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Ein Bergsommer in Peru (Ein Bergsommer in Peru)

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Ein Bergsommer in Peru

11.12.2002 / Peter Biermayr
Vergangenen Juli und August durfte ich in der Bergwelt Perus verbringen. Anfangs gemeinsam mit der Bergsteigergruppe der Sektion Gebirgsverein, später zu zweit und zu dritt.

 

 

Der Kulturwechsel ist rasch geschehen, nach einem Langstreckenflug über den Atlantik betritt man in der 10-Millionen-Stadt Lima an der Pazifikküste Perus eine neue Welt. Unser Ziel ist jedoch nicht der Moloch, sondern Huaraz, das Charmonix der Cordillera Blanca. Nachdem ich mich an die südamerikanischen Gepflogenheiten gewöhnt habe, ist mir Huaraz nach und nach als Ort der Regeneration, Versorgung und des unglaub-lichen Luxus (z.B. lauwarme Dusche) ans Herz gewachsen. Huaraz schmiegt sich auf 3100 m Höhe in das Santatal, welches die eisgepanzerten Sechstausender der Cordillera Blanca von den dunklen, wasserlosen Flanken und Gipfel der Cordillera Negra trennt. Vom Hauptplatz der Stadt aus genießt der Bergsteiger bereits ein traumhaftes Panorama, obwohl sich ihm erst ein kleiner Ausschnitt aus der ca. 200 km langen, Nord-Süd ausgerichteten Kette dicht an dicht stehender Fünf- und Sechstausender offenbart. In der Ferne zeichnet sich in der kühlen, klaren Luft der bullige Huascaran als höchster Gipfel mit 6768 m ab. 4000 m hoch ragen seine teils kühnen Wände über das Santatal hinaus.

 

 

Wir können es nicht erwarten, die weiß glänzenden Gipfel zu erreichen, doch die ersten Akklimatisierungstouren in der Umgebung von Huaraz rufen uns die Höhenmedizin wieder ins Gedächtnis. Langsam, kein Streß, mäßiger Schlaf-höhenzuwachs. Doch die Topografie verordnet es anders.

 

 

Nach 3 Tagen steigen wir von Huaraz in das Basislager des Ishincatales in der Cordillera Blanca auf 4300 m auf. Mangelnde Höhenanpassung und Durchfallerkrankungen zwingen viele Teilnehmer zu vorgelagerten Biwaks. Im Ishincatal sind wir nicht alleine. Viele Bergsteiger aus aller Welt treffen sich hier zu einer ersten Tuchfühlung mit den Gipfeln der Anden. Vom Basislager aus sind mehrere Gipfel möglich.

 

 

Die technisch einfachen Fünftausender Nevado Ishinca (5530 m) und Nevado Urus (5494) sind lohnende und auch beliebte Ziele, welche als Tagestouren vom Basislager aus erreichbar sind. Ein ebenfalls „häufig“ vom Ishinca-Basislager aus begangener Gipfel ist der Toclaraju mit knapp über 6000 m Höhe. Wegen schlechter Bedingungen (tiefer Neuschnee, Stürme) gelingt dieser, auch eistechnisch bereits anspruchsvollere Gipfel, nur wenigen Mitgliedern unserer Gruppe. Weitere mögliche Ziele sind die Sechs-tausender Ranrapalca und Palcaraju, welche wir wegen der zu erwartenden Schwierigkeiten jedoch gar nicht erst versuchen. Nach knapp 2 Wochen geht es zurück nach Huaraz um neue Verpflegung zu organisieren, wobei wir bereits nach einem Tag wieder in Richtung Paron-Tal aufbrechen, um die bereits gewonnene Höhenanpassung nicht abzubauen.

 

 

Schon die Anreise in das Paron-Tal vermittelt imposante Eindrücke. Vorbei an ursprünglichen Ansiedlungen mit freundlichen Hochlandbewohnern müht sich der klapprige Bus wenig später durch ein wildes, tief eingeschnittenes Tal am Fuß senkrecht aufsteigender Granitwände entlang. Ab der traumhaft schönen Laguna Paron, heißt es, das Gepäck selbst, oder mittels angeheuerter Träger ins Basislager zu schaffen, denn der Weg ist für Tragtiere nicht geeignet.

 

 

Das Basislager auf ca. 4200 m Höhe, welches wir am Ende der Lagune errichten, wird von den eindrucksvollen Eispyramiden des Caraz, Artensonraju, Nevado Piramide und dem Chakaraju überragt. Die Gipfel, welche vom Paron-Basislager aus erreicht werden können, sind ausnahmslos anspruchsvolle, zumindest zweitägige Eistouren. Mögliche Ziele sind die oben genannten Berge, welche mit Ausnahme des Nevado Piramide Sechstausender sind, sowie das Massiv des viergipfligen Nevado Huandoy, welcher eine eisige Trutzburg am Beginn der Laguna Paron bildet.

 

 

Einen Teil unserer Gruppe gelingt die Besteigung des Artensonraju, weitere Versuche werden am Caraz und Nevado Paron unternommen, welche jedoch an den noch immer schlechten Schnee- und Eisverhältnissen scheitern. Nach 10 Tagen verlassen wir das wildromantische Paron-Tal in Richtung Huaraz und verabschieden uns von unseren Freunden vom ÖGV.

 

 

Von Huaraz aus organisieren wir uns nun einen Koch, einen Eseltreiber mit seinen Tieren sowie Proviant für uns und unsere Begleiter für eine 14-tägige Trekkingtour rund um die Cordillera Huayhuash (sprich: „Waiwasch“). Die Huayhuash ist südlich der Cordillera Blanca gelegen und stellt eine (noch) unberührte Hochgebirgsregion mit traumhaft schönen Hochtälern und unzähligen Lagunen dar. Die Gipfel der Huayhuash, welche Höhen bis 6600 m erreichen, sind unnahbar und technisch äußerst schwierig. Die eindrucksvollen Berge bilden auf der Trekking-Rundtour eine grandiose Szenerie, an der man sich kaum satt sehen kann. Perfekte Akklimatisierung ist jedoch Voraussetzung, um diesen Höhenweg, der ständig im Höhenbereich von 4000 bis 5000 m (Schlafhöhe!) verläuft, genießen zu können.

 

 

Der gesamte Proviant für die Zeitdauer der Tour ist von Beginn an mitzunehmen, da es unterwegs keine Versorgungsmöglichkeit gibt. Die mitgebrachten Nahrungsmittel lassen sich abschnittsweise mit köstlichen Forellen aus den Bächen und Lagunen ergänzen. All dies Umstände führen dazu, daß man dieses einmalige Naturerlebnis mit nur wenigen Trekking-Touristen teilt, denen man in den Weiten der Landschaft selten begegnet. Wesentlich öfter als auf Trekking-Touristen trifft man auf Llama- und Alpacaherden und ihre Hirten.

 

 

Die große Runde um die Cordillera Huayhuash ist abenteuerlustigen Trekking-Freunden wärmstens zu empfehlen, wobei man sich für dieses einmalige Berg- und Naturerlebnis unbedingt 14 Tage Zeit nehmen sollte, auch wenn die Runde bei sehr sportlichen Etappen eventuell in 10 Tagen bewältigt werden könnte. Wieder nach Huaraz zurückgekehrt, steuern wir nach einigen Tagen Zivilisation zu dritt unser letztes Ziel, das wahrscheinlich bekannteste Tal der Cordillera Blanca, das Santa Cruz Tal an. Unsere Bergziele sind der Nevado Alpamayo, welcher zum schönsten Berg der Erde gekürt wurde und der Quiteraju, ein würdiger Sechstausender.

 

 

Von Cashapampa, einer kleinen Ansiedlung am Rand der Cordillere, gehen wir durch das schöne Santa Cruz Tal in 3 Tagen bis ins Hochlager II, welches auf 5500 m unterhalb einer Scharte zwischen Alpamayo und Quiteraju liegt. Bei nunmehr guten Eisverhältnissen gelingt uns innerhalb von 4 Tagen am Hochlager die Besteigung beider Berge. Wir besteigen den Quiteraju (6036 m) über die direkte Nordwand (600 Höhenmeter, schönes, homogenes Eis mit 55-60 Grad Neigung und einer beeindruckenden Ausstiegsrinne) und den Alpamayo (5947 m) über die Ferrari-Route durch die Südwestwand (350 Höhenmeter faszinierende Eisrinne mit ca. 60 Grad Neigung und 2 Schlüsselpassagen bis 85 Grad).

 

 

Nach unseren abschließenden Bergerfolgen fällt uns der Abschied von Peru nicht allzu schwer. Eines steht jedoch schon bei unserer Heimreise fest: wir kommen wieder! Für Sommer 2004 wird anläßlich des 100-jährigen Bestehens der Sektion eine Vereinsfahrt nach Bolivien und Peru geplant! Die Reise wird voraussichtlich in den Monaten Juli und August stattfinden. Aus heutiger Sicht angepeilte Bergziele befinden sich in der Cordillera Blanca (Peru), der Cordillera Huayhuash (Peru) und der Königskordillere (Bolivien). Interessenten sind herzlich eingeladen, sich bereits jetzt zu melden. Je früher sich eine Gruppe formiert, desto eher können individuelle Vorstellungen berücksichtigt werden.

 
 
 

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