürgerbeteiligung bei solchen Großprojekten?
  • Bereits im Jahr 1990 (!) im Bereich der bestehenden Station der Zillertal Arena durchgeführte Luftgütemessungen haben eine ausgesprochen schlechte Luftgüte ausgewiesen. „Qualitätstourismus“ – nur ein (gar nicht so ernst genommenes) Schlagwort?
  • Die Raumordnungsprogramme unter der Zuständigkeit vor Frau LR A. Hosp sehen in Tirol etwa die Begrenzung von Stellplatzkapazitäten, sprich Parkplätzen, vor – aber wird das auch umgesetzt?
  • Um das viel strapazierte Stichwort „Qualität“ noch einmal aufzugreifen – will man nun auf einen weiteren Zuwachs des Tagestourismus setzen, oder nimmt man sich an Beispiel an Zürs/Lech, wo nur ein bestimmtes Kontingent an Karten verkauft wird?
    Manche Schweizer Gemeinden zeigen eindrucksvoll, dass es möglich ist, den Verkehr sogar zu vermindern. Wir hoffen, dass den Bewohnern des Zillertals nicht die Luft ausgeht, bis solche Modelle bis zu unseren Verantwortlichen durchgedrungen sind …

    Dipl. Ing. (FH) Andreas Geiger, Zell am Ziller
    Mag. Stefan Geiger, Wien

Bitte richten Sie Ihren Protest an Herrn Landeshauptmann DDr. Herwig van Staa (Altes Landeshaus, A-6020 Innsbruck, E-mail: h.vanstaa@tirol.gv.at) und an Naturschutzlandesrätin Dr. Anna Hosp (Altes Landhaus,

A-6020 Innsbruck, E-mail: an.hosp@tirol.gv.at)

 

   

Kostenlose Publikation

Der Oesterreichische Alpenverein zeigt in der Publikation "Die touristische Wachstumsmaschine: 3 Tiroler Täler: 3 Aufschaukelungen - Paznauntal, Pitztal und Zillertal" die Problematik der gefährlichen touristischen Aufschaukelung anhand dieser drei Täler ungeschminkt auf und dokumentiert dies mit klaren Zahlen und Fakten.

Die Broschüre können Sie kostenlos in der Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz im OeAV anfordern (Wilhelm-Greil-Straße 15, A-6010 Innsbruck, Tel. +43/(0)512/59 547-20, Fax +43/(0)512/59 547-40, E-mail: raumplanung.naturschutz@alpenverein.at).

 

 

Rückfragen an:
Peter Haßlacher oder Josef Essl, E-mail: raumplanung.naturschutz@alpenverein.at

 



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