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TEAM - Eine Woche Chamonix

erstellt am 10.07.2019 / Kategorie TEAM

Domenic Barbist
„Früher Aufbruch – frühe Rückkehr!“. Zuwiderhandeln wird oft mit Steinschlag, nassem Schnee und Gewittern bestraft

Tag 1. Eile mit Weile

Die Minuten vergehen wie der Schnee im Juni und ich schaue von der Innbrücke aus den schäumenden Schmelzwasserfluten nach. Dann biegt endlich der dunkele AV-Bus ums Eck und sammelt mich und meine zwei Rücksäcke auf. Eine gewaltige Woche wird es werden, in der wir, die jungen Alpinisten, die Berge und Felsen in Chamonix am Fuße des Mt. Blanc kennenlernen sollten. Über diese Woche, unsere Touren, Eindrücke und Erfolge möchte ich hier erzählen.

Zu neunt sind wir diesmal, inklusive unserer drei Mentoren Alex, Much und Mots. Die sieben Stunden von Innsbruck bis an den Ort des Geschehens vergehen dann relativ rasch. Ein Jugendhostel der UCPA sollte unser Basislager für die kommenden Tage sein. Nicht nur die Zimmer, das reichhaltige Buffet und die nette Atmosphäre, sondern auch die kostenlosen Liftkarten sorgen für perfekte Rahmenbedingungen. Nach dem Check-In wird dann auch gleich mit der Tourenplanung für den nächsten Tag begonnen. Ein Ziel war schnell gefunden; es sollte das Whymper-Couloir auf die Aiguille Verte sein, einer der prominentesten Viertausender von Chamonix.

Tag 2. Gang übers Eismeer

Heute nur ein Hüttenzustieg, aber was für einer. Am Vormittag wurde gepackt, eingeteilt und die Tourenbeschreibung studiert. Aus dem Chaos in den Zimmern strukturierten sich langsam volle Rucksäcke und am frühen Nachmittag konnten wir schließlich in den Zug Richtung Montenvers steigen, der uns zum Mer de Glace auf 1900m bringen sollte. Da diese Eisfläche in den letzten Jahrzehnten aber deutlich geschrumpft ist, muss man heute gut 150 Höhenmeter über eine steile Leiter absteigen und auf der anderen Seite weiter stromaufwärts wieder hinaufklettern. Auf den gewaltigen Eismassen, die vom Mt. Maudit, den Jorasses und vielen weiteren Gipfeln hier zusammenfließen, wanderten wir taleinwärts der Couvercle-Hütte zu. Dort saßen wir staunend der Grandes Jorasses gegenüber, deren Nordwand von hier exzellent eingesehen werden kann. Der optimalen Vorbereitung willen erkundeten wir dann auch noch den ersten Abschnitt unserer morgigen Tour ehe es nach dem Abendessen ab in die Federn ging. Wir sollten nämlich früh starten.

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Tag 5. Just in time

Verdammt! Jemand hat das Fenster offen gelassen. Zum Glück hat unser Hostel auch einen Trockenraum, sonst hätte ich in nassen Schuhen das Chéré-Couloir hinauf klettern müssen. Der Masterplan für heute sah nämlich vor, auf die Aiguille du Midi zu fahren, um von dort eine der vielen Routen auf den Mt. Blanc du Tacul zu probieren. Nachdem es anfänglich so aussah, dass das Wetter dieses durchdachte Vorhaben durchkreuzen könnte, standen wir schließlich doch mit einer Gruppe Asiaten in der Gondel und schwebten, besser gesagt schossen hinauf auf die Midi. Diese Bahn machte auf alle großen Eindruck und kann als technische Meisterleistung gelten, legt sie doch in nicht einmal 15min 2,8 vertikale Kilometer zurück. Hinaus geht´s nun auf einen ausgesetzten Firngrat, der heut aber in dichten Nebel gehüllt ist. Auf dem Gletscherplateau unterhalb des Tacul bessert sich endlich das Wetter. Wir steigen bei besten Bedingungen in die steile Eisrinne des Chéré-Couloirs ein. Ein paar leichte Eislängen gespickt mit Mixedpassagen leiten uns auf den Gipfelgrat. Vor dem höchsten Punkt queren wir aber in eine steile Firnflanke auf den Normalweg und steigen zurück zum Einstieg, um noch rechtzeitig die letzte Gondel zu erreichen. Eine Entscheidung, die wir nicht bereuen; denn kurz bevor wir die Bergstation erreichen, zieht uns ein mächtiges Gewitter entgegen. Da nehmen natürlich alle die Beine in die Hand und eilen den schmalen Firngrat zur Station hinauf. Die dünne Luft und die nicht ganz leichten Rücksäcke tun ihr übriges. Keuchend sitzen wir in Sicherheit, während es draußen ordentlich rumpelt. Als die Bahn dann endlich mit uns unten ankommt, schüttet es wie aus Kübeln.

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Tag 3. Mönch, Nonne, Bischof, Kardinal  - Verte

Das Gesetz der Westalpen lautet: „Früher Aufbruch – frühe Rückkehr!“. Zuwiderhandeln wird oft mit Steinschlag, nassem Schnee und Gewittern bestraft. Dem zu entgehen läutet unser Wecker schon um 00:00. Bis jeder kultiviert, bewirtet und adjustiert ist vergehen nochmal 45min. Im Schein der Stirnlampen bahnt sich unsere neunköpfige Laternenwanderung dann den Weg über den Gletscher, vorbei an den felsigen Vorgipfeln der Verte, deren Namen im Titel erwähnt sind. Endlich ein erstes Aufbäumen, wir sind am Einstieg zum Couloir. Rechterhand überwinden wir eine kurze senkrechte Stufe im Eis und gelangen so über den Bergschrund. In Dreierseilschaften und am laufenden Seil steigen wir nun höher. Die Nacht war klar, mondhell und ungewöhnlich mild. Der Schnee hatte zwar einen Deckel, darunter aber rauschte das Wasser und bisweilen brach man auch bis zu den Knien in die grießlige Substanz ein. Ein wenig gebremst durch die dünne Luft und das durchgängige Sichern erreichen wir knapp sechs Stunden nach Aufbruch den Gipfel auf 4122m. Großartig ist das Panorama, großartig auch die alpine Landschaft hier oben und vor allem der Tiefblick bis nach Chamonix. Hinunter geht´s auf demselben Weg; zuerst am kurzen Seil über den Gipfelgrat, dann in ca. 17 Abseilern durchs Couloir hinunter und auf dem Gletscher zurück zur Hütte. Dort liegen wir noch ein wenig in der Sonne ehe wir zurück über die Leitern und das Mer de Glace nach Chamonix gehen.

Tag 4. Föhnen

Unsere Beine fühlen sich erschöpft und müde an. Deshalb wird heute geföhnt; mit der Seilbahn hinauf auf den Brevent, abseilend zu dessen Wandfuß und kletternd wieder hinauf. Dann wird wieder zurückgeföhnt nach Chamonix, wo schon ein paar saftige Burger warten. Leider muss ein Teil der Gruppe heute schon wieder zurück nach Hause. Zu fünft bleiben wir zurück und genießen unseren Rasttag, während die anderen mit dem dunklen AV-Bus gen Innsbruck föhnen.

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Tag 6. Ein Ziel muss her!

Was bei uns hier unten als Regen ankommt, hat über Nacht die Welt über 3000m in ein Winterland verwandelt. Daher müssen wir umdisponieren, zu gern wären wir auf einen weiteren Viertausender gestiegen. Etwas Neues, weniger Hohes musste her. Lange wurde diskutiert, dann endlich eine realistische Idee: Klettern an den Envers des Aiguilles, also im Gebiet der Envers-Hütte, die von traumhaften Granittürmen umsäumt wird. Zwei Routen waren auch sogleich gefunden, einmal die „Le merchand de sable“ an der Tour rouge und die „Bienvenue au Georges“ am Première pointe des Nantillons. Für heute stand dann noch der Zustieg zur Hütte an, den wir wieder von Montenvers starten. Doch vorher beschäftigt uns noch die Suche nach dem verschwundenen Geldbeutel. Nach ein paar aufregenden Minuten konnten wir ihn aber nach Ausschluss aller andern Möglichkeiten entdecken.

Tag 7. Der gute Granit zum Schluss

Aufstehen, noch schnell frühstücken, Gurt und Steigeisen anlegen und wir marschieren. Der Zustieg dauert keine 20min, dann stehen wir auch schon im besten Granit, den man sich vorstellen kann. Immer wieder sind Platten zu bewältigen, die von weitem völlig grifflos wirken, dann aber doch so viel Halt geben, um gerade höher zu kommen. Gegen Mittag bringen wir die letzte Seillänge hinter uns. Wir genießen die Sonne und die unvergleichliche Aussicht auf all die Bergriesen von Chamonix. Doch bald müssen wir auch schon wieder hinunter, um die letzte Bahn zu erwischen. Zurück an der Hütte treffen wir auf die anderen, die heute auch eine Klassiker auf eine steile Granitnadel geklettert sind. Nach der Brotzeit wird gepackt und der Abstieg in Angriff genommen. Am Mer de Glace gurgelt und rauscht es überall vom Schmelzwasser. Die letzten Leitern bewältigen wir im Flug und schon sitzen wir bei Bier und Burgern wieder in Chamonix und stoßen auf eine gewaltige Woche an.

Zum Abschluss noch ein herzliches Dankeschön an unsere drei Mentoren, die uns in diesen Tagen wieder einiges an Wissen vermitteln konnten und nicht nur nebenbei für eine heitere und entspannte Stimmung sorgten.

 
 
 
 

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