Sektion Leogang

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Fränkische Schweiz

19.04.2004 / Stefan Steidl Kletterausflug der Jungmannschaft Ostern 2004

 

 

Nachdem unsere Reise länger gedauert hat als ursprünglich geplant - Gärtnerarbeiten auf der Autobahn waren an den Verzögerungen schuld - treffen wir schließlich am Dienstag um drei Uhr Nachmittag in der Fränkischen Schweiz ein, wo uns ein grauer Himmel und eine kühle Brise erwarten. Keine wirklich Verbesserung zum kalten Wetter zuhause. Wir sind aber äußerst motiviert und fahren schnurstracks zum Weißenstein bei Neuhaus an der Pegnitz, einer Wiege des Sportkletterns. Der Palfen liegt direkt neben der Straße, was die Zustiegszeit auf etwa 10 Sekunden verkürzt. Man fällt quasi vom Autositz direkt vor den Einstieg. Der Fels hat etwas von einem faulen Schwammerl: ein schöner, überhängender Pilz aber komplett durchlöchert, woran hier jedoch keine Würmer Schuld sind. Daneben gibt es auch noch einen senkrechten bis leicht überhängenden Wandteil mit schönen Touren für diejenigen, die sich nicht sofort in die Löcher im Wulst hängen wollen. Nach wenigen Minuten Nahrungsaufnahme machen wir uns dann auch gleich über den Fels her und so manchen überkommt ein Ehrfurchtsschauer wenn er in eine Tour einsteigt, deren Erstbegeher einen so klingenden Namen wie Kurt Albert oder gar Wolfgang Güllich hat. Diejenigen, die auf den Spuren der ehemals besten Sportkletterer der Welt wandeln sind die zumindest in Leogang nicht minder berühmten Gimpl Brüder Martin und Thomas, die Schallner-Buam Matthias und Hermann, der Legionär und Salat-König Chytra Roland und der Senior aus Hütten Steidl Stefan. Die bereits auf der Hinfahrt geäußerten Befürchtungen, wir könnten zum Klettern zu spät dran sein, bewahrheiten sich Gott sei Dank nicht. Wenige Stunden später, noch lange vor Einbruch der Dunkelheit sind wir fertig und können vom bekanntesten Fels des Frankenjuras Richtung Betzenstein abrücken. Dieses kleine Städtchen kann direkt als Vorreiter im Sommertourismus bezeichnet werden: wo sonst Verbotstafeln wegen Campierens drohen werden wir hier am Parkplatz vor dem Schwimmbad von einer Tafel mit einer Sonne herzlich willkommen geheißen und zur Benützung von WC und Dusche im Freibad eingeladen. Nur schade, dass das Bad nach dem Winter noch in einem desolaten Zustand ist und erst wieder instand gesetzt werden muss. Uns macht das aber gar nichts aus, nur die zwei riesigen Hunde eines anderen Besuchers, die unsere Ankunft argwöhnisch beobachten, geben uns anfangs zu denken. Weil es hier aber recht ruhig ist und wir mit dem Platz sehr zufrieden sind, schlagen wir unser Lager für die heutige und alle folgenden Nächte auf. Für die vier unter uns, die im Freien schlafen, gibt es nebenan sogar ein Fußballfeld mit Vereinshäuschen, das eine verflieste Veranda mit Vordach besitzt. Auf diese Weise sparen wir uns sogar das lästige Auf- und Abbauen unseres Zeltes. Man kann durchaus behaupten, dass wir einen reichen Schatz an Camping-Erfahrung besitzen und die Ausrüstung, die Mascht in seinem Bus transportiert, beinahe perfekt ist. Wenn man davon absieht, dass die Gasbuddel ausgerechnet hier und gleich am ersten Abend in der ersten Minute leer wird, haben wir alles dabei, was einen angenehmen Aufenthalt und freiem Himmel ermöglicht. Ein zweigängiges Menü mit Chefsalat vom Küchenmeister Roli und Vollkornnudeln mit Oliven-Tomaten-Sugo, dazu das eine oder andere Döschen Bier lassen uns zufrieden und ziemlich heiter in unsere Schlafsäcke kriechen. Die Nächte sind zwar noch frisch, besonders für jene, die unter dem Druck von Ottakringer Bier das Lager während der Nacht kurz verlassen müssen, aber lange Unterhosen, Fleecejacken und Hauben schenken uns trotzdem süße Träume. Der folgende Tag beginnt so grau, wie der vorige geendet hat, aber ein paar blaue Flecken am Himmel stärken die Hoffnung, dass wir heute doch noch die Sonne zu Gesicht bekommen würden. Nach dem Frühstück und einer Hackysack-Partie zum Warmwerden fahren wir zunächst einmal nach Pottenstein auf Kaffee und Klo. Mascht, der seinen Five Ten ruiniert hat und jetzt eher mit einem Five Zeh'n klettert, findet sogar ein Klettergeschäft, das allerdings das Modell, mit dem er liebäugelt, nicht führt. Somit klettert er doch lieber mit einem gewaltigen Loch in der Schuhsohle weiter, was seine Leistung in diesen Tagen aber nicht zu schmälern scheint. Vom Verkäufer bekommen wir anstatt Schuhen ein paar Tipps für südseitige Felsen. Wir entscheiden uns für den Röthelstein, obwohl Hias, der den Fels bereits kennt, eher skeptisch ist. Naja. Inzwischen ist die Sonne herausgekommen und verwöhnt uns von dieser Stunde an mit Licht und Wärme. In dieser herrlichen Frühlingsstimmung kurven wir kreuz und quer durch die Gegend auf der Suche nach dem Röthelstein und sehen ganz viel Landschaft - aber kein Klettergebiet. Wer den Kopf schüttelt wegen unserer Unfähigkeit, trotz Karte den richtigen Weg zu finden, der soll selbst einmal versuchen in der Frankenjura auf direktem Weg von A nach B zu kommen! Irgendwann stoßen wir dann doch auf den Mini-Ort Urspring und den Parkplatz, der zum Klettergarten gehört. Der Röthelstein ist einer der größten Felsen des Frankenlandes, zumindest was die Länge betrifft. Hoch ist er aber auch nur 40 Meter und so ist es nicht verwunderlich, dass man zunächst einmal nur Wald sieht und ziemlich überraschend plötzlich vor der Wand steht. Der Hauptteil des Massivs ist leider zur Zeit wegen Vogelbrütens gesperrt. Überhaupt kann es einem hier sehr leicht passieren, dass man unvermutet vor kurzfristig gesperrten Felsen steht. Die armen Vöglein müssen vor den wilden Kletterern geschützt werden. Ob die dröhnenden Tiefflieger der U.S. Army vielleicht zur Überwachung der Schutzgebiete eingesetzt werden und die Vogelbrut somit beruhigter in ihren Nestern sitzt? Wir klettern hier ein paar Routen und stellen fest, dass wir anscheinend in einem Traditionsgebiet gelandet sind: viele Touren müssen noch selbst abgesichert werden und haben gar keine Haken. Tommi erspäht Friends und Keile am Gurt eines Traditionalisten und ist schon versucht, sich das Material auszuleihen um im überhängenden Devils-Crack einen kleinen Exorzismus zu praktizieren. Er kann dann aber doch überzeugt werden, dass wir hier zum Klettern nicht unbedingt Friends in Übergröße schnorren müssen. Nicht 100%-ig überzeugt ziehen wir am späteren Nachmittag noch in die Bärenschlucht, um dort die letzten Strahlen der untergehenden Sonne aufzuschnappen. Hermann verhindert mit einem gekonnten Sturz die Abwertung einer Tour durch den Kletterführer-Autor Bernhard Thum, der der Szene höchstpersönlich beiwohnt, und Stefan überzeugt sich einmal mehr davon, dass die Frankenjura-Kletterer offenbar entmenschte Wesen sind, die ihre Finger in schlechte Zweifinger-Löcher stecken und diese dann auch noch halten können. Leicht ernüchtert kehren wir zurück nach Betzenstein und beschließen, den Abend im Wirtshaus bei der einen oder anderen Fränkischen Bierspezialität zu verbringen. Direkt vor dem Eingang stoßen wir auf Claus und Martina, die auch für ein paar Tage zum Klettern gekommen sind. Es wird ein netter und erstaunlich billiger Abend: die Halbe Weißbier gibt's um 1.90 Euro und leckeres Essen kostet auch nur zwischen 3 und 6 Euro. Als Draufgabe haben wir es dann noch mit einem angetrunkenen Oberfranken zu tun, der aber sehr nett ist und uns - soferne wir ihn verstehen - eine Einführung in die politische Aufteilung Bayerns gibt. Merke: Franken sind keine Bayern. Weil am Drehfußball-Tisch nur Platz für 4 Personen ist, wo sich die am nächsten sitzenden Personen sofort hinverziehen, und Claus und Martina sich bereits zurückgezogen haben, frißt es dann Hias und Stefan, sich mit dem gemütlichen Oberfranken am Tresen zu unterhalten. Der lädt uns schließlich noch ein, am nächsten Tag an "seinem" Leupoldsteiner Felsen zu klettern, allem Anschein nach der tollste Felsen überhaupt. Wir tun interessiert, verabschieden uns herzlich und marschieren unter sternenklarem Himmel schnurstracks in unsere Schlafsäcke. Tommi überrascht uns am kommenden Morgen mit einer Weisheit: nach dem Aufwachen muss man noch mindestens eine halbe Stunde im Schlafsack liegen bleiben. Er beherzigt das auch und bleibt als Einziger dem Frühstück bis zum Schluß fern. Claus besitzt Didi Sinnhubers Frankenjura-Führer, eine Art Bibel in die auch ganz neue, in keinem Führer enthaltenen Gebiete eingeklebt sind, sozusagen wahre Geheimtipps. Und für so einen Felsen entscheiden wir uns dann auch: die Soranger Wand. Lustigerweise stoßen wir hier das einzige mal während des Urlaubs auf einen Haufen Leute. Der Fels schaut ganz gut aus, und der Erschließer hatte sicher seine helle Freude damit. Die Wandhöhe von 5 - 10 Meter erlaubt bequemes Erschließen von der Stehleiter aus. Aber man darf sich nicht täuschen lassen: im überhängenden Gelände ist die Kletterlänge größer als die Wandhöhe und man sitzt ganz schnell mit aufgepumpten Armen im Seil und wundert sich, dass es noch so weit zum Umlenkhaken ist. Die Wand gefällt uns und der umgebende Wald ermöglicht Minuten der Einsamkeit für diejenigen, die es nötig haben. Trotzdem verlassen wir den Ort nach ein paar Stunden und fahren zu einem anderen klassischen Klapf: dem Richard-Wagner Fels. Hier hat Kurt Albert vor etwa 20 Jahren die erste Tour im glatten neunten Grad eröffnet: den Magnet. Wer die Züge probiert wird (wie leider hunderte Kletterer vorher) feststellen, dass man damals nicht leichtfertig mit der Zahl IX umgegangen ist. Die Route wartet mit einer knallharten Stelle auf und die Hakenabstände sind sportlich. Die vorhande Kraft teilen sich zu 50 Prozent Unterarme und Psyche. Das ist aber für beide zu wenig, stellen wir fest. Lange können wir uns hier nicht aufhalten, oder besser gesagt: halten. Wir geben zweimal unser Bestes und ziehen schließlich kraftlos von dannen. Der Abend ist diesmal ein wenig länger, aber Roli nützt die Zeit gut für einen üppigen, wunderbaren Salat und statt Nudeln mit Tomatensauce gibt es diesmal was ganz anderes: Reis mit chinesischer Sauce süß-sauer. Nebenbei wird der Palette Ottakringer der Garaus gemacht. Danach alles wie gehabt: Vereinshaus, Vordach, Bewegungsmelder verhängen, Lager aufbreiten, reinlegen, schlafen. Eventuell einmal in der Nacht aufstehen. Am Freitag ist es bereits in der Früh richtig warm und wir können uns erlauben, ohne Haube am Frühstückstisch zu sitzen. Der eine oder andere hat bereits sogar die Daunenjacke abgelegt. Heute frühstücken wir richtig früh und kommen auch schon früh zum Wegfahren. Unser Ziel ist der Rote Fels in der Nähe von Velden. Ein Teil der Felsen ist auch hier wegen brütender Vögel gesperrt, aber es gibt immer noch genug Platz für uns Kletterer. Die Wand ist beeindruckend hoch und steil und bietet Routen für jedermann/jederfrau. Einige Routen bieten Spaß auf über 30 Meter Länge und sogar die Absicherung ist so, dass die Schlingen knapp werden. Zum ersten Mal übersteigt die Anzahl der Zwischensicherungen die magische Zahl 5. Wir vergnügen uns an Leisten und Leistchen, aber auch an Bäuchen mit einer verschwenderischen Fülle an Löchern. Leider melden sich die Finger immer schmerzhafter in Erinnerung und einige der Routen können wir dann leider nur noch mit unseren Augen klettern. Im Vergleich zu gestern machen wir hier in einer einzigen Route dieselben Höhenmeter wie den ganzen Vormittag an der Soranger Wand. Claus und Martina müssen am Nachmittag bereits zurückfahren, und Roli schließt sich ihnen notgedrungen an. Er vererbt uns Salat und den Rest seiner Vorräte und bricht so gegen 4 Uhr auf. Auch wir brechen auf zurück nach Betzenstein, nützen die Zeit aber zu einer ausgedehnten Wäsche. Die ganz Harten kommen mit einer Hand- und Fußwäsche aus, wer es nicht mehr aushält wäscht noch mehr Körperteile und wechselt sogar die Unterhose. Und weil wir jetzt so sauber sind genehmigen wir uns auch gleich ein Abendessen in einer fränkischen Wirtschaft. Gleich oberhalb des Schwimmbad-Parkplatzes gibt es einen Gasthof mit Terrasse, die von der Sonne bis zu ihrem Untergang beschienen wird. Dort verbringen wir den Großteil des letzten Abends unserer Frankenjura-Fahrt. Zuletzt hocken wir dann in Mascht's Bus und spielen Uno, eine Tankstelle für die nötige Verpflegung haben wir zuvor auch noch gefunden und besitzen somit alles, was man für einen gemütlichen Abend zu fünft in einem VW-Bus benötigt. Den freigewordenen Schlafplatz im Bus bekommt Tommi, aber der taucht dann doch mitten in der Nacht vor dem Vereinshaus auf und reklamiert seine Matratze von Hermann zurück. Am Abschlußtag entscheiden wir uns für den Zehnerstein im Obertrubachtal. Der Führer spricht von einem klassischen Fels, an dem so mancher Franke das Klettern gelernt hat. Der Fels sieht auch tatsächlich toll aus, leider scheint er auch eine Anziehungskraft auf einen selten gewordenen Vogel zu haben. Als wir am Palfen ankommen stoßen wir nämlich auf eine Kletterverbots-Tafel. Irgendwer meint, wir könnten dem Vogel den Garaus machen, dann hat es sich mit dem Vogelschutz, aber schlußendlich geben wir uns mit den Touren an der Westseite und der Ostseite der Felsnadel zufrieden. Den Gipfel ziert ein eindrucksvoller, übermannsgroßer Felshaken, der mit der Spitze im Fels steckt. Wir lästern und stellen uns vor, dass man zur Seilumlenkung durch die Öse schlüpfen muss. Tommi schleicht um den Fels herum und singt:"Geh weg mit deinem Popo, geh weg mit deinem Titi..." und "Aaaaaaaabrakadabraaaaaaa", wird aber sogleich von Hermann verwarnt. Nach dem Aufwärmen in der Hitze dieses Vormittags begeben wir uns einen Kilometer bachaufwärts zu den Bleisteinen, wo nocheinmal ein Highlight klassischer Touren auf uns wartet. Hias findet ein Projekt, eine schwere 8- von Kurt Albert, unten senkrecht mit Leisten, oben überhängend und weite Griffabstände. Das ganze wird mit 5 Bühlerhaken abgesichert, was man mit Fug und Recht als spartanisch bezeichnen kann. Aber die Tour ist super und das Leuchten in Hias' Augen verrät, dass er hier sicher bald wieder am Einstieg stehen wird. Überhaupt ist es ein wunderschöner Flecken: der Fels das sind ein paar enorme Klötze im lichten Wald, 30 Meter weiter unten liegt die sonnenbeschienene Wiese durch die sich die Trubach schlängelt, einfach schön. Wer kann, der holt sich hier noch einmal ein befriedigendes Rotpunkt-Erlebnis, bevor die Finger endgültig ihren Dienst aufkündigen. Wir packen irgendwann am Nachmittag zusammen, verdrücken unsere letzten Vorräte, malen uns aus was passieren würde, wenn einer der unzähligen Motorradfahrer ausgerechnet in der Kurve, an deren Ausgang wir sitzen, die Herrschaft über sein Motorrad verlieren würde, und stellen uns auf die stundenlange Rückfahrt ein. Noch glauben wir nicht, dass zuhause die Sonne nicht scheinen könnte. Drei Stunden später führen uns dann ein paar Regenspritzer vor Augen, dass wir uns darin getäuscht haben.

 
 
 

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