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Der Komponist Franz Neuhofer und seine Gis-Lieder (Der Komponist Franz Neuhofer und seine Gis-Lieder)


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Der Komponist Franz Neuhofer und seine Gis-Lieder

Gedenkstein

Den meisten Gis-Wanderern ist das unterhalb des Gasthauses „Zur Gis“ gelegene Denkmal, welches malerisch zwischen einem Baumpaar situiert ist, wohl bekannt, nicht jedoch dessen Entstehungsgeschichte. Wir wollen daher kurz beim Denkmal verweilen und uns darüber Gedanken machen, wer diesen Gedenkstein und aus welchen Gründen gerade hier errichten ließ und wem er gewidmet ist.

Schon die erste Zeile der Inschrift lässt aufhorchen, zumal darin einem „treuen Giswanderer“ gedacht wird. Ein Umstand, der den Verfasser dieses Artikels neugierig machte, da dies die einzige mir bekannte Auszeichnung ist, die einem regelmäßig die Gis besuchenden Wanderer zuteilwird. Diese Ehre gebührt dem Regierungsrat Josef Pfund, dem der Stein anlässlich seines Ablebens im Jahre 1936 gesetzt wurde. Der Genannte war seinerzeit der Direktor der Linzer Tabakfabrik und als Obmann des Brucknerbundes der Ortsgruppe Linz und stellvertretender Vorstand des Sängerbundes Frohsinn eine bedeutende Persönlichkeit. Darüber hinaus war er Präsident der im Jahre 1919 gegründeten „Neuhofer Gemeinde“, jener Institution, die laut Inschrift den Gedenkstein gesetzt hat und - auf die Tonkunst hinweisend – mit einer Lyra gekennzeichnet ist. Bei dieser Vereinigung handelt es sich um einen Förderungsverein, der zugunsten des Linzer Komponisten Franz Neuhofer (1870 – 1949) gewirkt hat, womit wir zum eigentlichen Kern unserer Nachforschung gekommen sind.

Der in Freistadt/OÖ geborene Tondichter war von Beruf Gesangslehrer an mehreren Schulen, Domorganist am Alten und Neuen Dom in Linz, Chormeister des Sängerbundes Frohsinn und darüber hinaus als Turnlehrer tätig. Sein kompositorisches Werk war von Anton Bruckner, den er noch persönlich gekannt hatte, beeinflusst. Seine umfangreiche Tätigkeit führte allerdings wegen Überanstrengung zu einer schweren Erkrankung. Sein Hausarzt riet ihm daher öfteres Ausspannen und Bewegung im Freien. So besuchte er viele Jahre hindurch regelmäßig einmal in der Woche die Giselawarte und kehrte dann sicherlich beim Hengstschläger im heutigen Gasthaus zur Gis ein, wobei sich ihm Freunde, Verehrer und Schüler anzuschließen pflegten. Dieser Hausberg der Linzer mit seinen Naturschönheiten und der gesunden Höhenluft spiegelt sich auch in so manchem Werk Neuhofers wieder, zumal sich nunmehr seine Gesundheit festigte und seine fruchtbarste Schaffensperiode begann. Hierbei unterstützte ihn die Neuhofer Gemeinde unter ihrem Präsidenten Josef Pfund kräftig und sorgte für die Drucklegung seiner Werke. Neben der Kirchenmusik, seinen Chorwerken und den Lieder-Zyklen gedachte er auch seiner Wanderungen auf die Gis. Es entstanden z.B. die Werke „Gis-Stimmungslied“, „Gis-Neujahrsgruß“ und „Auf der Gis“, sowie die „Gis-Symphonie für großes Orchester, Opus 222, deren 4 Sätze stimmungsvoll mit „Bergwandern“, „Sinnendes Schauen“, „Bergfreude“ und „Abstieg und Rückblick“ bezeichnet sind. Die Noten und Partituren der gesamten Werke befinden sich im Nachlass des Komponisten, der im OÖ Landesmuseum aufbewahrt wird.

Zum Ableben seines wichtigsten Unterstützers und treuen Wanderbegleiters auf die Gis, schuf er das „Postludium samt Fuge in Memoriam Josef Pfund“ als klingendes Denkmal und ließ darüber hinaus den Gedenkstein auf der Gis zur sichtbaren Erinnerung errichten.

Die Werke Neuhofers waren während des Krieges im Schloss Weinberg gelagert und durch Kriegseinwirkungen teilweise vernichtet. Dies traf insbesondere auf die im Jahre 1936 geschaffene Partitur der Gis-Symphonie zu, welche er nach dem Krieg rekonstruierte und der Stadt Linz widmete. Ein Jahr später schloss er seine Kompositionstätigkeit mit dem Adalbert Stifter Zyklus ab und verstarb 1949. Seine letzte Ruhestätte befindet sich im Linzer Barbarafriedhof (Sektion 13, Nr. 249), wo er in einem Ehrengrab der Stadt Linz bestattet ist.

Bei der Jahreshauptversammlung des Alpenvereines Linz am 05. 04. 2019 wurde das Lied „Auf der Gis“ von der Familie Jaeger, die für die musikalische Umrahmung sorgte, intoniert, wofür sich der Verfasser dieser Zeilen und die Zuhörer mit Applaus reichlich bedankten.

Großer Dank gebührt auch Frau Mag. Magdalena Wieser (Bibliothek des OÖ Landesmuseums), welche mir die Einsicht in den Neuhofer-Nachlass ermöglichte.

Dr. Kurt Lauf

 
 
 

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