Oesterreichischer Alpenverein

WINDKRAFT

Windparks gefährdeten die Brennerberge (T) bereits vor Jahren

 

 

Die alpine Region als neuer "Energieraum"

Nachdem viele Standorte in den Gunstlagen Ostösterreichs besetzt sind bzw. sich auch in diesen Regionen Gegenwind durch die einheimische Bevölkerung aufbaut, rücken nun die alpinen Regionen immer häufiger ins wirtschaftliche Blickfeld der Betreiber. Im Tiroler Wipptal, nahe der Brennergrenze, drohten bereits vor einigen Jahren mehrere Windparkprojekte. 

 

Die Tiroler Wasserkraft AG plante, den Grieser Sattelberg an der österreichisch-italienischen Grenze mit bis zu 10 Windkraftanlagen zu erschließen. Die Gemeinde Pflersch in Südtirol wollte im Bereich Sandjöchl-Portjoch einige Windkraftanlagen realisieren und die Salzachwind GmbH plante einen Windpark im Bereich des Nößlachjochs.

 

 

 

 

Die alpine Landschaft bietet keinen Platz für Prestigeprojekte

Der OeAV als Anwalt der Bergsteiger und Alpen stellt sich nicht grundsätzlich gegen die Windkraftnutzung, verlangt jedoch unter Einbeziehung aller Nutzungsinteressen in den alpinen Regionen die Erarbeitung eines eingehenden, transparenten und konsensorientierten Konzeptes über verträgliche Standorte. Im Falle der Brennerberge spricht sich der OeAV ganz dezidiert gegen die geplanten Windparks aus. Diese einmalige Gebirgslandschaft mit den sanftgeneigten Grasbergen ist eine naturräumliche Besonderheit der Brennerregion und wurde nicht zuletzt deshalb im Jahre 1984 als Landschaftsschutzgebiet "Nößlachjoch - Obernberger See – Tribulaune" von der Tiroler Landesregierung ausgewiesen (LGBl. Nr. 50/1984). Die Brennerberge haben sich ob ihrer Unversehrtheit zu einem Eldorado für Wanderer und Bergsteiger und in den Wintermonaten für Skitourengeher entwickelt. Windräder mit einer Höhe bis 140 m, einer Lärmentwicklung von 80 dB(A) im Umkreis von 35 m und zahlreichen Zusatzgebäuden sollten in der waldfreien Zone auf über 2.000 m Seehöhe entstehen. Für einen starken Netzknoten hätte es eine 11 km lange Leitung bis nach Steinach am Brenner gebraucht. Überaus breit dimensionierte Zufahrtsstraßen und Kehren, die Hunderte Tonnen an Schwerfahrzeugen und Transportmaterial tragen müssten, wären weitere schwerwiegende Eingriffe in diesem Naturraum gewesen. Neben einer gravierenden Beeinträchtigung dieses Naherholungsgebietes, wäre zusätzlich die Verschandelung des Landschaftsbildes durch die Verbauung bedeutender Sichtachsen vom Wipptal aus sehr negativ zum Tragen gekommen.

 

Alpenkonvention lässt keine Genehmigung zu 

Mit der Alpenkonvention, deren Durchführungsprotokolle am 18.12.2002 in Österreich in Kraft getreten sind, haben sich die Republik Österreich und ihre Länder verpflichtet, die Inhalte der Alpenkonvention und ihre Protokolle umzusetzen und insbesondere den hohen und einzigartigen Wert der alpinen Landschaft und Natur für jedermann und besonders für die ansässige Bevölkerung anzuerkennen. Im Falle der geplanten Windparks auf den Brennerbergen schreibt einerseits das Energieprotokoll der Alpenkonvention vor, dass energietechnische Anlagen in Schutzgebieten samt Pufferzonen, Schon- und Ruhezonen sowie in unversehrten naturnahen Gebieten und Landschaften zu untersagen sind (BGBl. Nr. 237/2002 Art. 2 Abs. 4). Andererseits manifestiert auch das Protokoll Naturschutz und Landschaftspflege (BGBl. Nr. 236/2002) gemäß Art. 11 Abs. 1 eindeutig den Erhalt bestehender Schutzgebiete. Demnach sind bestehende Schutzgebiete im Sinne ihres Schutzzwecks zu erhalten und zu pflegen. Ferner sind alle geeigneten Maßnahmen zu treffen, um Beeinträchtigungen oder Zerstörungen dieser Schutzgebiete zu vermeiden. 

 

Negative Auswirkungen auf Birkwild und Rotwild werden sichtbar

Mittlerweile zeigen langjährige Untersuchungen beim Windpark Oberzeiring, dass Windräder neben der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes auch negative Auswirkungen auf die Wildtiere haben. Diese Entwicklung kann als ein eindeutiges Signal für eine ganz wesentliche Beeinträchtigung des Fortpflanzungsverhaltens beim Birkwild gesehen werden. Die Brennerberge sind mit dem Naturraum in Oberzeiring durchaus vergleichbar und stellen ebenfalls typische Birkwild-Habitate dar. Auch hier wären derartige negative Entwicklungen beim Birkwild zu erwarten. Auch das Rotwild reagierte äußerst sensibel auf die Windräder in Oberzeiring. Der ehemals typische Wechsel über den Rücken wurde aufgrund der 11 errichteten Windräder strikt gemieden. Die Tiere wechselten entlang einer Straße und hielten einen Abstand von mindestens 114 m bis 150 m zu den Windrädern ein.

 

Der OeAV ist strikt gegen eine windkraftbezogene Nutzung der Brennerberge

Der OeAV forderte bereits damals im Falle der Brennerberge aufgrund der mit einer Errichtung einzelner Windräder bzw. ganzer Windparks verbundenen erheblichen Eingriffe in die Natur und Landschaft und der absolut eindeutigen Rechtslage die Betreiber sowie die zuständigen Behörden auf, die Grenzen dieses Schutzgebietes zu respektieren und die Planungen zu stoppen. 

 

Rückfragen an:

Peter Haßlacher & Willi Seifert - Email: raumplanung.naturschutz@alpenverein.at 



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