Oesterreichischer Alpenverein
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Hall in Tirol

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Lizumerhütte 95-Jahrfeier – offizielle Wiedereröffnung nach Generalsanierung

 24. 6. 2007

Liz_Kletterwand95
Alpin-architektonisches Musterbeispiel

500 Besucher bei Traumbergwetter und beste Stimmung charakterisierten die „95 Jahrfeier der Lizumerhütte“ am Sonntag, 24. Juni 2007. „Franz Posch und die Innbrüggler“ und der 1. Kletterbewerb um den „Lizumer Bergkristall“ an Tirols höchstgelegener Kletterwand bildeten die musikalischen wie sportlichen Höhepunkte am Tag der offenen Tür. „Neue Zimmer, ein moderner Seminarraum, eine tolle Vorstiegswand und zwei Boulderwände sind die neuen Highlights der Lizumerhütte“, betonte Halls AV-Vorsitzender Gerald Aichner bei der offiziellen Wiedereröffnung der Hütte nach ihrer Generalsanierung. „Die Hütte ist damit ein neuer Markstein für den Tourismus in der Region Hall-Wattens und ein alpin-architektonisches Musterbeispiel.“

 

Eine Skitour an der Wiege der Lizum

An der Wiege der Lizumerhütte standen - gleich nach Gründung der AV-Sektion Hall anno 1884 - der Wunsch nach einer „Haller Hütte“ und eine erste Lizumer-Skitour. Wünsche und Pläne für die Hütte am Halleranger oder am Bettelwurf erfüllten sich nicht.
Aber im Jahr 1895 hat das Ehrenmitglied des Haller Alpenvereins Obstlt. Friedrich Nürnberger als erster mit 13 Kaiserjägern eine Skitour von Hall durchs Wattental in die Lizum und übers Klammjoch nach Navis unternommen. Er erkennt sofort, dass diesem Gebiet und dem „Schneeschuhfahren“ große Zukunft beschieden sein würde. Das war entscheidend, dass sich die Sektion Hall nun in ihrem Arbeitsgebiet Voldertal- Wattental um den Bau eines „Haller Hauses“ in der Lizum bemüht hat.

 

Zehn Jahre wurde mit den Bauern um den Grund zäh verhandelt, 1911 geplant und 1912 bereits das Lizumer Haus eröffnet. 90 Jahre später hat der Haller AV den Trend eingeschätzt, der international verstärkt zum Bergwandern, Trekking und Tourengehen geht: dafür stehen Lizumerhütte wie Glungezerhütte. 2005 hat der AV Hall wir zum richtigen Zeitpunkt überlegt, wofür die Lizumerhütte künftig stehen soll und diese Vorstellungen 2006 planlich rasch umgesetzt. 2007 steht die Lizumerhütte wieder da als Fels, Etappenziel, Ausgangspunkt vieler Bergwanderungen über Jöcher in die Täler ringsum, für viele Skitouren

 

Intention des Generalumbaus

2. Vors. Walter Keil, Hüttenreferent und Bauleiter, sagte, Intentionen für  Generalsanierung und Zubau seien die Steigerung der Frequenz und Steigerung der Nächtigungen, um die wirtschaftliche Eigenständigkeit der Hütte zu steigern, den Pächtern eine gesicherte Existenz bieten und die Sektion und die Mitglieder zu entlasten. Zeitgemäßer Hüttenstandard sei Voraussetzung, die Hütte durch Tages- und Nächtigungsgäste im Sommer und Winter deutlich stärker auszulasten. Die Vorplanung erfolgten durch eine eigene Arbeitsgruppe mit DI Heidi und Ing. Hans Plank, die Planung durch Architekt DI Simon Unterberger. 65 freiwillige, ehrenamtliche Helfer arbeiteten 7.000 freiwillige Arbeitsstunden. Die Sanierung wurde in extrem kurze Bauzeit von vier Monaten 2006 durchgezogen, 2007 erfolgten Restarbeiten.

 

Die Lizumerhütte erstrahlt in neuem Glanz, und ist gut gerüstet für die nächsten Jahre, für die Anforderungen und Bedürfnisse der Bergwanderer und Trekkinggeher von morgen, die sich ihr Ziel, wo möglich, nach verschiedenen Kriterien aussuchen, wie Lage, Natur (Zirbenweg) - Qualität & Angebot (Zimmer, Ausstattung, Preis-Leistungsverhältnis: AV-Hütte) - Küche, regionale Produkte, Spezialitäten - Attraktivität: Kletterwand. Das alles war mit enormen Kosten verbunden und war nur mit einem guten „Projekttreiber“ und mit profunden Firmen zu bewerkstelligen.

Mehr Eigenertrag erwirtschaften

Finanz-Ref. Ing. Romed Giner sagte zur  finanziellen Seite der Generalsanierung, ihr Ziel sei es, mehr Eigenertrag der Hütte zu erwirtschaften. Die erste Hütte hat lt. Chronik 20.000 Kronen gekostet, das wären ca. 200.000 €. Großer Dank gilt den Baufirmen Baumeister und Zimmerer Posch, Sanitäre Freund, Spenglerei Giner, Tischlerei Steiner, Bauwaren Canal, Tschabrun, Holz Kogler und ArtRock. Dank den Unterstützern wie HBV-W, Bundesheer, Raiffeisen Regionalbank Hall, Marktgemeinde Wattens, dem OeAV, dem Wirtschaftsministerium und Land Tirol.

 

Gute Nachbarn

Als gute Nachbarn in der Lizum begrüßte der Vorsitzende die Alpinteressentschaft Lizum mit Herrn Nock, die Almerer, Forst, Jagd, Wildbach/Lawinen. Vom Bundesheer den stellv. Kdt. des TÜPl Lizum, Obstlt. Herbert Ostermann, den früheren TÜPl Kdt. Obst Rudolf Hinteregger, Heeresbergführer Vzlt. Werner Haim. „Eine bes. Auszeichnung ist die Teilnahme des Tiroler Militärkommandanten Generalmajor Herbert Bauer. Er gratulierte und sagte, die Nachbarschaft von Bundesheer und Alpenverein in der Lizum erfolge in bester Kameradschaft und sei ein Musterbeispiel.                                                      

 

Vors. Gerald Aichner: „Danke für Unterstützung - Gute Nachbarschaft und Kameradschaft weiterhin. Wenn gelegentlich „Kanonendonner“ um die Hütte pfeift, sei daran erinnert: Hütten sind ein friedliches Symbol des Menschen, der den Einklang mit der Natur sucht. Wenn in der Lizum auch Soldaten ausgebildet werden, soll auch das immer nur dem Frieden dienen.“

 

Neuer Markstein für Tourismus

In der Region Hall-Wattens bildet die Lizumerhütte einen neuen Markstein für Bergwander-Tourismus, als Ausgangspunkt, Etappen- oder Endziel: Dieser spielt sich ab am Traumpfad München-Venedig über Glungezer-Lizum, am Fernwanderweg Feldkirch-Hainburg. Olympiaweg Garmisch-Ibk-Cortina -  am Zirmweg für den einheimischen Tagesausflug mit der Familie. Und über Initiative des Haller AV nun auch offiziell auf zwei Varianten des Adlerwegs zwischen Kaiser & Arlberg, und der Via Alpina Triest-Monaco, wobei Adlerweg und Via Alpina Alpenvereinswege sind, weil sie überwiegend von den Sektionen betreute Steige verwenden – zum Nulltarif.
Die neuen gelben Wegetafeln für Via Alpina und Adlerweg werden in Kürze aufgestellt.

Arbeitsgebiet heißt heute nicht mehr Erschließung, sondern ist eine Voraussetzung für Erkundung der Berge, durch Wege, Steige, Markierungen und Tafeln. Das alles ist mit sehr viel ehrenamtlicher Tätigkeit vieler Funktionäre und auch vieler Mittel verbunden.

 

Auf Wattenberger Gemeindegebiet

Die Hüttenfeier fand auf Wattenberger Gemeindegebiet statt, der Begriff „Wattener Lizum“ ist daher  falsch.  Der AV bemüht sich stets um die korrekte Bezeichnung Lizum im Wattental, und freute sich, dass die Bürgermeister von Wattens, Komm-Rat Franz Troppmair, und der Bürgermeister von Wattenberg, Hr. Johann Geißler zur Feier gekommen waren.

Bgmstr. Geißler erinnerte an die Hüttengeschichte, die erfolglose Bemühung um Rückgabe der Hütte 1945 und an den wichtigen Vertrag von 1955, in dem die Rechte der Almbauern, des Tourismus und Alpenvereins festgeschrieben sind. Geißler überreichte für die Hütte ein erstes Bild der „Lizumerhütte, Winter 1912“ und den Gemeindewimpel        

 

Die Lizumerhütte wird von der Sektion Hall betrieben. Hall und Wattens haben sich damals als gemeinsame Sektion um einen Standort für die Hütte bemüht. Der Bürgermeister der Stadt Hall, Leo Vonmetz, gratulierte dem größten Haller Verein zur sehr gelungenen Hüttenerneuerung wie zum Kletter-Weltcup.                       

 

Großes Arbeitsgebiet

Die Lizum ist seit 95 Jahren das große Arbeitsgebiet des Haller Alpenvereins. Die Hütte hat Stürme, politische Wirren, Enteignung, Diktatur und Regime unverrückbar überstanden. Ihr Bestand ist nun seit über 50 Jahren durch einen Vertrag zwischen Republik Österreich, Land Tirol und Alpenverein festgeschrieben und sie ist durch die Via Alpina in der Alpenkonvention fest mit dem Land Tirol verankert, so dass uns um ihre Zukunft nicht bange zu sein braucht.

 

Für die Landespolitik überbrachte Abg. zum Nationalrat Hermann Gahr die Glückwünsche und sagte weitere Unterstützung in Sachen Begehbarkeit zu.   

 

Über Thema „Sperrgebiet“ nachdenken

Vors. Gerald Aichner betonte, der Haller AV möchte das Thema Sperrgebiet im Einvernehmen mit dem Bundesheer weiterentwickeln -“ im Sinne einer Rückführung auf die ursprüngliche Intention des Vertrages zwischen Republik Österreich, Land Tirol und dem Alpenverein. Bundes- und Landespolitik sind da stark gefordert, dass der Einheimische Wanderer und Tourengeher nicht schlechter gestellt ist als ausländische Truppen. Das war nicht die Intention des Vertrages.“ In diesem Sinne gab er diese Bitte den Politikern als Marschgepäck mit und bat um Unterstützung.

 

Offiziell entschuldigt hatten sich die zuständigen Bundesminister: für Landesverteidigung Norbert Darabosch, und sein Vorgänger Bundesminister für Inneres Günther Platter.

 

Aus den Reihen des Alpenvereins und alpiner Vereine konnte die Sektion willkommen heißen: Bergrettung Hall und Wattens;  Bergsteigergesellschaften: Alpensöhne, AK Edelweiß, Halltaler; den Hütten-Referenten des OeAV-LV Tirol, Ing. Fritz Rafelsberger, die befreundete Sekt. Wattens mit Alt-Vorsitzenden Toni Schlechter und Max Mader.

 

Strategische Bedeutung der Lizumerhütte

Als Zeichen, welche strategische Bedeutung die Lizumerhütte für den OeAV hat, ist die Teilnahme des Präsidenten des OeAV, Dr. Peter Grauß, an der Hüttenfeier zu werten. Grauß trat für Öffnung der Militärstraße in die Lizum für Mountainbiker ein – das sollte doch möglich sein- und sagte Unterstützung zu. Wenn AV Hall etwas macht, wisse er, dass es bestens funktioniere, Glückwünsch! Der OeAV wünsche sich von der Politik mehr Unterstützung für die Instandhaltung seiner 250 alpinen Schutzhütten und der 40.000 km  Wege/Steige, die auch dem heimischen Tourismus wie der Erholung der ÖsterreicherInnen sehr dienten.

 

Auch wenn die Infrastruktur „Lizumerhütte neu“ zu 90 Prozent erledigt ist, hat die Sektion noch viele Pläne für die Hütte bis zu ihrer 100-Jahrfeier anno 2012: Gemeinsam mit der Pächterfamilie will man die Lizumerhütte zur echten „Wohlfühlhütte“ entwickeln – Schutzhütten brauchen ihr eigenes Profil.

 

Landschaftliches Kleinod

Lizum ist ein landschaftliches Kleinod, einer der drei schönsten Talabschlüsse in Nordtirol, mit einer wunderbaren, weitgehend unberührten, einsamen Natur. Die Leute, die wir hierher einladen, suchen nicht das Massengebiet, sondern die individuelle Erkundung einsamer Wege, Steige, Tourenhänge, Jöcher, Gipfel und Seen. Der Haller AV ist gerade deshalb von einer guten Zukunft für die Lizumerhütte überzeugt.

 

Besondere Lage

in einem wunderbaren Talschluss - inmitten von Almrosen und Enzianen

am Rande einer kleinen Moräne des Geier-Gletschers

an einem kleinen See

von NW aus an einem Wildbach im Almgebiet,

zwischen Kalk, Quarz und Serpentin, im Kranz vieler Gipfel und Jöcher

mitten im TÜPl Lizum, am Rande des Hochlagers – seit 70 Jahren

gegenüber der Lizumer Bergkirche

im Visier des Karwendels im Norden

im Drehkreuz europ. Weit- und Fernwanderwege und Trekkingrouten.


Themenweg „Lizumer Tuxer“

Daher will die Sektion Hall den Themenweg „Lizumer Tuxer“ angehen, um diese Schönheiten, Besonderheiten und Spezialitäten der Lizum dem, der sich interessiert, nahe zu bringen, und der Lizumerhütte noch mehr Profil zu geben.

 

„Lizumerhütte neu“ in Bildern
Gerald Aichner charakterisierte die "Lizumerhütte neu" in drei Bildern:

1.  „Die Lizumerhütte steht - baulich wie symbolisch – breit, auf festem Fundament, nach zwei Seiten hin geradezu im Gelände verankert.

Das neue breite Dach legt sich wie ein schützender Mantel auch über die alte Hütte,

sinnbildlich als Schutz für die Ur-Hütte, die wir bewusst erhalten haben;

als Wertschätzung dessen, was AV-Funktionäre, Bauleute und Handwerker damals geplant, gezimmert, gebaut und finanziert haben.

Ich sehe darin ein Zeichen, dass der Alpenverein kulturelle Werte schätzt und sie geradezu zu „verteidigen“ hat, sich der alpinen Baukultur früherer Jahrzehnte verpflichtet fühlt und nicht einfach neue Kästen in die Gegend setzt.

 

2.   Der gesamte Bau mit der prägenden Dachlandschaft der neuen Hütte, in Verbindung mit dem Altbau und den beiden seitlichen Bauwerken, nimmt diese Lizumer Berglandschaft auf und folgt exakt der Höhenlinie der Mölser Berg-Flanke. Die Hütte ist wie hineinkomponiert in den Talkessel der Wilden Lizum.

 

3.   Die Liz-H spiegelt sich nach Süden hin bei Windstille scharf im kleinen Hüttensee:

Bei Wellengang mutiert das Bild zur Fata Morgana – die Hütte ist noch irgendwie da, aber unscharf im Profil. - Sind die Stürme verebbt, steht sie als Bild und Bau unbeschadet wie zuvor. - Das wird auch in Jahrzehnten so sein.“

 

Neuer Hüttenreferent, neue Pächter

Der Haller Alpenverein konnte Architekt DI Simon Unterberger aus Gnadenwald nach Fertigstellung auch  für eine wichtige Funktion in der Sektion gewinnen können. Nachdem Walter Keil seine Funktion des Hüttenreferenten zurückgelegt hat, hat sich Simon Unterberger spontan dafür bereit erklärt und ist nun der Lizumer-Hüttenreferent im neuen Ausschuss, Bindeglied zwischen Pächter und Sektion, der „Verbindungsoffizier“.

 

Die Lizumerhütte wird nun von Ingrid und Sepp Partl aus Kolsaß bewirtschaftet, die zusammen mit ihren beiden Töchtern Daniela und Bianca, unter fallweiser Mithilfe der Eltern, die Hütte führen und ihre Gäste mit Freundlichkeit und sehr guter Küche verwöhnen wollen. Die Sektion wünschte viel Glück – auf viele Jahre.

Die Lizumerhütte hat schon eine bes. Auszeichnung: Sie zählt laut deutschem Alpinmagazin „Bergsteiger“ vom Dez. 2006 im Ranking zu den sechs besten Skitourenhütten im Alpenraum, mit vielen Skirouten und Gipfel-Touren. Es bleibt zu hoffen, dass weitere Auszeichnungen folgen.

Zum Einstand gab es für die Pächterfamilie ein persönliches Gästebuch und die „Blume aller Bergblumen“, gleich mehrfach, das Edelweiß.

 

Kletterbewerb "Lizumer Bergkristall"

Als neue Hüttenattraktion und zur offiziellen Inbetriebnahme der neuen Hüttenkletterwände gab es im Rahmen dieser Hüttenfeier den 1. Kletterbewerb um den „Lizumer Bergkristall“, an Tirols höchstgelegener AV-Kletterwand. Wolfgang Jehle, Sportkletter-Referent: „Eine tolle Vorstiegswand mit acht verschiedenen Routen, und dazu zwei Boulderwände, diese neuen Highlights prädestinieren die Lizumerhütte ideal für Kletterkurse, Ferientrainingslager und spannende Hüttenaufenthalte.“          

Den Tagessieg „Lizumer Bergkristall“ sicherten sich Antonia Gantschnigg und Kornelius Obleitner, beide OeAV Hall.

 

Klassensieger wurden: Huber Katherina (Kinder)

Schüler: Weiler Elias vor Mair Stefan; Antonia Gantschnigg vor Plangger Katherina

Allgemeine Kl.: Avancini Lisa vor Jehle Elisabeth und Eller Helene

Obleitner Kornelius, vor Bregulla Andreas, Kirchmeyr Gustl, Freund Maximilian.

 

„Franz Posch und die Innbrüggler“ sorgten für die musikalische Note und besten Schwung. 500 Gäste nützten die Gelegenheit, am Tag der offenen Tür die Lizumerhütte zu besichtigen.

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