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Windkraftanlagen – eine stürmische Debatte (Naturschutz konkret)

Alpenverein Austria

Windkraftanlagen – eine stürmische Debatte

Das Gebiet des Hochschwabs - B. Gamillscheg

Ein Beitrag von Agnieszka Zablocki, Mitglied der Gruppe Natur- und Umweltschutz des Alpenvereins Austria. Februar 2019

Ein Windrad erzeugt genug Energie für ca. 2000 Haushalte. Durch die optimalen Windverhältnisse in Österreich ist eine effiziente sowie kostengünstige Stromversorgung möglich. Zudem profitieren nicht nur die Haushalte von den Windkraftanlagen. Auch das Klima wird durch eine Reduktion des CO2-Ausstoßes geschont. In der Steiermark befinden sich zurzeit 81 Windräder, welche bereits 20% des Stromverbrauchs von Haushalten abdecken. Begrüßenswert ist die Einsparung von 240.000 Tonnen an CO2 (IG Windkraft 2019).  Dennoch gibt es beträchtliche Einwände, die aus alpiner Sicht gegen den Ausbau von Windkraftanlagen sprechen. Durch die schiere Größe sind Windräder in der Landschaft nicht zu übersehen, so dass eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und dem damit verbundenen Erholungswert gegeben ist. So kann die Lärmentwicklung bei einem Windrad 50 bis 70 Dezibel betragen. Zum Vergleich: Ein Staubsauger hat einen Lärmpegel von 70 Dezibel. Dauerbeschallung verträgt sich nicht mit Erholung. Das Landschaftsbild selbst wird nicht nur durch die Windräder selbst sondern durch zusätzliche Hochspannungsleitungen verändert. Ebenso ist der direkte Eingriff in die Natur durch die Windräder nicht zu unterschätzen. Viele Vogel- sowie Fledermausarten verunglücken tödlich durch die Rotorenblätter. Um die Windräder zu bauen, müssen teilweise neue Straßen und Wege konzipiert werden, um die entsprechenden Materialien zu transportieren. Zudem bedarf es pro Windrad einer Baufläche von 900 bis 1600 m2, welche wiederum den Lebens- sowie Erholungsraum von Mensch und Tier einschränkt. Unter Berücksichtigung dieser Nachteile plädiert der Alpenverein für einen bewussten Umgang mit Windkraftanlagen. Dazu gehört beispielsweise die Etablierung von alpinen Tabuzonen für Windräder. Als Tabuzonen gelten Schutzgebiete, Standorte mit geschützten Tierarten, Pflanzen und Lebensräume, alpine Regionen, welche für den Tourismus von Bedeutung sind sowie visuell exponierte Regionen bzw. Standorte (Alpenverein Österreich 2019). Die Steiermark eignet sich durch ihre alpinen Höhenlagen als idealer Standort für Windkraftanlagen und gilt nach Niederösterreich als das zweite Bundesland mit dem höchsten Potential für die Erzeugung von Windkraft. Das Investitionsvolumen beträgt seit 2018 daher 48 Millionen Euro (Steiermark ORF 2018). Unter Berücksichtigung des Natur- und Landschaftsschutzes hat das Land Steiermark sogenannte Ausschlusszonen (keine Errichtung von Windkraftanlagen), Vorrangzonen (Errichtung in konzentrierter Form möglich) sowie Eignungszonen (Standorte zweiter Priorität für die Errichtung) definiert. So wird Präbichl beispielsweise als Eignungszone deklariert (Amt der Steiermärkischen Landesregierung 2019). 

Quellen:

Alpenverein Österreich (2019). Keine Windkraft in alpinen Lagen - am Beispiel Brennerberge. Abgerufen Februar 2019 unter - https://www.alpenverein.at/portal/naturumwelt/alpine_raumordnung/energiewende/Windparks_am_Brenner.php

Amt der Steiermärkischen Landesregierung (2019). Entwicklungsprogramm für den Sachbereich Windenergie. Abgerufen Februar 2019 unter - http://www.landesentwicklung.steiermark.at/cms/beitrag/12636051/141975683/

IG Windkraft (2019). 10 Gründe für Windkraft. Abgerufen Februar 2019 unter https://www.hochsteiermark.at/de/regionen/rund-um-den-hochschwab.html

Steiermark ORF (2018). Zehn neue Windkraftanlagen für die Steiermark. Abgerufen Februar 2019 unter -https://steiermark.orf.at/news/stories/2911153/


Umweltgütesiegel für Schutzhütten – Was macht den Gewinner aus?

Die Voisthalerhütte - B. Gamillscheg

Ein Beitrag von Agnieszka Zablocki, Mitglied der Gruppe Natur- und Umweltschutz des Alpenvereins Austria. Februar 2019

Das Umweltgütesiegel für Schutzhütten, welches bereits 1994 vom österreichischen und 1995 vom deutschen Alpenverein eingeführt worden ist, erfüllt im Wesentlichen zwei Funktionen: Zum einen dient es Bergliebhabern als Orientierung bei der Auswahl von ökologisch-vorbildlich geführten Hütten. Im Sinne der Nachhaltigkeit kann der (umweltbewusste) Bergliebhaber durch seinen Aufenthalt in den ausgezeichneten Hütten bereits einen essentiellen Beitrag zum Natur- und Umweltschutz leiten. Zum anderen soll das Gütesiegel die jeweiligen Sektionen zu mehr nachhaltigem Engagement anspornen. Dieser Ansporn hat dazu geführt, dass allein in Österreich zwischen 1996 und 2018 insgesamt 59 Hütten das Gütesiegel erhalten haben. Davon befinden sich 10 Hütten in der Steiermark. Gemeinsam mit dem österreichischen Alpenverein haben der deutsche Alpenverein sowie der Alpenverein Südtirol bisher 120 Hütten ausgezeichnet. Bezüglich der Auszeichnung sind maximal 75 Punkte pro Hütte zu erreichen. Um das Umweltgütesiegel zu erhalten, sind mindestens 25 Punkte gefordert. So wurden beispielsweise an die Gloggnitzer Hütte (Rax), welche 2018 mit dem Gütesiegel ausgezeichnet worden ist, insgesamt 52,5 Punkte vergeben. Verliehen wird das begehrte Gütesiegel bei der jährlichen Hauptversammlung des Alpenvereins (Alpenverein 2019a, 2019b). Doch nach welchen Kriterien werden diese Punkte vergeben?

Grundvoraussetzung ist zunächst einmal die Erfüllung aller behördlichen Auflagen.  Darüberhinausgehende Qualitätsstandards dienen dem Erlangen des Umweltgütesiegels, welche in weiterer Folge näher beleuchtet werden. Die Energieversorgung der Hütte soll mehrheitlich über erneuerbare Energien sichergestellt werden, sprich mit Hilfe von Wasser, Sonne, Wind, Biomasse und sogar Pflanzenölen. Wenn dies zur Stromversorgung nicht ausreicht, kann ebenso ein Dieselaggregat unterstützend herangezogen werden, welcher allerdings durch Auffangwannen zu sichern bzw. mit Überschubrohren zu versehen ist. Ist es dann hell genug in der Hütte, muss man sich weiters mit dem Abwasser beschäftigen. Diesbezüglich müssen alle Auslässe in Duschen, Waschbecken und WC-Spülungen mit wassersparenden Armaturen ausgestattet sein. Den Damen unter den Bergliebhaben sollten in den sanitären Anlagen Behälter für die Hygieneartikel zur Verfügung gestellt werden, um Müllverschmutzung zu reduzieren. Selbstredend müssen auch die Hygieneprodukte der Männer fachgerecht entsorgt werden. Grundsätzlich ist die Müllreduktion ein wichtiges Kriterium zur Erlangung des Gütesiegels. Daher sollten ambitionierte Hüttenwirte und Wirtinnen Getränkedosen und Verpackungen meiden und sich stattdessen für Recyclingpapier begeistern. Auch umweltverträgliche Reinigungsmittel und die Verwendung von Hüttenschlafsäcken dienen einem ökologischen Umgang mit Schmutz. Kleinere Essensportionen für Bergliebhaber mit kleinerem Hunger helfen, Essensabfälle zu reduzieren. Am besten schmeckts der Jury bei der Punktevergabe, wenn mit einheimischen Produkten gekocht wird. Sollte trotz sorgfältiger Portionierung Essensabfall entstehen, kann dieser wieder als Tierfutter verwendet werden. Ebenso wird restlicher Müll strikt getrennt. Nach dem Essen wird auf Hütten, die sich um das Umweltgütesiegel bewerben, nicht geraucht, da es sich ausnahmslos um raucherfreie Hütten handelt. Dies garantiert saubere Luft in sauberen Bergen. Ebenso dienen Abluftanlagen, Abgasreiniger, Russfilter sowie die Nicht-Benutzung von FCKW-Sprays dem Einatmen von frischer Bergluft. Sogar die Möbel stehen auf dem Prüfplan, die ausschließlich mit biologischen Anstrichen neu gestrichen werden dürfen – wenn überhaupt. Auf das gute Essen folgt die Hüttenruhe, die im Sinne der Lärmvermeidung einzuhalten ist. Hier kann eine schalldämmende Isolierung für zusätzliche Ruhe sorgen (Alpenverein 2019c). Zusammenfassend sei gesagt, dass der Löwenanteil in der Umsetzung der Qualitätsstandards bei den Hüttenwirten liegt. Aber auch der Bergliebhaber kann seinen Teil dazu beitragen, in dem er sich der ruhigen Bergkulisse anpasst, selbst zur Ruhe kommt, nicht qualmt, nicht tönt, dem recyclen frönt und seine Habseligkeiten wieder mit ins Tal hinunternimmt. 

Quellen:

Alpenverein (2019a). Alpenvereinshütten ausgezeichnet mit dem Umweltgütesiegel. Abgerufen Februar 2019 unter https://www.alpenverein.at/portal_wAssets/docs/berg‑aktiv/huetten/kampagnen/ugs/Umwelguetesiegelhuetten_2017.pdf.

Alpenverein (2019b). Ausgezeichnet: Alpenvereinshütte erhält Umweltgütesiegel. Abgerufen Februar 2019 unter -https://www.alpenverein.at/portal/news/aktuelle_news/2018/2018_10_20_UWG.php

Alpenverein (2019c) Die Kriterien für das Umweltgütesiegel. Abgerufen Februar 2019 unter -https://www.alpenverein.at/portal_wAssets/docs/service/presse/2015/Kriterien_Umweltguetesiegelhuetten.pdf

 
 
 

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