Das AV-Jahrbuch BERG 2010 ist inklusive der neuen AV/Karte "Tuxer Alpen" ist in der AV-Geschäftsstelle Hall, Schulgasse 6 (Di + DO 17 - 20h; FR 10-12h und 17-19h) erhältlich
"Geier" am "Geier", Blick auf die Zillertaler mit Olperer, Gefrorene Wand und Riffler
Lizum/Tuxer: "Der Weg ist die Zirbe"
Schwerpunkt-Gebietsthema Tuxer Alpen
„Das Alpenvereinsjahrbuch ist so etwas wie unser Langzeitgedächtnis“, so beschreibt OeAV-VizepräsidentOskar Wörzdie Bedeutung von „Berg 2010“, dem bereits 134. Band der Jahrbuchreihe. Das Jahrbuch 2010 widmet sich dem Schwerpunkt-Gebietsthema Tuxer Alpen.
Die Tuxer Alpen und eine neue Alpenvereinskarte
Warum die „stillen Tuxer“ ihren Namen zu Recht tragen, welche Möglichkeiten sie besonders für den Skitourengeher bieten, aber auch welchen Gefahren dieser ursprüngliche und noch weitgehend intakte Naturraum ausgesetzt ist, wird im Karten- und Gebietsthema beschrieben.
„Jahrhundertelang waren die Tuxer nur für Senner, Hirten, Bergleute oder Jäger interessant, heute sind sie unter anderem ein Drehkreuz internationaler Trekkingrouten“, beschreibt Gerald Aichner, einer der besten Kenner der Tuxer Alpen, das Gebiet zwischen Wipp-, Inn- und Zillertal.
„Die stillen Tuxer“
aus der Sicht des Haller Alpenvereins
Der Haller Alpenverein betreut seit 125 Jahren als Arbeitsgebiet einen erheblichen Teil der Tuxer Alpen, es ist eines der größten Arbeitsgebiete, mit ca. 60 km Wegen und Steigen und drei Hütten in den Tuxern. Erstmals seit 80 Jahren widmet sich ein AV-Jahrbuch wieder dem Thema „Tuxer“, „in unserem 125-Jubiläumsjahr, was die Sektion besonders freut“, sagte Gerald Aichner bei der Pressepräsentation des Jahrbuchs in den Räumen des Haller Alpenvereins.
„Das unbekannteste Gebirg’"
Die Tuxer scheinen als Gebirge erstmals 1877 als „Zillertaler Voralpen“ auf. Im Jahrbuch 1920 erfolgt die erste Beschreibung der Tuxer Vorberge durch Julius Mayr-Branneburg, mit Fotos der Lizumalpe, der Tarntaler und Kalkwand, vom damaligen Lizumer Hüttenwart August Riepenhausen. Mayr charakterisiert: “Von allen Gebirgen Tirols ist die Gruppe der Tuxer Vorberge das wenigst begangene, das unbekannteste, wenngleich es dem Touristenverkehr so nahe liegt. Zwischen Nördl. Kalkalpen und Zentralalpen vereinigt das Tuxer Vorgebirge in einer Zwischenstufe die Reize beider. Oberhalb der letzten Talstufe, des Zirbnachs, des größten geschlossenen Zirbenbestandes Tirols, liegt die Alpe Lizzum (zz!), das größte Almdorf Tirols.“
1931befasst sich unser Ehrenmitglied Dr. Hermann Lechner im Jahrbuch mit den „Lizumer Bergen“ und befindet, „die Lizum mit ihren 30 Gipfeln ringsum ist der Mittelpunkt der Tuxer Alpen“.
Kennzeichen der Tuxer
Die Tuxer sind umrahmt von drei Tälern und Flüssen: Inntal/Inn, Wipptal/Sill und Zillertal /Tuxertal/ Ziller; sie reichen bis zum Tuxerjoch. Sie sind dünn besiedelt: Siedlungen liegen meist am Taleingang. Sie sind dicht bewaldet, mit großen Zirbenbeständen; die Almen reichen bis in die Gipfelregionen: Die Lizum ist die zweitgrößte Alm Tirols.
Diese Beschreibung von 1920 stimmt im weiten immer noch: Die touristische Erschließung hat relativ spät eingesetzt, im 19. Jh., später und zögerlicher als anderswo; die mechanische Erschließung besteht nur rundherum, an den Rändern. Vorher waren nur Hirten, Jäger und Steinklopfer, dann erst kamen Bergsteiger, Kletterer, Skitourengeher. 1893 erfolgte die Klettererschließung der Kalkwand durch Wattner. Um die Jahrhundertwende 1900 lebt der Skisport auf. Auch heute noch sind die Tuxer vom großen Touristenstrom ziemlich unbehelligt, aber ein beliebtes, geschätztes Skitourengebiet. Es gibt „Touren in einer Fülle, die in Tirol einzig ist“, schreibt Walter Klier im Tuxeralpen-Führer 1976. Die großen Tourenparadiese sind Glungezer, Lizum, Weertal, Gilfert, Rastkogel. Die Hütten in den Tuxern wurden im Hinblick auf den Skitourensport erbaut, vor und um 1900. „Wattental bzw. Lizumtal ist das schönste Tal der Tuxer“, so Klier.
Die Tuxer sind in ihrer Form sanft und rund und doch bis 2884 m hoch: Reckner, also doch auch ein „Hochgebirge“. Typisch für die Tuxer sind lange, einsame Gratwanderungen, von Joch zu Joch, kreuz und quer, von Hütte zu Hütte. Der neue „Inntaler Höhenweg“ verbindet in fünf bis sechs Tagen sechs Hütten, 2000 m hoch überm Inntal, von Ost nach West bzw. umgekehrt; vom Patscherkofel über Glungezer, Lizum, Weertal, Rastkogel zum Kellerjoch.
Diesen Themen widmen sich vier Beiträge im Jahrbuch.
„Die stillen Tuxer“ - Gerald Aichner beschreibt die „einsamen Tuxer“, die nicht überlaufen sind. Hütten und Wege bilden ein Drehkreuz internationaler Trekkingrouten: Inntaler HW, Via Alpina, 02A Zentralalpenweg; Zirbenwege, Haller Kristallroute, Olympiaweg, Tuxer Durchquerung, Alpine Wallfahrt, Europaweg, Adlerweg.
„Der Weg ist die Zirbe“ - Lene Wolnybefasst sich mit der Neuinterpretation des Sinns der Gebirgspfade, am Beispiel des Arbeitsgebietes der Sektion Hall rund um Glungezer und Lizum.
„Die Zukunft der Tuxer Alpen“ – Peter Hasslacher (OeAV-Raumordnung und Naturschutz) geht es darum, „das stille Potenzial der Tuxer auf Dauer zu sichern. Erschließungen gibt es zwar nur an den Rändern, aber die Tuxer sind massiv bedroht durch neue alte Pläne von Skizirkussen Weer-Penken; Hochfügen-Kellerjoch in ihrer Unberührtheit bedroht. Obwohl die Tuxer laut Raumordnung des Landes Tirol von 1960 ein noch „stiller Bereich sind, noch abseits der Entwicklungsgebiete“, sind sie trotzdem nur sehr schwach durch Schutzgebiete abgesichert“. Das Ziel muss sein, in den Tuxern mehr Schutz dauerhaft zu erreichen, den Landschaftsschutz und die Natursubstanzqualität absichern.“
„Blätterteig zwischen Tux und Brenner" - Martin Roos befasst sich mit der Geologie der Tuxer.
Dem AV-Jahrbuch ist eine neue Sommerkarte der Tuxer beigelegt. Separat gibt es dazu eine Winterkarte mit den Skirouten.
Weitere Themen im Jahrbuch
Och’n geh i nit ...
Hermi Lottersberger aus Mayrhofen im Zillertal steigt mit 82 Jahren noch immer im steilen Fels herum. Was diese besondere Bergsteigerpersönlichkeit, die mit Größen wie Peter Habeler oder Darshano Rieser geklettert ist, schildert Birgit Antes im Kapitel „Alpine Geschichte“.
Die Alpen als Lebensraum
Die gegenwärtige Krisensituation verleiht dem diesjährigen Topthema des Alpenvereinsjahrbuchs „Lebensraum Alpen im Wandel“ Aktualität und ein scharfes Profil. Wandel bedeutet Veränderung, aber – wie wir derzeit verstärkt erfahren – nicht selbstverständlich immer bloß in Richtung mehr und größer. Angst und Zweifel verunsichern und erschüttern gewohnte Selbstverständlichkeiten, verlangen neue Orientierungen und zwingen zu Kurskorrekturen.
Verschwinden die Alpen?
Schlagworte wie „Das Hochgebirge im Schwitzkasten“ oder „Auf der Suche nach Korsikas Gletscher“ deuten auf die massiven klimatischen Veränderungen hin, die die Menschen und natürlich auch den Alpenverein schon früher beschäftigten, es aber auch heute noch tun.
Aber auch andere Themen wie „grenzenlose Mobilität“ oder „Spielplatz Berg“ werden im Hauptthema „Lebensraum Alpen im Wandel“ kritisch unter die Lupe genommen.
Das und viele spannende Beiträge aus der Welt des Bergsports, der alpinen Kultur und der alpinen Geschichte finden Sie in Berg 2010.
Berg 2010 – Alpenvereinsjahrbuch
Band 134 der Zeitschrift, 320 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Alpenvereinskarte Tuxer Alpen, Nr. 33, 1:50.000, mit Wegmarkierung.
ISBN –13: 978-3-937530-50-5, Deutscher und Oesterreichischer Alpenverein mit Alpenverein Südtirol (Hsg.)
Das AV-Jahrbuch BERG 2010 ist inklusive der neuen AV/Karte "Tuxer Alpen" ist in der AV-Geschäftsstelle Hall, Schulgasse 6 (Di + DO 17 - 20h; FR 10-12h und 17-19h) erhältlich. Preis für Mitglieder: 15.80 € (zzgl. Versandkosten) Die Auslieferung an den Buchhandel erfolgt in Österreich über freytag & berndt Artaria KG. (EUR 22,60)
Alpenverein bringt neue DVD “Alpenvereinskarten Digital” heraus