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Tuxer Alpen
Lizumer Hütte, 2.019 m Kategorie I , Ausgezeichnet mit dem Umweltgütesiegel
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Das Jahrbuch 2010 widmet sich den Tuxer Alpen als Schwerpunkt-Gebietsthema. Dem AV-Jahrbuch ist eine neue Sommerkarte der Tuxer beigelegt. Separat gibt es dazu eine Winterkarte mit den Skirouten.
Die Tuxer Alpen und eine neue Alpenvereinskarte Warum die „stillen Tuxer“ ihren Namen zu Recht tragen, welche Möglichkeiten sie besonders für den Skitourengeher bieten, aber auch welchen Gefahren dieser ursprüngliche und noch weitgehend intakte Naturraum ausgesetzt ist, wird im Karten- und Gebietsthema beschrieben. „Jahrhundertelang waren die Tuxer nur für Senner, Hirten, Bergleute oder Jäger interessant, heute sind sie unter anderem ein Drehkreuz internationaler Trekkingrouten“, beschreibt Gerald Aichner, einer der besten Kenner der Tuxer Alpen, das Gebiet zwischen Wipp-, Inn- und Zillertal.
Führer & Broschürenvon Gerald Aichner"Kristallführer" Vom Halltaler Salzkristall über den Wattner Glaskristall zum Lizumer Tuxer Bergkristall mehr Wanderführer der Region Hall-Wattens mehr Almläuten in der Lizum Hoch oben im Wattentale, schon am Übergang ins Navistal,
liegt die Alm Hochlizum, heute eine Vereinsalpe, deren Besitzer den Weidegrund
unter sich aufgeteilt haben und - jeder für sich - Ställe und Kaserhütten
unterhalten. Die Alpe mit ihren vielen wetterdunklen Hütten bildet gleichsam
ein ganzes Alpendorf, das freilich nur sommerlang behaust und bewirtschaftet
ist. Ein spiegelklarer Bach rinnt durch das Hochtal und treibt die zum
Schlegeln nötigen Wasserräder tüchtig um. Jahr für Jahr nun trifft es beim gemeinschaftlichen
Almabtrieb den einen oder anderen Senner, dass er mit seinem Zurüsten und
Räumen nicht fertig wird und als letzter von der Alm abtreibt, oft Tage später.
Und mancher zögert im Vertrauen auf gutes Wetter, es beim Abtrieb mit den
andern zu halten, und bleibt auf der verlassenen Alm mit seinem Vieh noch eine
Woche lang, und noch einen Tag und den andern dazu; aber ein gefährliches
Unterfangen bleibt es einmal ums andere, bei dem Hirt und Herde böse zu Schaden
kommen können, schneit es über Nacht die Alm ein und Steig und Steg zu. Auch
fällt es keinem leicht, selbst wenn das Wetter gut bleibt, auf der abgehausten
Alm einsam die Nacht zu verbringen; denn seltsamerweise geistert dann ein
heimliches Läuten und Klingeln über die ganze Hochlizum, noch in Hütte und
Stall laut zu hören, und um so lauter, je länger eins hinhört. Die Älpler
sagen, an diesem Geräusch und Getön sei das Kasermandl schuld; allemal nach dem
Abzug der Senner sei das Mandl Herr im Hochtal. Es geschah nun einmal, dass der Vogler Lois, ein wackerer
Bursch und tüchtiger Senn, als letzter mit dem ihm anvertrauten Vieh auf der
Alm verblieb; denn das gute Wetter dünkte ihn von einigem Bestand zu sein, und
der Weidegrund war noch reichlich grün und würde seiner kleinen Herde Futter
genug bieten. In der ersten Nacht, kaum dass der Lois in Schlaf gesunken war,
erhob sich lautes Schellengeläut und schreckte ihn vom Lager auf. "Dar
Teifl"! stöhnt er und denkt, er habe vergessen, dem Vieh die Schellen
abzutun. Verärgert zündet er die Stalllampe an und tappt hinüber in den Stall,
um den versäumten Dienst zu tun und sich und dem Vieh Ruh zu verschaffen. Aber
im Stall findet er alles in Ordnung; die Schellen sind versorgt, groß und
klein, hängen sie an der Wand, nicht eine fehlt, und so stille ists, daß er die
Tiere atmen hört. Der Lois schüttelt den Kopf und schilt über den dummen Traum,
der ihn aus dem Schlaf gerissen habe; tappt also wieder in seine Kammer zurück
und legt sich nieder. Aber kaum dass ihm die Augen zufallen, hebt das Klingen und
Läuten wieder an, und der Lois, abermals wach geworden, liegt da und horcht und
nimmt es ganz deutlich wahr. Fluchend räkelt er sich hoch vom Lager, stapft
wieder in den Stall und sagt sich im stillen: Die Kühe schlagen mit den Schwänzen
gegen die Glocken an der Wand; wirst sie höher hängen, dann lärmt es dich nicht
wieder aus der verdienten Ruh! So hängt er nun Stück für Stück die Schellen aus
dem Bereich der Kuhschwänze, brummt, er hätte gleich das erstemal dran denken
sollen, und kriecht wieder unter die Decken. Allein er hat sich auf seiner
Schlemm noch nicht recht ausgestreckt, da geht -- der Teufel hol's! - das
verwünschte Geläute wieder los. Einen Augenblick lang starrt der Lois dumm in
die Finsternis, dann kratzt er sich den Schädel und auf einmal fällt ihm ein,
was er die alten Hirten hat reden hören: Das Kasermandl läutet die Hütezeit
aus. Das ist's, nickt der Senn vor sich hin, schlägt das Kreuz, betet ein paar
Vaterunser, zieht sich die Decke über die Ohren und schläft seinen dreimal
unterbrochenen Schlaf nun unbekümmert weiter. Später als sonst wacht der Lois am Morgen auf, und wie er
sieht, der helle Tag ist da, springt er vom Lager und beeilt sich, nach dem
Vieh zu sehen. Nichts mehr hält ihn auf der Alm, nieder ins Tal will er sein
Vieh treiben, so schnell er damit zuwege kommt. Wider Erwarten findet er den
Stall leer, aber zum Verwundern bleibt ihm keine Zeit, denn von draußen herein
dröhnt das Gemuhe und Gebrüll der Kühe, fordernd und drängend. "Die hat
das Kasermandl ausgetrieben!" sagt sich der Lois und macht sich ans
Melken. Zwischendurch wirft er einen Blick nach dem Himmel - umzuschlagen droht
das Wetter, er kennt seine jähen Launen, und da verschnauft der Senn nicht
eher, als bis er seine Herde hinausführt aus der Alm, hinab ins Tal. Am Nachmittage dann ist der Nebel eingefallen und tags
darauf, nach einer stürmischen, kalten Nacht, hat Neuschnee die Hochlizum
zugedeckt, bis herunter zu den tiefsten Asten. Der Lois ist in späteren Jahren Besitzer des schönen
Vöglerhofes am Vögelsberg geworden. Seinen Sennern soll er, eingedenk der
Mahnung des Kasermandls in der Hochlizum, sein Lebtag lang eingeschärft haben,
den Almabtrieb nie hinauszuzögern, und sollten die Maulwurfshügel offen liegen
und die Blindschleichen bergwärts kriechen. (Alpenburgs Mythen und Sagen, 1857, nacherzählt.) Quelle: Sagen aus Wattens und Umgebung; gesammelt von den
Schulkindern in Wattens und Wattenberg. In: Wattener Buch, Beiträge zur
Heimatkunde von Wattens, Wattenberg und Vögelsberg. Schlern-Schriften 165,
Innsbruck 1958. S. 309 - 326. |
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