Prof. Mag. Dr. Leopold Neuhold der Verfasser der "Thesen zum Ehrenamt"
10 Thesen zum Ehrenamt
Ehrenamt – Thesen
Ehrenamtliche
Arbeit schafft soziales Kapital, das zusammen mit anderen Faktoren wie dem
Recht oder der Verwaltung den inneren Zusammenhang der Gesellschaft
bewirkt. Ohne das Ehrenamt würde dieser Zusammenhalt der Gesellschaft
leiden.
Ehrenamtliche
Arbeit ist ein Hinweis darauf, dass Arbeit mehr ist als nur Erwerbsarbeit.
So können von der ehrenamtlichen Arbeit her auch neue Impulse für die
Arbeit als gesamtes ausgehen.
Professionalisierung
und Funktionalisierung in der Arbeitswelt führen zu einer teilweisen
Abwertung ehrenamtlicher Arbeit, die oft nur noch als untergeordnete und
minderwertige Arbeit gesehen wird. Deswegen ist die Sorge um Weiterbildung
der ehrenamtlich Mitarbeitenden ein Gebot der Stunde. Die Kosten für diese
Weiterbildung sollen möglichst von den Organisationen und Vereinigungen,
innerhalb derer die Ehrenamtlichen tätig sind, getragen werden.
Der
derzeitige Ruf nach ehrenamtlicher Arbeit ist auch auf Schwierigkeiten,
wichtige Arbeiten in der und für die Gesellschaft zu finanzieren,
zurückzuführen. Eine solche Situation ist problematisch für eine richtige
Sicht ehrenamtlicher Arbeit, weil sie aus dieser Perspektive heraus oft
nur in der Bedeutung eines Lückenbüßers gesehen wird. Aus solcher Sicht
kann und soll diese ehrenamtliche Arbeit zurückgenommen werden, wenn die
Situation sich so verändert, dass die Finanzierung professioneller Arbeit
wieder möglich wird.
Ehrenamtliche
Arbeit verkörpert eine Kultur des Zuhörens, eine Kultur des
Sich-Einbringens, eine Kultur, etwas kritisch zu sehen, und eine Kultur
der Unmittelbarkeit, also von direkter Beziehung von Mensch zu Mensch. Als
solche kann sie ein Ausgriff sein auf gelungene Formen des Arbeitens, die
in der Entwicklung hin zur Erwerbsarbeit als wichtigster Form von Arbeit
teilweise verloren gegangen sind. Diese Gesichtspunkte werden aber nicht
automatisch erreicht. Es ist also nach den Rahmenbedingungen zu suchen,
unter denen diese Elemente der ehrenamtlichen Arbeit tragend werden
können, auf dem Feld der Ehrenamtlichkeit wie auch auf dem Feld der
Erwerbsarbeit..
Viele
der Arbeiten, die als Ehrenamt bezeichnet werden, bedeuten weder Ehre noch
Amt, sondern sind bloße Hilfsarbeiten, die aber notwendig und
unverzichtbar sind. Damit der Sinn dieser Hilfsarbeiten erfahren werden
kann, ist es wichtig, einen Bezug zum Ganzen der Organisation
herzustellen, in deren Rahmen diese Aufgaben erfüllt werden. Andererseits
muss der Dank für diese Arbeiten wenigstens in einer entsprechenden
Beachtung dieser Arbeiten liegen.
Das
Zusammenwirken von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen wird besonders auf
dem Hintergrund eines wirklichen oder vermeintlichen Wissensvorsprungs der
Funktionäre etwa in Bezug auf Finanzierung oder in Bezug auf die Ziele und
Strategien der Einrichtung mitunter spannungsgeladen. Angesichts solcher
Uninformiertheit sind verschiedene Formen der Mitbestimmung nur noch bloße
Scheinformen von Mitbestimmung, das Einbinden der Ehrenamtlichen in die
Ziele der Gesamtorganisation bleibt oft nur formal. Austausch von
Informationen und Einbeziehen in die Entscheidungen, die wirklich von
Bedeutung sind, ist angesichts einer solchen Situation notwendig.
Eine
vielschichtige Gesellschaft lässt eine Einteilung in kleinere und größere
Gebilde und die damit gegebene Forderung der Gestaltung von unten nach
oben als nicht mehr zweckmäßig und zielführend erscheinen. Mit einer
solchen Einteilung ist oft wenig zur Lösung von anstehenden Probleme
erreicht. So scheint es wichtig zu sein, zu einem Zu- und Miteinander von
öffentlichen und privaten Einrichtungen, die dem Menschen oder den Gruppen
bei der Behandlung ihrer Probleme am nächsten sind, zu kommen und damit zu
einer neuen Verhältnisbestimmung von professioneller und ehrenamtlicher
Arbeit.
Der
Tendenz, das sogenannte Christbaumprinzip zum Tragen zu bringen, wonach
solche Menschen, die etwas tun, mit immer mehr Aufgaben behängt werden,
bis sich die Äste biegen, ist mit einem Bemühen um Ausweitung des Kreises
der Anzusprechenden zu begegnen. Natürlich bedarf das des Bemühens um Werbung
für die Ziele der Organisation.
Es
wird die Frage zu stellen sein, wie die ehrenamtliche Arbeit „belohnt“
wird. Eine entsprechende Spesenabgeltung sollte selbstverständlich sein,
darüber hinaus muss aber neu nach nichtmonetären Möglichkeiten der „Belohnung“
Ausschau gehalten werden.
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