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Kletterhallenumbau 2007

Es ist August, der Beginn der neuen Hallenklettersaison steht mit Anfang September bevor,
es wird also Zeit, sich um die Leoganger Kletterhalle anzunehmen. Umso
angenehmer überrascht mich die Edersche Initiative, das Abschrauben und
Waschen der Griffe anzugehen, da dies ja doch in gewisse Weise in meine
Zuständigkeit fällt und für diese Schufterei mit den im Lauf des letzten
Jahres fürchterlich dreckig gewordenen Kunstharzgebilden ohnehin nur schwer
jemand zu gewinnen ist. Das Regenwetter am Freitag nach Mariae Himmelfahrt
kommt dafür gerade gelegen, also treffen Hias und ich uns um 11 Uhr im lichten
Vorraum  des Turnsaals der Leoganger Hauptschule, mit Akkuschrauber,
Hochdruckreiniger, Besen, Handfeger, Kehrschaufel und jeder Menge anderem
Zeug ausgerüstet, das sich schon früher als nützlich für ein solches Vorhaben erwiesen
hat. Die Arbeitsaufteilung sieht vor, dass Hias die Griffe waschen wird, die
ich, Wandteil für Wandteil, herausdrehen werde. Bevor wir uns ans Werk machen,
statten wir aber dem benachbarten ADEG Markt einen Besuch ab, um noch zu einer
Stärkung und an einen jener zum Griffewaschen so attraktiven Einkaufwägen zu
kommen.

Nach der Jause schlüpft Hias in die "Gelbe", zieht Gummistiefel and  und setzt den
Hut seines Vaters auf. In dieser Montur verbringt er den ganzen Tag im Regen
am Hochdruckreiniger und reinigt mit Hochdruck den nicht kleiner werden
scheinenden Berg and hellblauen, dunkelblauen, roten, hellgrünen, dunkelgrünen,
schwarzen, weißen, rot-weiß gescheckten, braun gefleckten, beigen, gelben,
orangen und rosa Griffen. Ein dreifach Hoch dem Erfinder des Melkfetts, ohne
das sich Matthias' Hände im Laufe der Stunden in der nassen Umgebung bestimmt
aufgelöst hätten. Mag sein, dass manch Kletterer noch auf den Melkfettresten
auf den Kunstgriffen ausrutschen wird, die Verwendung des Melkfetts möchte ich
wortspielerisch selbst als Kunstgriff bezeichnen. Herauszuheben ist an dieser
Stelle die Präzision der Reinigung: Hias belehrt mich, dass der rotierende
Wasserstrahl besser reinigt als der nicht-rotierende. Das war mir bei meinen
Waschversuchen im vergangenen Jahr natürlich nicht bewusst.

Während Hias also der Chinesischen Wasserfolter vor der Turnhalle trotzt, die
mit der größten Gemeinheit die einzige wasser-verwundbare Stelle an seinem Körper gefunden hat,
nämlich den ungeschützten Nacken, scheuert mein Klettergurt nach Stunden des
Herumhängens in den überhängenden Wandteilen die Haut an der Hüfte auf. Den
Versuch, die mehrere Millimeter dicke Schicht aus Staub, Gummiabrieb, Magnesia
und abgestorbenen Hautzellen, die sich seit Jahren auf den Simsen unter den
großen Glasfronten des Raums angesammelt hat, mittels Besen und Kehrschaufel
abzutragen, habe ich sofort wieder aufgegeben. Nicht ohne Atemmaske und
professionellem Werkzeug werde ich mich dieser grauenhaften Substanz noch einmal
nähern! Dafür habe ich zum x-ten mal die zwei Kübel mit Griffen befüllt und zu Boden gelassen,
nur um ihnen zu folgen und sie auszuleeren, damit der Haufen an zu waschendem
Plastik nicht kleiner wird. Das Getüdel aus dem Radio begleitet mein Werken;
im Lauf der vergangenen 4 Stunden habe ich ein und dasselbe Lied bestimmt 4
mal gehört - so ein unglaublich einfallsloses Sendeprogramm, wie muss ein
Radiomoderator beschaffen sein, dass er aus einem Vorrat von Millionen von
Liedern und Nummern immer dieselbe Musik auflegt? Den Sender zu wechseln bin ich aber zu faul.
Gegen 15 Uhr glaubt Hias, mir gegenüber Oberwasser zu gewinnen, die Menge
noch zu reinigender Stücke nimmt schneller ab als neue Schmutzstücke
hinzukommen. Eine Überschlagsrechnung ergibt, dass bis 18 Uhr alle Griffe sauber und die
Kunstwände leer sein müssten. Zeit also, eine Pause einzulegen und ein Bier zu
trinken. Hias wehrt sich zwar geschlagene zwei Minuten gegen den Alkohol,
öffnet dann aber auch eine Flasche.

Nach der kurzen Rast muss Hias, der nunmehr auch den letzten Fleck nackter Haut am Nacken mit einem
Stück Plastiksack geschützt hat, gegen 17 Uhr akzeptieren, dass ich meine
Ausschraubtechnik perfektioniert und das Arbeitstempo nocheinmal gesteigert
habe, sodass der Griffberg im Zentrum der Kletterhalle wieder schneller
gewachsen ist als er von ihm abgetragen werden kann, an ein Ende der Reinigungsarbeit an
diesem Freitag also doch nicht gedacht werden kann. So unwahrscheinlich es auch
ist, eine Art Ehrgeiz packt den Mann im gelben Ölzeug, er will die Arbeit
erledigt wissen und sich dazu auch noch am Samstag Vormittag Zeit dafür
nehmen. Während ich den vermeintlich letzten Griff aus der flachen Wand
schraube, sage ich meine Unterstützung zu, obwohl ich meine Hüftknochen kaum
noch spüre; aber einen Freund lässt man bei so einer Arbeit nicht allein. Um 19 Uhr
beenden wir schließlich diesen intensiven Arbeitstag, und während die Musiker
für das freitägliche Platzkonzert, das wegen des Schlechwetters ausnahmsweise
in der Turnhalle angesetzt ist, eintrudeln, gönnen wir uns das zweite Bier
dieses Tages. Circa bei der Hälfte der Flasche angekommen, fällt mein Blick
auf einen schwarzen Griff in der Wand in etwa 3,5 Meter Höhe: ein Überbleibsel
aus Hermanns famoser 5+ (mit Kante), sonst 6+ Route des vergangenen
Jahres. Ich habe wirklich einen Griff übersehen! Dank der herumstehenden
Leiter kann ich aber diese Scharte noch auswetzen, es hätte mir keine Ruhe
gelassen. Während wir im schnell hereinbrechenden Halbdunkel sitzen, unser
Bier austrinken und den Klängen des Platzkonzerts im benachbarten Saal
lauschen, treten die zwei hübschen Marketenderinnen der Musikkapelle Leogang an uns
heran und bieten uns ein Schnapserl an, das wir gern annehmen. Dies ist, von
Hias im gelben Anzug abgesehen, bestimmt der attraktivste Aspekt und
angenehmste Augenblick eines alles in allem doch sehr unattraktiven Freitags
in der Leoganger Kletterhalle.

 

Stefan Steidl

 
 
 

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