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Gedenktafelenthüllung Franz Horich am 23.9.2018 (Gedenktafel für Franz Horich)

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Gedenktafelenthüllung Franz Horich am 23.9.2018

Gedenktafel Franz Horich

Foto: D. Fiala

Diese Gedenktafel findet man nach dem Gasthaus Grassauer am Kreuzungspunkt zur Bärenschützklamm.

Zur feierlichen Enthüllung der Gedenktafel für Franz Horich hat unser Ehrenvorstand Hans Schell eine Rede gehalten, die sie hier nachlesen können.



Gruppenfoto Gedenktafelenthüllung Franz Horich, Foto: D. Fiala
Gruppenfoto Gedenktafelenthüllung Franz Horich, Foto: D. Fiala

Liebe Erdrun!

Liebe Freunde und Kameraden von Franz Horich!

 

Herzlichen Dank, dass ihr zu der Gedenktafelenthüllung so zahlreich gekommen seid!

Obwohl es sicher Berufenere als mich gibt, freue ich mich, dass ich über Franz und seine bergsteigerischen Taten im Grazer Bergland sprechen darf.

Mit Franz verband mich eine jahrzehntelange Freundschaft und Seelenverwandtschaft.

Wir wurden beide 1938 im Abstand von 3 Tagen geboren.

Bevor ich auf das Wirken des Franz näher eingehe, erlaubt mir einen kleinen, alpingeschichtlichen Rückblick.

Vermutlich die erste Kletterei, die im Grazer Bergland durchgeführt wurde, war der Fontanesteig 1894 durch die leichtesten Wandpartien der Röthelsteinwestflanke.

Von einem Wahlonkel, der mit mir als Vierzehnjährigen auch meine erste Kletterei unternahm, habe ich das alte Wandbuch dieses Kletteranstieges aus den Dreißigerjahren geschenkt bekommen.

Schon 1902 wurde der heute noch immer beliebte Ratengrat-Normalweg erklettert.

Zwischen den beiden Weltkriegen etablierte sich in Graz und anderen steirischen Städten eine hochklassige Kletterelite, die vor allem im vorderen Teil des Ratengrates zahlreiche Erstbegehungen durchführte.

Klingende Namen wie Raimund Schinko, Fritz Sikorovsky, Karl Schreiner, die Brüder Rupilius und viele andere kletterten in dieser Zeit schon den 6. Schwierigkeitsgrad.

Ich erinnere mich, wie mir mein Vater erzählte, dass sie mit dem normalen Fahrrad von Graz in der Früh wegfuhren, am Ratengrat kletterten und am Abend wieder nach Graz zurück radelten.

Einmal hat mein Vater auch meine Mutter über die Ratengratkante mitgenommen. Diese war natürlich für meine Mutter zu schwer und hat damals fast eine Beziehungskrise ausgelöst.

 

Bald nach dem 2. Weltkrieg trat dann eine neue Elite in Erscheinung.

Der im 90. Lebensjahr stehende, in Alaska lebende Sepp Weber, mit dem ich gerade mit meiner Frau eine Woche die dalmatinischen Inseln mit dem Rad abgefahren bin und heute eigentlich auch kommen wollte, erkletterte zum Beispiel mit Bertl Hausegger 1953 den Schuppenriss oder 1958 mit Bruno Kraker die Rannerwand erstmals. Auch Ottl Krajnc, Kurt Laurencic und viele andere holten sich am Ratengrat die Kraft für große Unternehmungen.

Noch vor 10 Jahren hat Franz mit Sepp Weber einige schöne, klassische Klettereien im Grazer Bergland begangen.

Kugelstein, Rote Wand, Breite Wand, die Totschlagwände und viele andere Felswände wurden erstaunlicher Weise aber von den Kletterern gemieden. Die allgemeine Meinung war, diese Felsen sind entweder als Kletterfelsen nicht geeignet oder einfach zu brüchig.

Dies konnte unser Technik-Student Franz Horich einfach nicht glauben und begann mit großer Beharrlichkeit, diese Wände zu erschließen.

Im Laufe der Jahre gelangen Franz und seinen Partnern wunderschöne, ja manchmal traumhafte Klettereien.

Neben sehr schwierigen Routen wurden in mühevoller Arbeit auch sehr schöne Kletterführen im 4. Schwierigkeitsgrad erschlossen.

Andere, exzellente Kletterer traten ebenfalls in Erscheinung und so entstand ein großartiges Klettergebiet, das auch Kletterer aus anderen Bundesländern, sowie aus Slowenien, Tschechien und der Slowakei anzogen.

 

Der große Vorteil des Grazer Berglandes ist die Nähe zu Graz, einfache Abstiege und dank der unermüdlichen Bemühungen von Franz auch toll abgesicherte Routen und Standplätze.

Franz schmiedete eigene Haken, richtige „Schwerter“, verwendete Aludraht als dauerhafte Sicherungsschlingen, betonierte sogar bei sehr schlechten Sicherungsbedingungen Elektrorohre ein, durch die man dann jeweils als Sichernder eine Reepschnur durchfädeln konnte.

Bei einer Kletterei mit Franz musste man auch große Geduld beweisen, konnte er durch keine Seillänge klettern, ohne einen losen Stein zu entfernen oder einen Grashalm auszuzupfen.

In den letzten Jahren war Franz oft sehr betroffen, wurden seine „Spezialhaken“ und sonstigen Sicherungen durch oft unnötige Bohrhaken ersetzt oder Sicherungen so angebracht, dass sie schlecht erreichbar waren.

 

Die hochaktiven Klettertätigkeiten blieben von der Jägerschaft nicht unbeachtet und ein richtiges Kesseltreiben gegen Franz begann.

Das tollste waren Geschichten, dass er meterbreite Wege zu den Einstiegen anlege, ganze Rodungen durchführe und die Vegetation zerstöre.

Ulkig auch die Story, dass Kletterer in der Roten Wand das Steinwild so erschrecken, dass es in Panik über die Hochfläche flüchte und auf der Nordseite zu Tode stürze!

Wer schon einmal sich aus einer Route abseilen musste, weil der Steinbock mit gesenktem Haupt die Kletterroute blockierte, kann genau das Gegenteil berichten.

Seit der „Hauptakteur“ der Vertreibungskampagne nicht mehr lebt, ist es freundschaftlich und ruhig geworden.

Beide Parteien können nun ungestört ihrem Hobby nachgehen, ohne dass das Wild oder die schöne Landschaft Schaden erleidet.

Hier sei ausdrücklich herzlich dem derzeitigen Management der Forstverwaltung und in letzter Konsequenz auch dem Besitzer im Namen aller Bergsteiger und Kletterer gedankt!

 

Leider wurde es nicht erlaubt, an der vorgesehenen Stelle die Gedenktafel anzubringen. Hubert Grassauer war so großzügig und liebenswürdig, uns einen geeigneten Platz zur Verfügung zu stellen, wofür ihm herzlichst gedankt sei.

Hubert lädt auch alle, die zu dieser Gedenktafelenthüllung gekommen sind, anschließend in sein Gasthaus zu Speis und Trank ein.

Dich, liebe Erdrun, die seit Jahrzehnte Partnerin von Franz war, darf ich nun bitten, die Gedenktafel zu enthüllen.

 


 
 
 

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