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TEAM - Rissklettern in Cadarese

erstellt am 08.04.2019 / Kategorie TEAM

Am 30. Mai heißt es wieder bald aufstehen, denn das nächste Abenteuer mit dem Junge Alpinisten TEAM steht vor der Tür. Wir haben uns für Cadarese entschieden, ein Risskletterparadies im Piemont in Norditalien. Da schon das letzte Update, Rissklettern in Bozen und am Stallersattel, ein wahres Highlight war, sind wir natürlich schon sehr gespannt.

Zu fünft starten wir mit dem neuen Bus der Alpenvereinsjugend von Innsbruck: Julian, Hannes, Georg, ich und Alex Blümel. Am Arlbergpass entdecken wir auch gleich einen schönen Riss und planen aufgeregt, hier beim Rückweg noch einen Zwischenstopp einzulegen – nichtsahnend, dass bald schon der ganze Körper schmerzen wird von unzähligen Rissen im besten Granit von Cadarese.

Bei einem Supermarkt in Domodossola, der letzten Stadt, bevor man ins Formazza-Tal fährt, treffen wir den Rest der Gruppe: Simon, Matthias Wurzer und Lisi Steurer. Die restlichen jungen Alpinisten sind leider verletzt oder müssen arbeiten. Von Obst über Kuchen über Bier kaufen wir noch die nötigen Lebensmittel für die nächsten Tage ein, hungrig wollen wir schließlich nicht werden. Von den letzten gemeinsamen Wochenenden haben wir außerdem gelernt, dass es gar nicht so einfach ist, bei so viel Material Ordnung im Bus zu halten. Also laden wir nach einem kurzen Blick über die Schulter zum Sound von Bad Boys einfach den ganzen Einkaufswagen ein – wir bringen ihn ja wieder bald zurück.

Unscheinbar liegen schließlich die Felsen von Cadarese vor uns, von der Straße ist es kaum verständlich, dass man eine sechsstündige Fahrt auf sich nimmt, um hier zu klettern. Doch nach dem kurzen Zustieg schlägt das Herz eines jeden Risskletterers höher. Hier reiht sich Riss um Riss in allen unterschiedlichen Breiten und Schwierigkeiten. Wir nutzen die verbliebenen Stunden des wolkenlosen Tages, um uns wieder mit dieser ungewohnten Disziplin des Kletterns vertraut zu machen.

Die angewandten Techniken unterscheiden sich schließlich grundlegend von der bei uns üblichen Form des Kletterns: anstatt sich an Griffen und Tritten hochzuarbeiten, versucht man hier, so viel Hautfläche wie möglich in den Riss hineinzustopfen und dann so zu verklemmen, dass man nicht aus der Wand rutscht. Hört sich schmerzhaft an? Nun ja, das ist es eben auch, aber je mehr man investieren muss, umso stärker das anschließende Hochgefühl.

Rissklettern ist vor allem eine Frage der richtigen Technik. Nach all den Jahren, die ich mittlerweile schon dem Klettern gewidmet habe, fühle ich mich hier wieder wie eine Anfängerin. Nur selten finde ich eine kleine Leiste in der glatten Wand neben den Rissen, aber begrüße sie jedes Mal mit Erleichterung. Einige der Routen in Cadarese müssen komplett mit mobilen Sicherungsmitteln abgesichert werden, andere sind eingebohrt und bieten somit einen idealen Einstieg, um diese unvertraute Bewegungsform etwas zu entschärfen.

Unser Zillertaler Hannes wird seinem Ruf als Sparfuchs wieder einmal mehr als gerecht, als er seine Kletterschuhe auspackt, die er selbst neu besohlt hat. Wirklich überzeugen kann er uns damit aber nicht und wir nehmen ihm das Versprechen ab, sie so bald wie möglich zu verbrennen.

Durch Nadelwälder und Alpenweiden fahren wir noch ein Stück weiter ins naturbelassene Formazza-Tal und schlagen unser Nachtquartier in einem ungenutzten Ferienlager auf. Die verlassenen Wagons, die überall herumstehen, und die fragwürdigen Verzierungen aus aufgehängten Puppen, erinnern etwas an die Kulisse eines Horrorfilms, doch der lange Tag, der hinter uns liegt, lässt uns dennoch tief bis in die Morgenstunden schlafen.

Am nächsten Tag steigen wir nach Yosesigo, einem anderen Klettergarten im Formazza-Tal, auf. Die Routen hier sind mit 40m Länge fast noch beeindruckender und machen den längeren Zustieg auf jeden Fall wett. Am Vormittag liegen die Felsen allerdings noch in der Sonne und es ist zu warm zum Klettern. Aber da dieses Wochenende ja eigentlich als Hochtouren-Update betitelt war und wir eher auf Grund ungünstiger Verhältnisse in den höheren Bergen auf Klettern ausgewichen sind, packen wir in der freien Zeit Karte und Kompass aus und beschäftigen uns mit den Grundfertigkeiten der Orientierung. Als die Bedingungen es dann zulassen, ziehen wir wieder die Risskletter-Handschuhe über und versuchen uns an den prachtvollen Bilderbuch-Linien. Neidisch beobachte ich Julian, der sich als wahres Naturtalent entpuppt und leichtfertig an der Wand hochsteigt, während ich mich wie ein Kartoffelsack fühle. Ich bin immer wieder versucht, auf die Piaz-Technik umzusteigen, da sich meine Finger nach echten Griffen sehnen, wo sie zupacken können, werde aber jedes Mal geschimpft. Auch Georg schlägt sich sehr gut, aber er ist sowieso ein echter Allrounder und auch schon das dritte Mal hier in Cadarese.

Da wir auch den folgenden Tag in Yosesigo verbringen wollen, sparen wir uns einen Teil des Zustiegs und übernachten in einer Hütte auf einer lieblichen Alm. Die Wirtin ist sehr nett, das Essen gut und der Abend erweist sich als sehr lustig.

Auch den Samstag, den letzten Tag, den wir mit Klettern verbringen, kosten wir voll aus, um unsere Finger und Hände in alle möglichen Arten von Rissen zu zwängen und obwohl sich meine Handrücken und vor allem die Füße schon gegen jede Felsberührung sträuben, bin ich etwas enttäuscht, dass wir nicht mehr Zeit haben. Wir alle haben viel dazugelernt und jede Menge neue Erfahrungen gesammelt.

Die Nacht auf Sonntag verbringen wir wieder unter dem Sternenhimmel am Parkplatz des Lago di Morasco, einem Stausee am hintersten Ende des Tals. Zahlreiche Touristen beobachten uns an diesem sommerlichen Tag, als wir über das Gelände der Staumauer springen, um die Seiltechniken bei Spaltenbergung zu üben und Orientierung mit Karte und Kompass wiederholen. Die Jungs lassen es sich auch nicht nehmen, noch ins kalte Nass zu springen.

Nach einer italienischen Abschlusspizza setzen wir uns schließlich müde, aber zufrieden in den Bus, jetzt kann ja nichts mehr schiefgehen. Nur die Kamikaze-Straße, die uns von Domodossola zum Lago Maggiore bringt und sich in etlichen Windungen durch die schmalsten Täler zwängt, und schließlich auch noch den Stau in der Schweiz haben wir nicht miteinberechnet und wir erreichen Innsbruck erst mitten in der Nacht. Morgen wartet wieder der Alltag mit Arbeit und Prüfungen auf uns, aber so sind unsere Unternehmungen nun mal: etwas chaotisch, aber (oder vielleicht genau deshalb) immer eine Menge Spaß.

Junge Alpiniste TEAM Cadarese
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